{"id":1281,"date":"2017-10-12T09:05:36","date_gmt":"2017-10-12T07:05:36","guid":{"rendered":"http:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/?p=1281"},"modified":"2022-12-23T12:18:44","modified_gmt":"2022-12-23T10:18:44","slug":"erwerbstatigkeit-von-muttern-in-der-schweiz-entwicklung-und-individuelle-faktoren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/?p=1281","title":{"rendered":"Erwerbst\u00e4tigkeit von M\u00fcttern in der Schweiz: Entwicklung und individuelle Faktoren"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Art.-GiudiciSchumacher_i.pdf\">Der Artikel wurde vom statistischen Amt des Kantons Tessin auf Italienisch \u00fcbersetzt.<\/a><\/p>\n<h2><\/h2>\n<h2>Einleitung<\/h2>\n<p>In der Schweiz Mutter zu werden, kann starke Auswirkungen auf die berufliche Karriere haben. W\u00e4hrend frischgebackene V\u00e4ter mehrheitlich Vollzeit weiterarbeiten, unterbricht eine Mehrheit der M\u00fctter ihre Berufslaufbahn oder verringert zumindest ihren Besch\u00e4ftigungsgrad um das Kind zu betreuen (LeGoff und Levy, 2016; Giudici und Gauthier, 2009).<\/p>\n<p>Das Verhalten von M\u00fcttern auf dem Arbeitsmarkt h\u00e4ngt von zahlreichen, auf unterschiedlichen Analyseebenen angesiedelten Faktoren ab. Ihre realen M\u00f6glichkeiten, eine Strategie zur Vereinbarkeit von Familie und Erwerbsarbeit zu finden, werden bestimmt durch den institutionellen Kontext beeinflusst (z.B. in Bezug auf die Verf\u00fcgbarkeit und die Kosten von Betreuungsstrukturen), doch sie h\u00e4ngen ebenfalls von ihren individuellen wirtschaftlichen und sozialen Ressourcen (wie dem Ausbildungsniveau der beiden Lebenspartner) ab.<\/p>\n<p>Unsere Analyse verfolgt ein doppeltes Ziel. Erstens beschreiben wir die Entwicklung der Arbeitsmarktbeteiligung von M\u00fcttern w\u00e4hrend der letzten 40 Jahre, wobei wir uns mit der Gesamtschweiz und den Unterschieden zwischen den Kantonen besch\u00e4ftigen. Zweitens untersuchen wir die Wirkung verschiedener individueller Faktoren (wie Ausbildungsniveau, Staatsangeh\u00f6rigkeit der Eltern oder auch Anzahl und Alter der Kinder) auf die berufliche Integration von M\u00fcttern im Lauf der Zeit. So kann man sich beispielsweise fragen, ob eine terti\u00e4re Ausbildung eine die Erwerbst\u00e4tigkeit von M\u00fcttern f\u00f6rdernde Ressource ist und ob sich ihre Wirkung im Lauf der Zeit verst\u00e4rkt oder verringert hat, oder auch ob die Tatsache, sich um mehrere Kinder k\u00fcmmern zu m\u00fcssen, die Arbeitsmarktbeteiligung von M\u00fcttern schon immer behindert hat. So k\u00f6nnen wir zeigen, dass trotz der zunehmend st\u00e4rkeren Pr\u00e4senz von M\u00fcttern auf dem Arbeitsmarkt dieser Prozess bei weitem noch nicht alle M\u00fctter erfasst. W\u00e4hrend einige individuelle Merkmale und Ressourcen wie das Ausbildungsniveau der Lebenspartner wichtige Bestimmungsfaktoren der Arbeitsmarkt-beteiligung von M\u00fcttern waren und bleiben, haben andere, wie die Anzahl Kinder, im Lauf der Zeit sogar noch an Bedeutung gewonnen.<\/p>\n<h2>Mutterschaft, Arbeit und institutioneller Kontext<\/h2>\n<p>Gem\u00e4ss einer k\u00fcrzlich erschienenen Publikation des BFS (Hermann und Murier, 2016) ist der Anteil der erwerbst\u00e4tigen Frauen zwischen 25 und 54 Jahren mit 82,2% einer der h\u00f6chsten in Europa: nur Schweden weist ein h\u00f6heres Niveau auf (83,3%). Bei Frauen, die Mutter mindestens eines Kinds unter 6 Jahren sind, liegt die Erwerbst\u00e4tigenquote allerdings nur bei 70,2%. Im internationalen Vergleich rutscht die Schweiz damit in diesem Segment auf den 11. Rang ab (der Durchschnittswert der EU-28 liegt bei 63,4%). Zus\u00e4tzlich dazu, dass sie eine niedrigere Erwerbsquote aufweisen als Frauen ohne Kinder, arbeiten M\u00fctter zudem meistens Teilzeit: 82,7% der erwerbst\u00e4tigen M\u00fctter arbeiten nicht Vollzeit. Damit belegt die Schweiz in der Rangliste der teilzeitbesch\u00e4ftigten M\u00fctter den 2. Platz.