{"id":1576,"date":"2018-10-25T08:55:51","date_gmt":"2018-10-25T06:55:51","guid":{"rendered":"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/?p=1576"},"modified":"2024-08-27T14:49:17","modified_gmt":"2024-08-27T12:49:17","slug":"ein-spektakularer-anstieg-der-hochqualifizierten-zuwanderung-in-die-schweiz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/?p=1576","title":{"rendered":"Ein spektakul\u00e4rer Anstieg der hochqualifizierten Zuwanderung in die Schweiz"},"content":{"rendered":"<h2>Einleitung<\/h2>\n<p>Die Arbeitsm\u00e4rkte der westeurop\u00e4ischen L\u00e4nder waren in den letzten Jahren von tiefgreifenden Ver\u00e4nderungen gepr\u00e4gt: Einerseits haben viele Volkswirtschaften eine Tertiarisierung ihrer Aktivit\u00e4ten und eine zunehmende Spezialisierung erfahren (cf. zum Beispiel Eljim 2013), die zu einer h\u00f6heren Nachfrage nach hochqualifizierten Fachkr\u00e4ften und einem entsprechenden R\u00fcckgang des Bedarfs an Arbeitskr\u00e4ften mit mittlerer und niedriger Qualifikation f\u00fchrten. Andererseits haben die Globalisierung der Wirtschaftst\u00e4tigkeit und die damit verbundene Auslagerung bestimmter Sektoren mit geringer Wertsch\u00f6pfung dazu beigetragen, dass sich der Personalbedarf in der Industrie verringert hat. Zudem haben sich in den dynamischsten Regionen und Agglomerationen Kompetenzzentren entwickelt, was ebenfalls zu einschneidenden Ver\u00e4nderungen am Arbeitsmarkt f\u00fchrte. In diesem allgemeinen Umfeld trug die Politik der Personenfreiz\u00fcgigkeit (in Europa im Rahmen des Vertrags von Rom, in Nordamerika im Rahmen des NAFTA) zur Entstehung eines globalen Arbeitsmarktes bei, eine Entwicklung, die durch die zunehmende Verbreitung von Stellenangeboten im Internet beg\u00fcnstigt wurde.<\/p>\n<p>Die Schweiz ist von diesen Ver\u00e4nderungen in der Wirtschaft und am Arbeitsmarkt in besonderem Masse betroffen. Das Land hat sich zunehmend spezialisiert \u2013 mit der Entwicklung zahlreicher Kompetenzzentren wie der Pharmaindustrie in der Region Basel, dem Banken- oder Informatiksektor in Z\u00fcrich oder den Finanzdienstleistern, Rohstoffhandelsunternehmen und internationalen Organi\u00adsationen in Genf (Steiner et Wanner 2011). G\u00fcnstige Rahmenbedingungen (Sicherheit, attraktiver Lebensraum, Steuern usw.) haben zum wirtschaftlichen Aufschwung in diesen Regionen ebenso beigetragen wie die Ansiedlung von multinationalen Unternehmen, internationalen Organisationen und Fachkr\u00e4ften. Die Entwicklung der Migrationsstr\u00f6me h\u00e4ngt nat\u00fcrlich auch mit dem politischen Umfeld in unserem Land (insbesondere mit der Ratifizierung der Personenfreiz\u00fcgigkeit zwischen der Schweiz und der Europ\u00e4ischen Union) sowie mit dem Gef\u00e4lle bei der Wirtschaftsleistung zwischen der Schweiz und den Herkunftsl\u00e4ndern der Zugewanderten zusammen.<\/p>\n<p>So verzeichnete die Schweiz seit Beginn des 21. Jahrhunderts einen starken Anstieg des Wanderungs\u00adsaldos, der sich sowohl durch die h\u00f6here Zahl der Einwandernden in die Schweiz (in der Spitze +180&nbsp;000 Personen im Jahr 2008, danach eine Stabilisierung bei rund 160&nbsp;000) als auch durch die Stabilisierung der Zahl der Auswandernden bei 80&nbsp;000 bis 100 000 Personen pro Jahr erkl\u00e4rt. Der daraus resultierende Wanderungssaldo, der 2008 nahezu 100 000 Personen und zwischen 2013 und 2016 fast 80 000 Personen erreichte, lag damit praktisch auf dem Niveau von Mitte der 1960er-Jahre. Die Migrationsstr\u00f6me zwischen der Schweiz und dem Ausland sind jedoch nicht nur gestiegen, sondern haben sich auch in ihrer Zusammensetzung ver\u00e4ndert (Wanner 2014). Das Goldene Zeitalter der Zuwanderung nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs war durch die Ankunft von eher gering qualifizierten Arbeitskr\u00e4ften gekennzeichnet, die haupts\u00e4chlich im Bausektor (speziell bei den grossen Strassenbau- und Infrastrukturprojekten wie Staumauern, Tunnelbauten usw.), in der Landwirtschaft, in der Industrie und in der Tourismusbranche eine Anstellung fanden. Dagegen beobachtete man in j\u00fcngster Zeit eine starke Entwicklung bei der hochqualifizierten Zuwanderung in T\u00e4tigkeitsfeldern mit einer hohen Wertsch\u00f6pfung.