{"id":1705,"date":"2019-03-05T09:57:04","date_gmt":"2019-03-05T07:57:04","guid":{"rendered":"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/?p=1705"},"modified":"2024-08-27T14:48:35","modified_gmt":"2024-08-27T12:48:35","slug":"gegensatze-ziehen-sich-nicht-an-die-rolle-von-bildung-und-einkommen-bei-der-paarbildung-in-der-schweiz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/?p=1705","title":{"rendered":"Gegens\u00e4tze ziehen sich nicht an \u2013 die Rolle von Bildung und Einkommen bei der Paarbildung in der Schweiz"},"content":{"rendered":"<h2>Einleitung<\/h2>\n<p><em>Partnerwahl und Homogamie <\/em><\/p>\n<p>Verschiedene wissenschaftliche Disziplinen besch\u00e4ftigen sich mit dem Thema Partnerwahl. Biologinnen und Biologen haben untersucht, welche Eigenschaften die Partnerwahl und den Fortbestand der Art in der Tierwelt beeinflussen (m\u00fcssen L\u00f6wenm\u00e4nnchen aggressiv sein oder eine sch\u00f6ne M\u00e4hne haben, um \u00fcber ein Rudel von L\u00f6winnen zu herrschen?). Die Psychologie hat analysiert, welche Pers\u00f6nlichkeitsmerkmale wir in einem idealen Partner oder einer idealen Partnerin suchen (sucht eine neurotische Person eine Partnerin oder einen Partner mit Geduld oder eher jemanden, der \u00e4hnlich neurotisch ist?). Und Forschende der Sozialwissenschaften schliesslich sind der Frage nachgegangen, wie der Sozialstatus der Menschen ihre Partnerwahl beeinflusst (bevorzugen wir eine Partnerin oder einen Partner mit demselben Bildungsstand, mit derselben Herkunft, derselben Religion, demselben Einkommensniveau?).<\/p>\n<p>Paare bei denen beide einen \u00e4hnlichen Bildungsstand oder ein \u00e4hnliches Einkommen haben, werden homogame Paare genannt. Die Zunahme homogamer Paare kann das Ergebnis einer Ver\u00e4nderung der Zusammensetzung der Bev\u00f6lkerung oder einer \u00c4nderung der Vorlieben f\u00fcr eine bestimmte Art von Partner sein. Wenn die Wahl eines Partners mit \u00e4hnlichen Merkmalen wie den eigenen, wie z.B. dem gleichen Bildungs- oder Einkommensniveau, h\u00e4ufiger erfolgt, als bei einer zuf\u00e4lligen Paarbildung zu erwarten w\u00e4re, wird dieses Ph\u00e4nomen in den Sozialwissenschaften als selektive Paarbildung bezeichnet. Selektive Paarbildung ist folglich jener Teil der Partnerwahl, der sich nicht durch die strukturellen Ver\u00e4nderungen in der Zusammensetzung der Bev\u00f6lkerung ergibt. Diese Paarbildung betrifft oft mehrere sozio\u00f6konomische Eigenschaften. Wie Falcon und Joye (2017) zeigen, haben Paare mit gleichem Bildungsstand in der Schweiz und in Deutschland h\u00e4ufiger auch einen gleichen Erwerbsstatus auf dem Arbeitsmarkt. In dieselbe Richtung gehen auch die Ergebnisse von Potarca und Bernardi (2017), die nahelegen, dass die Partnerwahl in der Schweiz zugleich vom Migrationshintergrund und vom Bildungsstand abh\u00e4ngt. Auch wenn die Wahl einer \u00e4hnlichen Partnerin oder eines \u00e4hnlichen Partners die Stabilit\u00e4t des Paares zu erh\u00f6hen scheint (Kessler, 2017), k\u00f6nnte diese Homogamie gleichzeitig die Schichtung der Gesellschaft st\u00e4rker auspr\u00e4gen und die Ungleichheiten zwischen den Haushalten erh\u00f6hen. Denn eine Gesellschaft, in der die Reichen mehrheitlich untereinander heiraten, ist eine ungleichere Gesellschaft als eine, in der Reichere mit \u00c4rmeren Verbindungen eingehen.