<\/p>\n<p>Warum also veranlasst in der Schweiz die Mutterschaft einen ansehnlichen Anteil der Frauen dazu, ihre Erwerbst\u00e4tigkeit zu unterbrechen oder ihren Besch\u00e4ftigungsgrad zu verringern? Neuere Publikationen verweisen auf eine ganze Reihe von institutionellen Faktoren, die zumindest zum Teil aus einer seit langem bestehenden liberalen Tradition der Nicht-Intervention des Staates in die Privatsph\u00e4re herr\u00fchren: Die Betreuung und Erziehung von Kindern wurden lange als allein zum Privatbereich geh\u00f6rig betrachtet (Bonoli, 2007; Gani, 2016).<\/p>\n<p>Unter den Faktoren, welche die berufliche Integration junger M\u00fctter behindern, verweisen verschiedene Untersuchungen auf den Mangel an Betreuungsstrukturen f\u00fcr Kleinkinder und auch auf die im internationalen Vergleich zu hohen Kosten f\u00fcr die ausserfamili\u00e4re Betreuung (Stern, Felfe und Schwab, 2014). Dieser Mangel f\u00fchre bei einem Teil der M\u00fctter dazu, namentlich denjenigen, die in einem Haushalt mit tiefem Einkommen leben, auf eine bezahlte Arbeit zu verzichten, um sich um die Kinder zu k\u00fcmmern (Schmid, Kriesi und Buchmann, 2011; Giudici und Bruno, 2015). Ein anderer Faktor sei der markante Gegensatz zwischen dem 16-w\u00f6chigen Mutterschaftsurlaub einerseits und dem faktisch inexistenten Vaterschaftsurlaub andererseits, was von den ersten Wochen des Familienlebens an eine ungleiche Arbeitsteilung beg\u00fcnstige (Valarino, 2016). Die wirtschaftliche Teilhabe der M\u00fctter wird \u00fcber die progressive Besteuerung des Familieneinkommens zudem auch vom Steuersystem erschwert (B\u00fctler und Ruesch, 2009). Rein finanziell betrachtet, kann es f\u00fcr eine Familie attraktiver sein, dass einer der Partner seinen Besch\u00e4ftigungsgrad reduziert \u2013 oder sogar seine Erwerbst\u00e4tigkeit aufgibt. Meistens ist es dabei die Frau, die ihr Arbeitspensum reduziert, unter anderem auf Grund ihres im Durchschnitt niedrigeren Einkommens.<\/p>\n<h2>Vorlieben oder Ressourcen?<\/h2>\n<p>Diese strukturellen Bedingungen k\u00f6nnten Familien dazu veranlassen, sich f\u00fcr eine traditionelle Arbeitsteilung zu entscheiden \u2013 die Frau tr\u00e4gt die Hauptlast der Hausarbeit und der Kinderbetreuung, w\u00e4hrend der Mann in einer Vollzeitstelle seine berufliche Laufbahn verfolgt. Ein Teil der Familien w\u00fcnscht und plant eine solche Aufgabenteilung vor der Geburt des Kindes, w\u00e4hrend sie in anderen F\u00e4llen den W\u00fcnschen und (beruflichen und famili\u00e4ren) Anspr\u00fcchen der Partner zumindest vor der Geburt nicht entspricht. Aufgrund gewichtiger institutioneller Zw\u00e4nge entscheide sich ein Teil der eine gleichberechtigtere Arbeitsteilung anstrebenden Paare (B\u00fchlmann, Elcherot und Tettamanti, 2009) jedoch schliesslich f\u00fcr eine traditionellere Organisation. Der Wunsch eines Teils der M\u00fctter, sich wieder in den Arbeitsmarkt zu integrieren oder ihren Besch\u00e4ftigungsgrad zu erh\u00f6hen, aber auch die Hindernisse, auf die sie dabei stossen, widerspiegeln sich in zwei Schl\u00fcsselindikatoren des Arbeitsmarktstatus. Im Vergleich zur Gesamtheit der Frauen im geb\u00e4rf\u00e4higen Alter sind M\u00fctter h\u00e4ufiger von Arbeitslosigkeit (5% gegen\u00fcber 4.4%) und von Unterbesch\u00e4ftigung<sup><sup>[1]<\/sup><\/sup> (18% gegen\u00fcber 11.1%, Hermann und Murier 2016) betroffen.<\/p>\n<p>In einem solchen Kontext k\u00f6nnen die individuellen Ressourcen bei der Entwicklung einer Strategie zur Vereinbarung von Familien- und Berufsleben eine entscheidende Rolle spielen. Die Bedeutung des <em>Ausbildungsniveaus<\/em> der M\u00fctter f\u00fcr ihre berufliche Integration ist recht gut erforscht (Krone-Germann und de Chambrier, 2011). Eine h\u00f6here Ausbildung muss als eine individuelle Ressource interpretiert werden, die es einer Frau oder einem Paar erm\u00f6glicht, Familienleben und Berufst\u00e4tigkeit besser miteinander vereinbaren zu k\u00f6nnen. Dabei zeigt sich, dass Frauen, die \u00fcber eine terti\u00e4re Ausbildung verf\u00fcgen, besser in den Arbeitsmarkt integriert sind als Frauen mit einem tieferen Bildungsniveau. Sie haben ihre Kinder im Schnitt in einem h\u00f6heren Alter, k\u00f6nnen in der Regel besser bezahlte Stellen antreten und scheinen bei der Aushandlung der Bedingungen f\u00fcr ihren Mutterschaftsurlaub und den Wiederantritt der Stelle \u00fcber gr\u00f6ssere Spielr\u00e4ume zu verf\u00fcgen. Da sie im Schnitt besser bezahlt sind, k\u00f6nnen sie auch leichter eine Betreuungsl\u00f6sung f\u00fcr ihre Kinder finanzieren<sup><sup>[2]<\/sup><\/sup>.