<\/p>\n<p>Vor diesem Hintergrund analysiert dieser Artikel die Entwicklung der Zusammensetzung der Migrationsstr\u00f6me in die Schweiz in den letzten 25&nbsp;Jahren unter dem Aspekt des Bildungsniveaus. Dar\u00fcber hinaus beschreibt er einige Merkmale hochqualifizierter Migrantinnen und Migranten und zeigt auf, welche Rolle der Arbeitsmarkt bei dieser Zuwanderung spielt. Die Analysen st\u00fctzen sich auf Originaldaten, die im Rahmen eines nationalen Forschungsprojekts zu Migration, des NCCR On the Move, erhoben wurden.<\/p>\n<h2>Neue Daten zu den Qualifikationen der Zugewanderten<\/h2>\n<p>F\u00fcr unsere Analyse wurden zwei Arten von neueren Daten verwendet.<\/p>\n<p>Die <strong>Strukturerhebungen (SE)<\/strong> in Kombination mit der <strong>Statistik der Bev\u00f6lkerung (STATPOP)<\/strong>: Seit 2010 werden im Rahmen der SE jedes Jahr \u00fcber 200 000 Personen nach dem Zufallsprinzip ausgew\u00e4hlt und zu ihrem sozio\u00f6konomischen Status befragt (Bildungsniveau, Erwerbsstatus, Beruf usw.). In Verbindung mit den umfassenden Daten der STATPOP (erstellt im Rahmen des NCCR On the Move, cf. Steiner und Wanner 2015), die Aufschluss \u00fcber den Migrationsstatus (Datum der Einreise in die Schweiz) geben, liefern die Strukturerhebungen die Verteilung des Bildungsniveaus der Zugewanderten nach dem Einwanderungsjahr. Das Bildungsniveau wird in drei Kategorien unterteilt: Sekundarstufe&nbsp;I (obligatorische Schule oder allgemeinbildende Schule); Sekundarstufe&nbsp;II (berufliche Grundausbildung, gymnasiale Maturit\u00e4t, Fachmatura); Terti\u00e4rausbildung (Berufshochschule, Universit\u00e4t). Aufgrund der Gr\u00f6sse der Stichprobe und der Verf\u00fcgbarkeit der Daten haben wir nur die Eingewanderten ber\u00fccksichtigt, die zwischen 1991 und 2013 in die Schweiz eingereist sind. Demgegen\u00fcber umfassen die Daten der SE die Personen, die sich in der Schweiz aufhalten, nicht aber jene Migrantinnen und Migranten, die zwischen 1991 und 2009 in die Schweiz eingewandert sind und das Land vor 2010 wieder verlassen haben. Die R\u00fcckkehrmigration ist jedoch selektiv. Mit anderen Worten: Die R\u00fcckwanderungsquote variiert in Abh\u00e4ngigkeit vom Bildungsniveau, wobei hochqualifizierte Personen die Schweiz schneller wieder verlassen als gering qualifizierte Migranten. Aus diesem Grund wurde f\u00fcr die 2010 in die Schweiz eingewanderten und nach ihrem Bildungsstand klassifizierten Migrantinnen und Migranten eine statistische Korrektur anhand eines Faktors vorgenommen, welcher der Wahrscheinlichkeit, in der Schweiz zu bleiben, Jahr f\u00fcr Jahr Rechnung tr\u00e4gt<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\"><sup>[1]<\/sup><\/a>.