<\/p>\n<p>Betrachtet man unterschiedliche Kohorten (Falcon &amp; Joye 2017)<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> und unterschiedliche Jahre (Becker &amp; Jann 2017)<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a>, zeigt sich, dass die Partnerwahl nach Bildungsstand in der Schweiz historisch weitgehend konstant geblieben ist und die Einkommensungleichheiten zwischen Haushalten dadurch nicht signifikant erh\u00f6ht wurden (Wise &amp; Zangger 2017). Die Auswirkungen der Homogamie auf die Einkommensungleichheiten sind nicht nur vom Bildungsstand und vom Einkommenspotential abh\u00e4ngig, sondern auch von der Einbindung in den Arbeitsmarkt. In einer fiktiven Gesellschaft, in der alle Frauen zu Hause bleiben, hat eine verbreitete Homogamie nach Bildungsstand geringe Auswirkungen auf die Einkommensungleichheiten. In der Realit\u00e4t ver\u00e4ndert sich die Arbeitsmarkteinbindung der Partner w\u00e4hrend ihrer Beziehung. In der Schweiz passen vor allem Frauen ihre bezahlten Arbeitsstunden stark an die famili\u00e4re Situation an (Kuhn und Ravazzini 2017a).<\/p>\n<p><em>Die Wahl eines Partners oder einer Partnerin<\/em><\/p>\n<p>Die Partnerwahl erfolgt nicht nur bewusst nach mehr oder weniger sichtbaren Merkmalen (Geld, Sch\u00f6nheit, Sozialstatus usw.), sondern h\u00e4ngt auch mit dem Begegnungsort zusammen. Der Bildungszugang ist ein entscheidender Faktor, nicht nur f\u00fcr das Erlangen eines bestimmten sozialen Status, sondern auch f\u00fcr die Begegnung und die Wahl einer Partnerin oder eines Partners. In den meisten F\u00e4llen bilden sich Paare unter Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern der gleichen Schule, unter Arbeitskolleginnen und -kollegen oder im gemeinsamen Freundeskreis.<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a><\/p>\n<p>In den letzten Jahrzehnten hat die Zahl der Menschen mit einem terti\u00e4ren Bildungsabschluss in der Schweiz stark zugenommen. In der aktiven Bev\u00f6lkerung ist der Anteil der Menschen mit terti\u00e4rer Bildung (die meisten davon mit Universit\u00e4tsabschluss) bei Frauen von acht&nbsp;Prozent im Jahr 1992 auf 27 Prozent im Jahr 2014 und bei M\u00e4nnern im selben Zeitraum von 23 auf 45 Prozent gestiegen (Ravazzini, Kuhn und Suter 2017). Diese Entwicklung ist auf eine Zunahme der Hochschulabschl\u00fcsse sowie die Zuwanderung hoch qualifizierter Personen (Wanner und Steiner 2018) zur\u00fcckzuf\u00fchren. Hervorzuheben ist auch, dass das allgemeine Bildungsniveau von Frauen in den j\u00fcngeren Kohorten der Schweiz heute gleich hoch ist wie dasjenige von M\u00e4nnern (Becker und Zangger 2013).<\/p>\n<p>Die Zunahme h\u00f6herer Bildungsabschl\u00fcsse und die Angleichung des Bildungsniveaus von Frauen und M\u00e4nnern haben dazu gef\u00fchrt, dass es nun mehr homogame Paare gibt, bei denen beide Partner \u00fcber einen hohen Bildungsstand verf\u00fcgen. Ein klassisches Beispiel ist der medizinische Bereich: Bis vor kurzem waren die Frauen, denen \u00c4rzte bei ihrer Arbeit begegneten, vorwiegend Krankenschwestern; heute hingegen arbeiten \u00c4rzte immer h\u00e4ufiger auch mit \u00c4rztinnen zusammen.