<\/p>\n<p>Eine h\u00f6here Ausbildung des Ehemanns oder Lebenspartners kann ebenfalls als eine Ressource betrachtet werden, die allerdings auch in Konkurrenz mit derjenigen der Partnerin stehen k\u00f6nnte. Weiter l\u00e4sst sich die Hypothese aufstellen, dass die Bedeutung dieser Ressource im gleichen Mass abnimmt, wie das Angebot an institutionellen Betreuungsl\u00f6sungen zunimmt.<\/p>\n<p>Die Erwerbsneigung ist zudem direkt und im umgekehrten Verh\u00e4ltnis mit der <em>Anzahl der zu betreuenden Kinder<\/em> verbunden (Cohany und Sok, 2007), da sich mit ihrer Anzahl auch der organisatorische Aufwand und der Preis f\u00fcr ihre Betreuung erh\u00f6ht (B\u00fctler, 2006). Dieser offensichtliche und direkte Zusammenhang kann allerdings auch vom institutionellen Kontext abh\u00e4ngen, in diesem Fall vom Tarifsystem der Betreuungsstrukturen (Bestehen und H\u00f6he von Geschwisterrabatten).<\/p>\n<p>Der <em>Zivilstand<\/em> der Partner kann ein Indikator f\u00fcr die Rolle und die relative Macht (<em>empowerment<\/em>) der Frau in einem Paar sein. Tats\u00e4chlich sind M\u00fctter, die in einer Konsensualpartnerschaft leben, beruflich besser integriert als verheiratete M\u00fctter (Algava, 2005). Dies kann aus der Tatsache erkl\u00e4rt werden, dass der Wunsch der Partner nach Autonomie in Westeuropa einer der wichtigsten Gr\u00fcnde f\u00fcr eine Nicht-Heirat darstellt (Hiekel et al, 2014). Geht man davon aus, dass die Gleichberechtigung zwischen den Ehepartnern zunimmt, l\u00e4sst sich die Hypothese aufstellen, dass die Bedeutung dieses Faktors im Lauf der Zeit abnimmt.<\/p>\n<p>Was schliesslich die <em>Staatsangeh\u00f6rigkeit<\/em> der Ehepartner betrifft, so schl\u00e4gt sich diese nur indirekt in der Berufst\u00e4tigkeit der M\u00fctter nieder. Sie korreliert vermutlich mit anderen Variablen, wie den bez\u00fcglich Familie und Arbeit bestehenden Vorlieben und Haltungen, aber auch der Verf\u00fcgbarkeit eines Netzwerks aus Grosseltern oder anderen Verwandten und Freunden, welche im Bedarfsfall Unterst\u00fctzung bieten und beiden Eltern die Fortsetzung einer Berufst\u00e4tigkeit erm\u00f6glichen k\u00f6nnen. So waren in der Schweiz der Nachkriegszeit Ausl\u00e4nderinnen h\u00e4ufiger erwerbst\u00e4tig als Schweizerinnen. Voegeli (1997) stellte die Hypothese auf, dass das starke Wirtschaftswachstum der <em>Trente Glorieuses<\/em> und die anhaltende Einwanderung ausl\u00e4ndischer Arbeiter es vielen schweizerischen M\u00e4nnern erlaubte, in h\u00f6her bezahlte Stellen zu gelangen. Diese Entwicklung habe es schweizerischen Frauen aus den Mittelschichten erm\u00f6glicht, sich aus dem Arbeitsmarkt zur\u00fcckzuziehen und m\u00f6glicherweise zum ersten Mal in der Geschichte des Landes, gem\u00e4ss dem b\u00fcrgerlichen Familienmodell zu leben.<\/p>\n<h2>Daten und Methoden<\/h2>\n<p>Die hier analysierten Daten stammen aus den Volksz\u00e4hlungen von 1980, 1990 und 2000 sowie aus den Strukturerhebungen (SE) f\u00fcr die Periode 2010-2014. W\u00e4hrend die Volksz\u00e4hlungen Vollerhebungen sind, beruht die Strukturerhebung auf der j\u00e4hrlichen Befragung einer Stichprobe von mindestens 200&#8217;000 Personen und Haushalten, welche die von den Einwohnerregistern zur Verf\u00fcgung gestellten Informationen erg\u00e4nzen. Wir haben die zusammengelegten (\u00abgepoolten\u00bb) Daten der f\u00fcnf ersten Jahre der SE (2010 bis 2014) verwendet. Damit verf\u00fcgen wir \u00fcber eine gen\u00fcgend grosse Stichprobe, um mehrere Variablen kombinierende Analysen durchzuf\u00fchren.<\/p>\n<p>Die statistische Analyse ist auf in einer Paarbeziehung lebende M\u00fctter mit Kindern von 0 bis 3 Jahren (vollendetes Altersjahr) beschr\u00e4nkt. Da die Einschulung in den 15 dem HarmoS-Konkordat angeh\u00f6renden Kantonen mit dem vollendeten 4. Altersjahr (Stichtag 31. Juli) erfolgt und in den \u00fcbrigen Kantonen gleichzeitig oder sp\u00e4ter, handelt es sich dabei ausschliesslich um M\u00fctter mit Kindern im Vorschulalter. Mit diesen beiden Auswahlkriterien (Leben in einer Paarbeziehung und Alter des Kinds) umfasst die Analyse 230&#8217;000 Haushalte f\u00fcr das Jahr 1990, 216&#8217;000 f\u00fcr 2000 und 95&#8217;000 f\u00fcr den Zeitraum 2010-2014.