<\/p>\n<p><strong>Die Migration-Mobility<\/strong> <strong>Umfrage <\/strong>des NCCR On the Move<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\"><sup>[2]<\/sup><\/a>: Diese im Herbst 2016 mit 6&nbsp;000 Migranten durchgef\u00fchrte Umfrage befragte Personen, die zwischen 2006 und 2016 im Erwachsenenalter (18 Jahre oder mehr) in die Schweiz einwanderten und zum Zeitpunkt der Umfrage im erwerbsf\u00e4higen Alter waren (24 bis 64 Jahre). Elf nationale Herkunftsgruppen wurden nach Kriterien wie dem zwischen 2006 und 2016 beobachteten Volumen der Migrationsstr\u00f6me, der Beherrschung einer Befragungssprache und den spezifischen Merkmalen der Migrationsstr\u00f6me ausgew\u00e4hlt: Deutschland, \u00d6sterreich, Frankreich, Italien, Spanien, Portugal, Vereinigtes K\u00f6nigreich, Indien, Nordamerika, S\u00fcdamerika, Westafrika. F\u00fcr jede Gruppe wurde eine Stichprobe von mindestens 400 Personen entweder online oder telefonisch befragt. Diese Umfrage gibt nicht nur Aufschluss \u00fcber die H\u00e4ufigkeit der hochquali\u00adfizierten Zuwanderung, sondern auch \u00fcber bestimmte Merkmale der Zugewanderten, insbesondere \u00fcber die Migrationsgr\u00fcnde.<\/p>\n<h2>Unterschiedliche Migrationstrends je nach Bildungsniveau<\/h2>\n<p>Im Allgemeinen folgt der bei der Zuwanderung der 20- bis 64-J\u00e4hrigen beobachtete Trend jenem der gesamten ausl\u00e4ndischen Bev\u00f6lkerung, mit einem deutlichen R\u00fcckgang Mitte der 1990er-Jahre und einem starken Anstieg ab 2008. Die Grafik 1 zeigt die Zahl der Migrantinnen und Migranten im erwerbsf\u00e4higen Alter (20-64 Jahre), aufgeschl\u00fcsselt nach dem Bildungsniveau. Von 40 000 Einreisen im Jahr 1991 (d.h. 44 Prozent aller Einreisen) halbierte sich die Zahl der Zugewanderten mit einem Bildungsniveau der Sekundarstufe&nbsp;I und erreichte zwischen 1997 und 2000 mit 20 000 Personen einen Tiefststand. Zu diesem Zeitpunkt litt die Schweiz unter den Folgen der Wirtschaftskrise im Bausektor. Ab dem Jahr 2000 stieg die Zahl der Zugewanderten mit einem Bildungsniveau der Sekundarstufe&nbsp;I leicht an und erreichte einen ersten H\u00f6hepunkt zur Zeit der Finanzkrise im Jahr 2008, die manche Migrantinnen und Migranten aus den betroffenen L\u00e4ndern dazu bewog, in der Schweiz Arbeit zu suchen. Ein zweiter H\u00f6hepunkt wurde gegen 2012 registriert, hier vermutlich aufgrund der guten Wirtschaftslage in der Schweiz und \u2013 wie wir sp\u00e4ter noch sehen werden \u2013 aufgrund der Schwierigkeit, auf dem lokalen Markt gen\u00fcgend Personal f\u00fcr Branchen zu finden, die nur sehr geringe Qualifikationen erfordern. 2014 verf\u00fcgten 20 Prozent der neu in die Schweiz eingereisten Personen \u00fcber ein Bildungsniveau der Sekundarstufe&nbsp;I.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Fig1_d.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-1578 size-full\" src=\"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Fig1_d.png\" alt=\"\" width=\"721\" height=\"534\" srcset=\"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Fig1_d.png 721w, https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Fig1_d-300x222.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 721px) 100vw, 721px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Die Zuwanderung von Personen mit einem Bildungsniveau der Sekundarstufe&nbsp;II folgte dem gleichen Trend \u2013 mit einem R\u00fcckgang (von etwas mehr als 20 000 Migranten oder 22 Prozent der Einreisen auf rund 10 000 Personen) am Ende des 20. Jahrhunderts, gefolgt von einem kontinuierlichen Anstieg mit einem H\u00f6hepunkt im Jahr 2008. Diese Zuwanderung war in der Schweiz schon immer relativ gering, da das Land dank der Berufslehre \u00fcber ein umfangreiches lokales Arbeitskr\u00e4fteangebot in den betreffenden Berufen verf\u00fcgt. Der zwischen 2000 und 2014 beobachtete Anstieg erkl\u00e4rt sich vermutlich durch das Zusammenwirken verschiedener Faktoren, n\u00e4mlich: einerseits dem Eintritt in den Ruhestand der Geburtenjahrg\u00e4nge der 1940er-Jahre, in denen eine Mehrheit \u00fcber eine Ausbildung auf Sekundarstufe&nbsp;II verf\u00fcgte