<\/p>\n<p><em>Rolle der Frau und Partnerwahl<\/em><\/p>\n<p>Da junge Frauen in der Schweiz \u00fcber ein gleichwertiges Bildungsniveau verf\u00fcgen wie M\u00e4nner und st\u00e4rker in den Arbeitsmarkt eingebunden sind als ihre \u00e4lteren Kolleginnen, ist zu vermuten, dass sich dies auch auf ihre Partnerwahl auswirkt. In der Vergangenheit war der sozio\u00f6konomische Status von Frauen in der Regel durch denjenigen des Ehemannes bestimmt. Heute hingegen ist es den Frauen m\u00f6glich, unabh\u00e4ngiger zu leben und proaktiv eine Erwerbst\u00e4tigkeit zu verfolgen. Man k\u00f6nnte also denken, dass Bildungsstand und Einkommen bei der Partnerwahl weniger wichtig geworden sind.<\/p>\n<p>In der Schweiz hat die Zahl der berufst\u00e4tigen Frauen in den letzten Jahrzehnten stark zugenommen. 1991 waren 68 Prozent der Frauen zwischen 20 und 50&nbsp;Jahren erwerbst\u00e4tig, 2014 waren es schon 79 Prozent, ein Grossteil allerdings in Teilzeit (Kuhn und Ravazzini 2017b). Interessant ist, dass M\u00e4nner hingegen kaum Teilzeit besch\u00e4ftigt sind. Zu dieser unterschiedlichen Arbeitsaufteilung innerhalb der Paare, bei denen die Frau in Teilzeit arbeitet, der Mann jedoch in Vollzeit, kommt es oft nach der Geburt des ersten Kindes (Le Goff und Levy 2016). Die meisten M\u00fctter verringern oder unterbrechen dann ihre Berufst\u00e4tigkeit, wohingegen die V\u00e4ter ihren Besch\u00e4ftigungsgrad meist in gleicher Weise bestehen lassen oder sogar erh\u00f6hen (Giudici und Schumacher 2017). Zwischen M\u00e4nnern und Frauen gibt es bereits vor der Geburt von Kindern Einkommensunterschiede (Meyer 2018), die mit der Zunahme des Unterschieds der Arbeitsstunden nach dem Familienzuwachs allerdings weiter wachsen. Betrachtet man den gesamten Lebensverlauf, so f\u00fchrt die geringere Zahl an Arbeitsstunden langfristig dazu, dass die Berufserfahrung geringer ausf\u00e4llt und damit auch das Sal\u00e4r. Im Gegensatz zur Homogamie nach Bildungsstand, die w\u00e4hrend des Lebensverlaufs mehr oder weniger gleich bleibt, h\u00e4ngt die Homogamie des Einkommens auch von der Aufteilung der Erwerbs- und Haushaltsarbeit innerhalb des Paares ab. Da in den meisten Familien die M\u00e4nner die Hauptverdiener sind, k\u00f6nnte man vermuten, dass Bildung und Einkommen weiterhin wichtige Kriterien auf dem Heiratsmarkt sind.<\/p>\n<h2>Daten und Methoden<\/h2>\n<p>Wir analysieren, wie sich die Partnerwahl nach Bildungsniveau und nach Einkommen in der Schweiz entwickelt hat, und beziehen uns dazu auf Bildungsdaten aus der Schweizerischen Arbeitskr\u00e4fteerhebung (SAKE) von 1992, 2000 und 2014 sowie auf Einkommensdaten aus dem Schweizer Haushalt-Panel (SHP) von 2000 und 2014. Die untersuchte Gruppe besteht aus heterosexuellen Paaren, deren Mitglieder zwischen 25 und 64 Jahre alt sind, zusammen wohnen und nicht unbedingt miteinander verheiratet sind. Wir haben in der Studie aber auch alleinstehende Personen ber\u00fccksichtigt, um die Wahrscheinlichkeit, in einer Beziehung zu leben, besser untersuchen zu k\u00f6nnen.