&nbsp; Letztere k\u00f6nnen in Anbetracht ihres statistischen Gewichts als repr\u00e4sentativ f\u00fcr die in der Periode 2010-2014 ungef\u00e4hr 250&#8217;000 Paare mit einem oder mehreren Kindern zwischen 0 und 3 Jahren in der Gesamtbev\u00f6lkerung gelten.<\/p>\n<p>Die Arbeitsmarktbeteiligung der M\u00fctter wird mithilfe von zwei Indikatoren gemessen: Die generelle Erwerbsquote von M\u00fcttern und der Anteil der 50% oder mehr besch\u00e4ftigten M\u00fctter. Neben diesen beiden zu erkl\u00e4renden Variablen ber\u00fccksichtigen wir vier Hauptfaktoren: Anzahl Kinder zwischen 0 und 9 Jahren (davon mindestens eines von 0 bis 3 Jahren), Bildungsniveau der Ehegatten oder Lebenspartner, deren Nationalit\u00e4t und der Zivilstand des Paares (verheiratet oder nicht). Das Alter der Mutter, der Altersunterschied zwischen den Ehegatten oder Lebenspartnern und der Besch\u00e4ftigungsgrad des Partners dienen als Kontrollvariablen<sup><sup>[3]<\/sup><\/sup>.<\/p>\n<h2>Im 1980 war eine Mehrheit der M\u00fctter nicht erwerbst\u00e4tig<\/h2>\n<p>In den letzten Jahrzehnten stieg der Anteil der eine Berufst\u00e4tigkeit aus\u00fcbenden M\u00fctter in der Schweiz stark an. Waren 1980 noch drei Viertel der in einer Paarbeziehung lebenden M\u00fctter mit mindestens einem Kind im Vorschulalter nicht berufst\u00e4tig (Erwerbst\u00e4tigenquote von 23%), so hat sich das Verh\u00e4ltnis seither fast umgekehrt: 2010-2014 erkl\u00e4rten 64,3% der M\u00fctter in dieser Kategorie, erwerbst\u00e4tig zu sein, was einer Zunahme von 40 Prozentpunkten im Vergleich zu 1980 entspricht. Zu einer starken Zunahme kam es zwischen 1990 und 2000. In dieser Periode \u00fcberstieg der Anteil erwerbst\u00e4tiger M\u00fctter 50%. Der bezahlte Mutterschaftsurlaub wurde auf Bundesebene am 1. Juli 2005 eingef\u00fchrt. Selbst wenn der Mutterschaftsurlaub bereits vorher in zahlreichen Gesamtarbeitsvertr\u00e4gen verankert war, ver\u00e4nderte dieses Gesetz dennoch den institutionellen Kontext der Erwerbsarbeit von M\u00fcttern.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Fig1_d.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-1284\" src=\"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Fig1_d.png\" alt=\"Fig1_d\" width=\"705\" height=\"729\" srcset=\"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Fig1_d.png 705w, https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Fig1_d-290x300.png 290w, https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Fig1_d-600x620.png 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 705px) 100vw, 705px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Grafik 1 zeigt f\u00fcr jeden Kanton die Erwerbsquote von M\u00fcttern im Jahr 1980 (in schwarz) und ihre Zunahme w\u00e4hrend der drei letzten Jahrzehnte: Die Zunahme zwischen 1980 und 1990 ist weiss angegeben, diejenige zwischen 1990 und 2000 in grau und diejenige seit dem Jahr 2000 in hellgrau: das Total entspricht der Situation 2010-14. Ein Vergleich der Kantone zeigt einerseits, dass \u00fcber den ganzen Zeitraum starke interregionale Unterschiede weiterbestanden und andererseits die Zunahme in einem sehr unregelm\u00e4ssigen Rhythmus vor sich ging. 1980 bewegte sich die Erwerbsquote von M\u00fcttern zwischen 15% (Uri) und 38% (Glarus), w\u00e4hrend sie 2010-2014 zwischen 53% im Tessin (+\/- 1,2%) und 73% im Kanton Jura (+\/- 2,5%)<sup><sup>[4]<\/sup><\/sup> variierte. Ein Teil der Kantone weist nach wie vor tiefe Anteile auf (Tessin, Uri, Nidwalden, Graub\u00fcnden, Schwyz, Zug), w\u00e4hrend sich in anderen, namentlich den franz\u00f6sischsprachigen Kantonen, seit Anfang der untersuchten Periode jeweils die h\u00f6chsten Anteile von erwerbst\u00e4tigen M\u00fcttern fanden. Die st\u00e4rkste Zunahme liess sich im Kanton Wallis feststellen, der 1980 noch eine der tiefsten Quoten aufwies (mit 18% erwerbst\u00e4tigen M\u00fcttern). Diese stieg bis 2010-2014 auf 69% an, womit der Kanton nun auf dem 5. Rang liegt. In anderen Kantonen kam es zu einem weniger deutlichen Anstieg, so zum Beispiel in Glarus, wo die Erwerbst\u00e4tigkeit vom damals h\u00f6chsten Anteil im Jahr 1980 (38%) auf 64% in den Jahren 2010-2014 anstieg.