und die es nun abzul\u00f6sen galt; andererseits der allgemeinen Verbesserung des Bildungsniveaus in den Herkunftsl\u00e4ndern (insbesondere auf der Iberischen Halbinsel, in Frankreich und Deutschland), die zu einer Erh\u00f6hung der Qualifikationen unter den zugewanderten Arbeitskr\u00e4ften f\u00fchrte \u2013 und dies selbst f\u00fcr Stellen, die grunds\u00e4tzlich keine hohen beruflichen Kompetenzen erfordern. Die Folge war eine Dequalifizierung der Migrantinnen und Migranten, indem diese einfache T\u00e4tigkeiten \u00fcbernahmen (als Handlanger, Hilfskr\u00e4fte in der Landwirtschaft, Reinigungskr\u00e4fte usw.), f\u00fcr die sie \u00fcberqualifiziert waren und f\u00fcr die ihnen ihre abgeschlossene Berufsausbildung nicht von Nutzen war (cf. zum Beispiel Pecoraro 2011). Rund 26 Prozent der 2014 registrierten Einreisen beziehen sich auf Personen mit einem Bildungsniveau der Sekundarstufe&nbsp;II.<\/p>\n<p>Wie Grafik 1 zeigt, betraf die spektakul\u00e4rste Entwicklung im letzten Vierteljahrhundert den Anstieg der Zahl der Zugewanderten mit einer Terti\u00e4rbildung. Zwar ging ihre Zahl Mitte der 1990er-Jahre zun\u00e4chst zur\u00fcck, allerdings weniger stark als bei den geringer qualifizierten Migrantinnen und Migranten, erh\u00f6hte sich danach aber rasch von 30 000 im Jahr 1991 (33 Prozent aller Einreisen) auf 40 000 im Jahr 2000 und auf 70 000 im Jahr 2008. Danach pendelte sie sich zwischen 60 000 und 70 000 Personen pro Jahr ein, was 50 bis 54 Prozent der j\u00e4hrlichen Einreisen entspricht.<\/p>\n<h2>Zuwanderung hochqualifizierter Fachkr\u00e4fte aus den Nachbarl\u00e4ndern und aus Nicht-EU-Staaten<\/h2>\n<p>Die Zuwanderung hochqualifizierter Arbeitskr\u00e4fte wird nicht f\u00fcr alle Herkunftsl\u00e4nder und Regionen der Welt mit der gleichen Intensit\u00e4t beobachtet. Die Migration-Mobility Umfrage liefert diesbez\u00fcglich eine interessante Beschreibung der Migrationsstr\u00f6me der j\u00fcngsten Zeit und zeigt, dass der Anteil der Personen mit einem Terti\u00e4rabschluss zwischen den nationalen Herkunftsgruppen erheblich variieren kann (Grafik 2). So liegt der Anteil der hochqualifizierten Migrantinnen und Migranten in der von der Umfrage erfassten Stichprobe bei den Zugewanderten aus dem Vereinigten K\u00f6nigreich, Nordamerika und Indien bei \u00fcber 90 Prozent. Demgegen\u00fcber betr\u00e4gt ihr Anteil bei den Zugewanderten aus S\u00fcdamerika 52 Prozent, bei Personen aus Westafrika 44 Prozent und bei jenen aus Portugal lediglich 24 Prozent.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Fig2_d.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-1579 size-full\" src=\"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Fig2_d.png\" alt=\"\" width=\"719\" height=\"524\" srcset=\"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Fig2_d.png 719w, https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Fig2_d-300x219.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 719px) 100vw, 719px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Diese anhand einer Umfrage ermittelten Anteile k\u00f6nnen aufgrund der Tatsache, dass sich hochqualifizierte Personen im Allgemeinen eher an einer Befragung beteiligen als gering Qualifizierte, eine leichte Fehlgewichtung aufweisen. Diese Fehlgewichtung wird in unserem Fall jedoch als geringf\u00fcgig beurteilt, haupts\u00e4chlich aufgrund der Befragungsmethode, welche darauf ausgelegt war, eine m\u00f6glichst hohe Abdeckung zu erreichen (\u00dcbersetzung in sechs Sprachen; M\u00f6glichkeit, telefonisch oder online zu antworten)<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a>.