<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a> Wir haben uns auf Personen beschr\u00e4nkt, die erwerbsf\u00e4hig sind: Personen, die aufgrund einer Behinderung oder einer Krankheit nicht arbeiten k\u00f6nnen, wurden also von der Analyse ausgeschlossen. Je nach Jahr umfasst die untersuchte Personengruppe bei der SAKE zwischen 13&#8217;170 und 57&#8217;604 Haushalte und beim SHP zwischen 3&#8217;343 und 5&#8217;497 Haushalte.<\/p>\n<p>Zur Messung der Homogamie nach Bildung wurden Pivot-Tabellen mit drei Bildungsniveaus erstellt: (i) obligatorische Stufe (obligatorische Schule), (ii) Sekundarstufe II (Matur oder Berufsbildungsabschluss, Terti\u00e4rbildung B, einschliesslich Berufsfachschulen und H\u00f6here Fachschulen) und (iii) Terti\u00e4rstufe (Terti\u00e4rbildung A, einschliesslich Universit\u00e4tsdiplom oder Diplom einer Eidgen\u00f6ssischen Technischen Hochschule (ETH), einer Fachhochschule (FH) oder einer P\u00e4dagogischen Hochschule (PH)). Die Homogamie nach Einkommen wird nach der Stellung jeder Person in der Einkommensverteilung gemessen, die in drei gleiche Teile unterteilt ist: niedriges, mittleres und hohes Einkommen. Mit dieser Methode kommt man zum Ergebnis, dass sich die Anteile der Menschen mit einem bestimmten Bildungsstand im Zeitverlauf zwar ver\u00e4ndern, die Verteilung der Menschen auf die drei Einkommensstufen jedoch gleich bleibt. F\u00fcr die Bestimmung des Einkommens wurde der Stundenlohn einer Person verwendet. Die Analyse der Partnerwahl nach Einkommen ist auf die Jahre 2000 bis 2014 beschr\u00e4nkt, da nur \u00fcber diesen Zeitraum Daten vorliegen.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Messung der Partnerwahl wurde die relative Zugeh\u00f6rigkeit zu den drei Bildungsniveaus in den verschiedenen Jahren erfasst. Die relative Zugeh\u00f6rigkeit zu einem Einkommensniveau ist \u00fcber die untersuchten Jahre konstant geblieben.<\/p>\n<h2>Ergebnisse<\/h2>\n<p><a href=\"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Fig1_d-e1551431426389.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-1696 size-full\" src=\"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Fig1_d-e1551431426389.png\" alt=\"\" width=\"720\" height=\"415\"><\/a><\/p>\n<p><em>Zunahme der Terti\u00e4rabschl\u00fcsse und der homogamen Paare<\/em><\/p>\n<p>\u00dcber alle Haushalte gesehen ist der Anteil homogamer Paare mit terti\u00e4rem Bildungsabschluss von drei Prozent im Jahr 1992 auf 13 Prozent im Jahr 2014 gestiegen, wohingegen der Anteil homogamer Paare mit einer Ausbildung auf Sekundarstufe II von 36 Prozent im Jahr 1992 auf 27 Prozent im Jahr 2014 abgenommen hat (siehe Abbildung&nbsp;1). Der Anteil homogamer Paare mit obligatorischem Bildungsabschluss hingegen liegt konstant bei etwa acht Prozent. 2014 bestanden insgesamt 48 Prozent der Haushalte aus homogamen Paaren und 20 Prozent aus Alleinstehenden. Die anderen Haushalte umfassten Paare, bei denen der Mann einen h\u00f6heren Bildungsgrad als die Frau hat (20 Prozent) oder die Frau einen h\u00f6heren Bildungsabschluss als der Mann (zw\u00f6lf Prozent).