<\/p>\n<h2>Erwerbst\u00e4tigkeit von M\u00fcttern : Entwicklung individueller Faktoren<\/h2>\n<p>Wie wirken sich individuelle Faktoren auf die Berufst\u00e4tigkeit von M\u00fcttern in der Schweiz aus und wie ver\u00e4nderten sich diese im Laufe der Zeit? Wir interessieren uns hier f\u00fcr vier Faktoren, die einen bedeutenden Einfluss auf die Arbeitsmarktbeteiligung von M\u00fcttern haben k\u00f6nnen: die Anzahl Kinder, das Ausbildungsniveau der Lebenspartner, ihre Nationalit\u00e4t und ihr Zivilstand. Die folgenden Grafiken zeigen den Anteil der erwerbst\u00e4tigen M\u00fctter sowie den Anteil der mindestens 50% erwerbst\u00e4tigen M\u00fctter in Form modellierter Wahrscheinlichkeiten f\u00fcr ein durchschnittliches Profil, wobei jeweils die Wirkung dieser vier Faktoren sowie der drei Kontrollvariablen ber\u00fccksichtigt wird<sup><sup>[5]<\/sup><\/sup>.<\/p>\n<p><em>Je mehr Kinder eine Mutter hat, desto weniger arbeitet sie<\/em><\/p>\n<p>2010-2014 steht die Erwerbsneigung von M\u00fcttern in einem umgekehrt proportionalen Verh\u00e4ltnis zur Anzahl der betreuten Kinder: Je mehr Kinder eine Mutter hat, desto weniger tendiert sie zur Erwerbsarbeit [Grafik 2]. Beim \u00dcbergang vom ersten zum zweiten Kind nimmt die Wahrscheinlichkeit ab, dass eine Mutter erwerbst\u00e4tig ist. Bei einem durchschnittlichen Profil und unter Ber\u00fccksichtigung anderer Faktoren betr\u00e4gt diese Abnahme 7 Prozentpunkte, bei einem dritten Kind weitere 12 Prozentpunkte. Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Mutter mit vier Kindern unter 10 Jahren erwerbst\u00e4tig ist, liegt sogar um 30 Prozentpunkte tiefer als bei einer Mutter mit nur einem Kind. Im Jahr 2000 war dieses Gef\u00e4lle weniger ausgepr\u00e4gt aber doch schon deutlich sichtbar, dagegen bestand es 1990 noch nicht. F\u00fcr den damaligen Zeitraum stellt man einen Unterschied zwischen M\u00fcttern mit einem Kind und solchen mit zwei oder mehreren Kindern fest, wobei bei letzteren die Wahrscheinlichkeit erwerbst\u00e4tig zu sein, um 6 bis 10 Punkte niedriger ist. F\u00fcr M\u00fctter einer kinderreichen Familie ist es also schwierig einer wirtschaftlichen T\u00e4tigkeit nachzugehen, und das gilt heute noch mehr als in der Vergangenheit. Diese Entwicklung erkl\u00e4rt sich wahrscheinlich aus der zunehmenden Inanspruchnahme institutionalisierter Betreuungsangebote wie Kinderkrippen und Tagesm\u00fctter, deren Kosten mit jedem Kind ansteigen. Es ist wahrscheinlich, dass 1990 ein bedeutender Teil der erwerbst\u00e4tigen M\u00fctter auf private oder informelle Betreuungsangebote, wie Grosseltern oder Nanny zur\u00fcckgreifen konnte.<\/p>\n<p>Was den Anteil der M\u00fctter, die 50% oder mehr arbeiten betrifft, so unterliegt dieser noch st\u00e4rker diesem Gef\u00e4lle. Die Neigung, 50% oder mehr zu arbeiten betr\u00e4gt unter den M\u00fcttern mit 4 oder mehr Kindern nur 36% des entsprechenden Werts bei den M\u00fcttern mit einem Kind.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Fig2_d.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-1285\" src=\"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Fig2_d.png\" alt=\"Fig2_d\" width=\"705\" height=\"436\" srcset=\"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Fig2_d.png 705w, https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Fig2_d-300x185.png 300w, https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Fig2_d-600x371.png 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 705px) 100vw, 705px\" \/><\/a><\/p>\n<p><em>M\u00fctter mit einer terti\u00e4ren Ausbildung sind h\u00e4ufiger erwerbst\u00e4tig<\/em><\/p>\n<p>Das Ausbildungsniveau der beiden Ehegatten oder Lebenspartner beeinflusst die Erwerbsneigung von M\u00fcttern: \u00dcber eine terti\u00e4re Ausbildung verf\u00fcgende M\u00fctter haben