<\/p>\n<p>Bei den Migranten aus der s\u00fcdlichen Hemisph\u00e4re m\u00f6gen die Anteile mit Blick auf die Tatsache, dass die Migrationspolitik bei der Zuwanderung aus Nicht-EU-Staaten hochqualifizierte Fachkr\u00e4fte klar bevorzugt, gering erscheinen. Sie lassen sich durch den Umstand erkl\u00e4ren, dass die Zuwanderung im Rahmen des Familiennachzugs, welche keinen direkten Bezug zum Bildungsniveau hat, in diesen Gemeinschaften oft eine wesentliche Rolle spielt. Demgegen\u00fcber handelt es sich bei den aus Nordamerika in die Schweiz eingewanderten Personen in der Regel um Fachkr\u00e4fte mit hohen Qualifikationen, was auf eine selektive Zuwanderung schliessen l\u00e4sst, die Personen mit einem hohen Bildungsniveau bessere M\u00f6glichkeiten bietet.<\/p>\n<p>Im Fall von Portugal erfolgt die Selektion jedoch in die umgekehrte Richtung, da Personen mit einem Bildungsniveau auf Sekundarstufe unter den Zugewanderten in die Schweiz im Vergleich zu den im Herkunftsland verbliebenen Personen \u00fcbervertreten sind. Der Grund f\u00fcr diese Besonderheit gegen\u00fcber anderen Herkunftsgruppen, bei denen der Anteil der Migrantinnen und Migranten mit Terti\u00e4rbildung h\u00f6her ist als in der Bev\u00f6lkerung der jeweiligen Herkunftsl\u00e4nder, ist in der nach wie vor grossen Nachfrage nach Arbeitskr\u00e4ften mit mittlerer oder geringer Qualifikation in bestimmten Branchen der Schweizer Wirtschaft zu suchen.<\/p>\n<p>Wichtig ist zudem die Feststellung, dass bei der Zusammensetzung der Migrationsstr\u00f6me aus bestimmten L\u00e4ndern in den letzten Jahren tiefgreifende Ver\u00e4nderungen zu beobachten waren. Dies trifft insbesondere auf die Eingewanderten aus Spanien und Italien zu, von denen heute \u00fcber 50 Prozent hochqualifiziert sind, w\u00e4hrend diese Migrationsstr\u00f6me in der Vergangenheit aus eher gering qualifizierten Personen bestanden.<\/p>\n<h2>Der Arbeitsmarkt als wichtigster Treiber der hochqualifizierten Zuwanderung<\/h2>\n<p>Hauptgrund f\u00fcr die starke Zuwanderung hochqualifizierter Arbeitskr\u00e4fte ist die Nachfrage auf dem Schweizer Arbeitsmarkt. Ein Fokus auf die in j\u00fcngster Zeit in diesem Bereich zu beobachtenden Ver\u00e4nderungen best\u00e4tigt diese Feststellung (siehe Tabelle 1). Im Zeitraum von 2010 bis 2013 verzeichnete der Schweizer Arbeitsmarkt einen R\u00fcckgang der erwerbst\u00e4tigen Personen mit einem Bildungsniveau der Sekundarstufe&nbsp;I (-15 000 oder -2,5 Prozent) und der Sekundarstufe&nbsp;II (-50 000 oder -2,5 Prozent). Im gleichen Zeitraum erh\u00f6hte sich die Zahl der Arbeitspl\u00e4tze, die von Personen mit einer Terti\u00e4rbildung besetzt waren, um \u00fcber 160 000 (+13 Prozent). Dieser rasche Anstieg der Terti\u00e4rkompetenzen konnte mit den in der Schweiz ausgebildeten neuen Generationen nicht gedeckt werden, da die Zahl der in den Arbeitsmarkt eintretenden einheimischen Hochschulabsolventen um lediglich 115 000 Personen h\u00f6her war als die Zahl der aus Altersgr\u00fcnden aus dem Markt ausscheidenden Hochschulabsolventen (Wanner et al. (2016), siehe auch Steiner und Fibbi (2016)). Der R\u00fcckgriff auf zugewanderte ausl\u00e4ndische Fachkr\u00e4fte war daher ein logischer Schritt, um die Nachfrage am Arbeitsmarkt zu befriedigen.<\/p>\n<p>Die Grafik 3 zeigt denn auch, dass mit Ausnahme der Migrantinnen und Migranten aus Westafrika und S\u00fcdamerika \u00fcber die H\u00e4lfte der in j\u00fcngster Zeit zugewanderten Personen mit einem Terti\u00e4rabschluss bereits vor ihrer Einreise einen Arbeitsvertrag oder ein Arbeitsangebot besassen. In allen Herkunfts\u00adgruppen ist der Anteil der M\u00e4nner h\u00f6her, was auf eine familienorientierte Migrationsstrategie hindeutet, in der die Frauen ihrem Ehemann\/Partner in die Schweiz folgen, ohne schon vor der Einreise eine Arbeitsstelle zu suchen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Fig3_d.