h\u00f6here Chancen erwerbst\u00e4tig zu sein als solche ohne Ausbildung auf dieser Stufe [Grafik 3]. Die Erwerbsneigung von M\u00fcttern mit einem terti\u00e4ren Bildungsabschluss lag 2010-2014 bei einem durchschnittlichen Profil zwischen 7 und 16 Prozentpunkten h\u00f6her als der entsprechende Wert f\u00fcr M\u00fctter ohne terti\u00e4re Ausbildung, wobei die St\u00e4rke dieses Unterschieds davon abh\u00e4ngt, ob der Partner ebenfalls Hochschulabsolvent ist. Diese Unterschiede zeigen sich beim Anteil der 50% oder mehr besch\u00e4ftigten M\u00fctter noch eindeutiger (zwischen 13 und 25 Prozentpunkten). W\u00e4hrend das Muster dieser Unterschiede im Lauf der Periode 1990-2010\/14 stabil blieb, haben sich die absoluten und relativen Abst\u00e4nde f\u00fcr die Gesamtheit der erwerbst\u00e4tigen M\u00fctter verringert, bei den 50% oder mehr besch\u00e4ftigten M\u00fctter dagegen vergr\u00f6ssert.<\/p>\n<p>Mit anderen Worten stellt eine h\u00f6here Ausbildung immer noch einen die berufliche Integration f\u00f6rdernden Faktor dar, ihre Rolle hat aber gegen\u00fcber der Vergangenheit an Bedeutung verloren. Hingegen scheint die benachteiligende Wirkung eines fehlenden Hochschulabschlusses bei M\u00fcttern, die mit einem \u00fcber einen solchen Abschluss verf\u00fcgenden Mann zusammenleben (die zweifellos mit dem Lohnunterschied zwischen den Partnern zusammenh\u00e4ngt), seit 1990 an Bedeutung gewonnen zu haben. Die Zunahme dieses Effekts kann ebenfalls mit der wachsenden Inanspruchnahme institutioneller Betreuungsl\u00f6sungen erkl\u00e4rt werden, deren Kosten innerhalb eines Paares den Zusatznutzen des (niedrigeren) Lohns der Frau ohne Terti\u00e4rbildung in Frage stellen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Fig3_d.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-1286\" src=\"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Fig3_d.png\" alt=\"Fig3_d\" width=\"709\" height=\"420\" srcset=\"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Fig3_d.png 709w, https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Fig3_d-300x177.png 300w, https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Fig3_d-600x355.png 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 709px) 100vw, 709px\" \/><\/a><\/p>\n<p><em>Schweizerinnen arbeiten h\u00e4ufiger<\/em><\/p>\n<p>2010-2014 sind M\u00fctter mit schweizerischer Staatsangeh\u00f6rigkeit h\u00e4ufiger erwerbst\u00e4tig als ausl\u00e4ndische M\u00fctter: die Erwerbsneigung von Schweizerinnen liegt zwischen 15 und 22 Punkten h\u00f6her als diejenige von Ausl\u00e4nderinnen, wobei die St\u00e4rke des Unterschieds davon abh\u00e4ngt, ob ihr Ehemann oder Lebenspartner ebenfalls Schweizer B\u00fcrger ist [Grafik 4]. Bei den 50% und mehr besch\u00e4ftigen M\u00fcttern ist dieser Unterschied aber weniger stark ausgepr\u00e4gt. Tats\u00e4chlich h\u00e4ngt die Wahrscheinlichkeit halbtags oder mehr zu arbeiten in erster Linie von der Nationalit\u00e4t des Partners ab: sie liegt bei den mit einem Ausl\u00e4nder zusammenlebenden M\u00fcttern h\u00f6her.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Fig4_d.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-1287\" src=\"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Fig4_d.png\" alt=\"Fig4_d\" width=\"705\" height=\"446\" srcset=\"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Fig4_d.png 705w, https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Fig4_d-300x189.png 300w, https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Fig4_d-600x379.png 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 705px) 100vw, 705px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Obschon die Nationalit\u00e4t des Ehemanns oder Lebenspartners die Erwerbsneigung der Frauen 2010-14 gleichartig beeinflusst wie schon 2000, stellt man einen grundlegenden Unterschied mit der 1990 bestehenden Situation fest. Damals zeigte sich bei der Erwerbsneigung ein Gef\u00e4lle nach der \u00abSwissness\u00bb, das von den ausl\u00e4ndischen Paaren (unter denen die M\u00fctter am h\u00e4ufigsten arbeiteten) \u00fcber die gemischten Paare bis zu den schweizerischen Paaren reichte, bei denen Frauen verh\u00e4ltnism\u00e4ssig am seltensten arbeiteten. \u00dcberdies hat sich unter den ausl\u00e4ndischen, mit einem Ausl\u00e4nder zusammenlebenden M\u00fcttern die Neigung, 50% oder mehr besch\u00e4ftigt zu sein zwischen 1990 und 2010-2014 unter sonst gleichbleibenden Umst\u00e4nden nicht ver\u00e4ndert, w\u00e4hrend sie sich unter den schweizerischen, mit einem Schweizer zusammenlebenden M\u00fcttern mehr als verdreifacht hat. Wie l\u00e4sst sich die auffallende Entwicklung dieses Unterschieds erkl\u00e4ren? Obschon es m\u00f6glich ist, dass eine ver\u00e4nderte Zusammensetzung der ausl\u00e4ndischen Bev\u00f6lkerung nach Nationalit\u00e4ten dabei eine Rolle gespielt hat, kann man darin auch das Ende des b\u00fcrgerlichen Familienmodells bei den schweizerischen Paaren sehen (Voegeli, 1997).<\/p>\n<p><em>Geringere Erwerbsneigung verheirateter M\u00fctter<\/em><\/p>\n<p>In einer Konsensualpartnerschaft lebende M\u00fctter arbeiten h\u00e4ufiger als verheiratete M\u00fctter. Hier handelt es sich um einen seit 1990 feststellbaren Unterschied, der auch den Anteil der 50% oder mehr arbeitenden Frauen pr\u00e4gt [Grafik 5]. Sein Umfang scheint allerdings im Lauf der Zeit abzunehmen. W\u00e4hrend der relative Unterschied 1990 noch mehr als 50% betrug, lag er 2000 noch bei 16% und fiel 2010-2014 unter 10%. Die Verringerung dieses Abstands scheint die logische Folge der Zunahme der Erwerbsquote von M\u00fcttern mit Kindern im Vorschulalter zu sein, eine Zunahme, die sich ihrerseits aus der st\u00e4rkeren Gleichberechtigung der Ehepartner erkl\u00e4ren d\u00fcrfte. Diese Verringerung k\u00f6nnte sich zudem aus der gr\u00f6sseren Verbreitung der Konsensualpartnerschaft erkl\u00e4ren. Unverheiratete Paare mit Kindern sind heute nicht mehr eine kleine Minderheit (3% im Jahr 1990), die ein mit besonderen Wertvorstellungen und Verhaltensweisen verbundenes alternatives Familienmodell praktizieren. Vielmehr handelt es sich heute um eine weiter verbreitete Lebensform (12% im Zeitraum 2010-2014), die mit Wertvorstellungen und Verhaltensweisen einhergeht, die sich denjenigen der Mehrheit angen\u00e4hert haben d\u00fcrften.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Fig5_d.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-1288\" src=\"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Fig5_d.png\" alt=\"Fig5_d\" width=\"705\" height=\"422\" srcset=\"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Fig5_d.png 705w, https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Fig5_d-300x179.png 300w, https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Fig5_d-600x359.png 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 705px) 100vw, 705px\" \/><\/a><\/p>\n<h2>Schlussfolgerungen<\/h2>\n<p>Diese Untersuchung zeigt klar, dass in der Schweiz individuelle und haushaltsspezifische Merkmale die Erwerbsneigung von M\u00fcttern mit Kindern im Vorschulalter beeinflussen. So sind 2010-2014 M\u00fctter mit Schweizer B\u00fcrgerrecht h\u00e4ufiger erwerbst\u00e4tig als Ausl\u00e4nderinnen und auf Terti\u00e4rstufe ausgebildete M\u00fctter sind besser in den Arbeitsmarkt integriert als M\u00fctter ohne Hochschulabschluss. Die berufliche Integration von M\u00fcttern nimmt \u00fcberdies mit zunehmender Anzahl der zu betreuenden Kinder ab und ist bei den verheirateten Frauen niedriger als bei den in Konsensualpartnerschaft lebenden.<\/p>\n<p>Unsere Analysen zeigen zudem, dass sich die Wirkung bestimmter Faktoren im Lauf der Zeit ver\u00e4ndert hat: Wenn das Schweizer B\u00fcrgerrecht heute die wirtschaftliche Teilhabe von M\u00fcttern beg\u00fcnstigt, so ging es 1990 noch mit einer geringeren Erwerbsneigung einher. Die Wirkung der Anzahl Kinder unter 10 Jahren hat sich im Lauf der Zeit ebenfalls ver\u00e4ndert: Die Erwerbswahrscheinlichkeit ist heute umgekehrt proportional zur Anzahl Kinder. 1990 nahm sie dagegen bei mehr als zwei Kindern nicht mehr ab. Dabei handelt es sich um das vielleicht \u00fcberraschendste Ergebnis der Analysen. Es erkl\u00e4rt sich wahrscheinlich aus der zunehmenden Inanspruchnahme institutioneller Betreuungsl\u00f6sungen, deren Kosten mit jedem Kind zunehmen.