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-1580 size-full\" src=\"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Fig3_d.png\" alt=\"\" width=\"716\" height=\"569\" srcset=\"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Fig3_d.png 716w, https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Fig3_d-300x238.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 716px) 100vw, 716px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Angesichts der hohen Mobilit\u00e4t der hochqualifizierten Arbeitskr\u00e4fte, die oft dazu neigen, die Schweiz nach einigen Monaten oder Jahren wieder zu verlassen(Steiner 2018), hat die Zuwanderung aus dem Ausland bei der Befriedigung der Arbeitsmarktnachfrage indes eine untergeordnete Rolle gespielt, da sie zwischen 2010 und 2013 weniger als 30 Prozent der Nachfrage nach Fachkr\u00e4ften mit Terti\u00e4rausbildung zu decken vermochte. Neue Generationen von jungen einheimischen Arbeitskr\u00e4ften, die besser qualifiziert sind als fr\u00fchere Generationen, haben diesbez\u00fcglich den gr\u00f6ssten Beitrag geleistet.<\/p>\n<p>Ferner ist anzumerken, dass infolge der Zuwanderung auch die Erosion des Arbeitskr\u00e4ftepools mit einem Bildungsniveau der Sekundarstufe I und II verringert wurde, da auf diese Weise die Abg\u00e4nge der in den Ruhestand tretenden Generationen von lokalen Arbeitnehmenden mit mittlerer und geringer Qualifikation teilweise kompensiert wurden (Tabelle 1). Hier ergeben sich denn auch M\u00f6glichkeiten f\u00fcr die Zuwanderung von Arbeitskr\u00e4ften mit mittlerer oder geringer Qualifikation, da diese T\u00e4tigkeiten \u00fcbernehmen, die von Schweizer Frauen und M\u00e4nnern gemieden werden. Diese M\u00f6glichkeiten werden teilweise von Migranten aus Portugal, allgemeiner aber auch von manchen Zuwanderern aus S\u00fcdamerika, Westafrika sowie den Nachbarl\u00e4ndern genutzt.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Fig4_d.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-1581 size-full\" src=\"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Fig4_d.png\" alt=\"\" width=\"742\" height=\"241\" srcset=\"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Fig4_d.png 742w, https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Fig4_d-300x97.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 742px) 100vw, 742px\" \/><\/a><\/p>\n<h2>Schlussfolgerung<\/h2>\n<p>Die hochqualifizierte Zuwanderung zeigt eine spektakul\u00e4re Entwicklung und hat sich zwischen 1991 und 2014 mehr als verdoppelt. Insbesondere Einwandernde aus dem Vereinigten K\u00f6nigreich, Nordamerika und Indien verf\u00fcgen im Gegensatz zu Migrantinnen und Migranten aus Portugal, Westafrika oder S\u00fcdamerika \u00fcber eine Terti\u00e4rausbildung. Diese Zuwanderung erkl\u00e4rt sich haupts\u00e4chlich durch die Arbeitskr\u00e4ftenachfrage, die durch die neuen Generationen der ins Erwerbsleben eintretenden einheimischen Arbeitskr\u00e4fte nicht befriedigt werden konnte.<\/p>\n<p>\u00d6konominnen und \u00d6konomen weisen nahezu einhellig auf die Wichtigkeit einer qualifizierten Zuwanderung f\u00fcr die Steigerung der Wertsch\u00f6pfung hin. Gem\u00e4ss Nathan (2014) wurde in mehreren Studien nachgewiesen, dass hochqualifizierte Zuwandernde aufgrund ihres Innovationsgeistes und ihrer unternehmerischen Haltung in Wissenschaft und Technologie einen signifikanten Beitrag leisten. Wadhwa et al. (2008) best\u00e4tigen diese Rolle der hochqualifizierten Zuwandernden als treibende Kraft bei Innovationen wie auch bei Firmengr\u00fcndungen in den Vereinigten Staaten. Mit anderen Worten: Die Anwesenheit dieser Zugewanderten kann zum Wirtschaftswachstum und zur Innovationskraft des Landes beitragen. Selbst wenn es schwierig ist, die Auswirkungen der Zuwanderung auf die Wirtschaft genau zu beziffern, tragen die hochqualifizierten Migrationsstr\u00f6me der letzten Jahre zweifellos zum wirtschaftlichen Aufschwung bei, der in der Schweiz zu Beginn des 21. Jahrhunderts zu beobachten war.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Zus\u00e4tzliche Informationen zu diesem Ansatz sind bei den Autoren verf\u00fcgbar. In diesem Zusammenhang sei darauf hingewiesen, dass das Staatssekretariat f\u00fcr Wirtschaft (SECO) in einer k\u00fcrzlich vorgelegten Studie den gleichen Ansatz verwendet hat, um die Zuwandernden nach dem Bildungsniveau aufzuschl\u00fcsseln, hier allerdings auf der Grundlage der Schweizerischen Arbeitskr\u00e4fteerhebung (SAKE). Das SECO hat sich dabei auf die j\u00fcngste Vergangenheit beschr\u00e4nkt und diesen Selektionseffekt daher nicht ber\u00fccksichtigt.<\/p>\n<p>(https:\/\/www.seco.admin.ch\/seco\/fr\/home\/seco\/nsb-news.msg-id-71424.html, konsultiert am 04. Juli 2018). Da wir die Trends \u00fcber einen Zeitraum von 25 Jahren aufzeigen m\u00f6chten, halten wir eine statistische Korrektur f\u00fcr unerl\u00e4sslich.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a>Migration-Mobility Survey, <a href=\"https:\/\/nccr-onthemove.ch\/research\/migration-mobility-survey\/\">https:\/\/nccr-onthemove.ch\/research\/migration-mobility-survey\/<\/a>, konsultiert am 04. Juli 2018.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Diese Zahlen decken sich mit den Ergebnissen, die das Observatorium zum Freiz\u00fcgigkeitsabkommen Schweiz &#8211; EU ver\u00f6ffentlicht hat (2018). Letztere basieren auf der Schweizerischen Arbeitskr\u00e4fteerhebung und zeigen, dass \u201evon den Erwerbst\u00e4tigen, die im Rahmen des Freiz\u00fcgigkeitsabkommens eingewandert sind, 54 Prozent \u00fcber eine Hochschulbildung verf\u00fcgen; der entsprechende Anteil liegt f\u00fcr Zuwanderer aus Frankreich bei 70 Prozent, f\u00fcr Deutschland bei 63 Prozent, f\u00fcr Italien bei 50 Prozent und f\u00fcr Portugal bei 13 Prozent.\u201c Siehe https:\/\/www.seco.admin.ch\/seco\/fr\/home\/seco\/nsb-news.msg-id-71424.html, konsultiert am 04. Juli 2018.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einleitung Die Arbeitsm\u00e4rkte der westeurop\u00e4ischen L\u00e4nder waren in den letzten Jahren von tiefgreifenden Ver\u00e4nderungen gepr\u00e4gt: Einerseits haben viele Volkswirtschaften eine Tertiarisierung ihrer Aktivit\u00e4ten und eine zunehmende Spezialisierung erfahren (cf. zum Beispiel Eljim 2013), die zu einer h\u00f6heren Nachfrage nach hochqualifizierten Fachkr\u00e4ften und einem entsprechenden R\u00fcckgang des Bedarfs an Arbeitskr\u00e4ften mit mittlerer und niedriger Qualifikation f\u00fchrten. [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[19,15],"tags":[],"class_list":["post-1576","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-travail","category-education"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1576","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1576"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1576\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4062,"href":"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1576\/revisions\/4062"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1576"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1576"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1576"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}