<\/p>\n<p>Bedeutsam ist auch, dass sich ein Weiterbestehen oder sogar eine Versch\u00e4rfung bestimmter individueller Unterscheidungsmerkmale in der beruflichen Integration von M\u00fcttern mit Kindern im Vorschulalter feststellen l\u00e4sst. Wenn diese Unterschiede gewiss auch Unterschiede in den Vorlieben und Haltungen widerspiegeln, so zeigen sie doch, dass f\u00fcr junge M\u00fctter die Ungleichheiten in Bezug auf den Zugang zum Arbeitsmarkt noch bei Weitem nicht behoben sind. Eine Ber\u00fccksichtigung kontextueller Faktoren, wie der Verf\u00fcgbarkeit und der Kosten von Betreuungsstrukturen und des Steuerwesens w\u00fcrde eine verfeinerte Analyse der Ungleichheiten im Zugang zur bezahlten Arbeit erm\u00f6glichen. Da bei diesen Faktoren erhebliche Unterschiede zwischen den Kantonen und sogar den Gemeinden bestehen, w\u00e4re die Schweiz ein besonders interessantes Forschungsfeld.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><sup><sup>[1]<\/sup><\/sup> Gem\u00e4ss der Definition des BFS, handelt es sich dabei um teilzeitbesch\u00e4ftigte Individuen, die mehr arbeiten m\u00f6chten und bereit w\u00e4ren, ihre Arbeitszeit innerhalb der drei auf die Befragung folgenden Monate zu erh\u00f6hen.<\/p>\n<p><sup><sup>[2]<\/sup><\/sup> Die Wirkung dieser individuellen Ressourcen d\u00fcrfte zudem je nach institutionellem Kontext variieren: Falls Betreuungsstrukturen von der \u00f6ffentlichen Hand nur wenig subventioniert werden und ihre Tarife unabh\u00e4ngig vom Einkommen der Eltern festlegen, so wirkt sich das Ausbildungsniveau und infolgedessen das Lohnniveau st\u00e4rker auf die Bereitschaft der Frauen zu einer Berufst\u00e4tigkeit aus.<\/p>\n<p><sup><sup>[3]<\/sup><\/sup> Die Wirkung individueller Faktoren auf die Berufst\u00e4tigkeit von M\u00fcttern mit Kindern im Vorschulalter wird mittels logistischen Regressionsmodellen f\u00fcr die Jahre 1990, 2000 und 2010\/14 analysiert. Wo wir diese auf die Daten der Periode 2010-2014 anwenden, haben wir den Stichprobenplan der Strukturerhebung, die Definition der Schichten und die Gewichtung der Haushalte ber\u00fccksichtigt.<\/p>\n<p><sup><sup>[4]<\/sup><\/sup> Es ist wichtig, hier das Konfidenzintervall (KI) \u2013 das heisst die untere und obere Grenze unserer Sch\u00e4tzungen \u2013 zu ber\u00fccksichtigen, das namentlich in den kleineren Kantonen einen nicht vernachl\u00e4ssigbaren Umfang annehmen kann.<\/p>\n<p><sup><sup>[5]<\/sup><\/sup> Streng genommen handelt es sich um ein Modalprofil: Eine verheiratete Schweizerin im Alter von 30 bis 34 Jahren deren Mann h\u00f6chstens vier Jahre \u00e4lter ist als sie, selbst Schweizer ist, keine terti\u00e4re Ausbildung hat und Vollzeit arbeitet. Die Diagramme zeigen also Wirkungen \u00abunter sonst gleichbleibenden Umst\u00e4nden\u00bb welche sich von den Bruttoverteilungen unterscheiden k\u00f6nnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Artikel wurde vom statistischen Amt des Kantons Tessin auf Italienisch \u00fcbersetzt. Einleitung In der Schweiz Mutter zu werden, kann starke Auswirkungen auf die berufliche Karriere haben. W\u00e4hrend frischgebackene V\u00e4ter mehrheitlich Vollzeit weiterarbeiten, unterbricht eine Mehrheit der M\u00fctter ihre Berufslaufbahn oder verringert zumindest ihren Besch\u00e4ftigungsgrad um das Kind zu betreuen (LeGoff und Levy, 2016; Giudici [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[19,20,18],"tags":[],"class_list":["post-1281","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-travail","category-famille","category-inegalite"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1281","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1281"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1281\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3391,"href":"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1281\/revisions\/3391"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1281"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1281"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1281"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}