<\/p>\n<p><em>Partnerwahl nach Bildungsstand bei Personen mit geringem Bildungsgrad nimmt zu <\/em><\/p>\n<p>Abbildung&nbsp;2 zeigt die Pr\u00e4ferenz f\u00fcr eine Partnerin oder einen Partner bei drei verschiedenen Bildungsniveaus in ausgew\u00e4hlten Jahren und liefert damit ein Bild der Partnerwahl nach Bildungsstand. Demnach ist die Partnerwahl nach Bildungsstand in der Schweiz in allen untersuchten Jahren vorherrschend. Die am st\u00e4rksten ausgepr\u00e4gte Partnerwahl nach Bildungsstand findet sich trotz der Zunahme der Personen und Paare mit einem terti\u00e4ren Bildungsabschluss bei Menschen, die nur \u00fcber einen obligatorischen Bildungsabschluss verf\u00fcgen. Dies bedeutet, dass mehr Menschen ohne nachobligatorische Ausbildung unter sich heiraten, auch wenn es in der Allgemeinbev\u00f6lkerung weniger Menschen ohne nachobligatorische Ausbildung gibt. Dies kann weder auf das Alter noch auf den Migrationshintergrund dieser Personen zur\u00fcckgef\u00fchrt werden, da diese Eigenschaften in den anderen Bev\u00f6lkerungsgruppen \u00e4hnlich stark vertreten sind. Menschen mit geringer Bildung sind also durch ihre Heirat und Partnerwahl st\u00e4rker segregiert als andere Bev\u00f6lkerungsgruppen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Fig2_d-e1551431436204.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-1697 size-full\" src=\"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Fig2_d-e1551431436204.png\" alt=\"\" width=\"720\" height=\"574\"><\/a><\/p>\n<p>Die Partnerwahl nach Bildungsstand ist, in geringerem Ausmass, auch bei Personen mit terti\u00e4rer Ausbildung sichtbar und in noch schw\u00e4cherer Auspr\u00e4gung zwischen Personen mit einer Ausbildung der Sekundarstufe II. Die Partnerwahl nach Bildungsstand zwischen hoch qualifizierten Personen hat zwischen 1992 und 2014 zwar abgenommen, ist aber allgemein f\u00fcr die Gesamtbev\u00f6lkerung gestiegen, und zwar aufgrund der Zunahme der homogamen Paare mit einem obligatorischen Bildungsabschluss und mit einem Bildungsabschluss der Sekundarstufe II.<\/p>\n<p>Untersucht man zudem die Neigung, in einer Beziehung zu leben, so stellt man fest, dass Personen, die h\u00f6chstens \u00fcber einen Bildungsabschluss der obligatorischen Stufe oder der Sekundarstufe II verf\u00fcgen, weniger oft allein leben als Personen mit einem terti\u00e4ren Bildungsabschluss. Im Zeitraum von 1992 bis 2014 ist die Wahrscheinlichkeit, allein zu leben, f\u00fcr Frauen und M\u00e4nner mit hoher Qualifikation jedoch gesunken.<\/p>\n<p><em>Die Entwicklung der Partnerwahl nach Einkommen <\/em><\/p>\n<p>Abbildung&nbsp;3 zeigt die Ergebnisse f\u00fcr die Partnerwahl nach Einkommen. Auch hier stellen wir in allen Schichten eine ausgepr\u00e4gte Partnerwahl nach Einkommen fest. Im Gegensatz zur Partnerwahl nach Bildungsstand hat die Partnerwahl nach Einkommen sowohl bei niedrigen als auch bei hohen Einkommen zugenommen.<\/p>\n<p>Die Wahrscheinlichkeit, allein zu leben, f\u00e4llt ebenfalls anders aus als bei der Partnerwahl nach Bildungsstand: M\u00e4nner mit geringem Einkommen weisen eine h\u00f6here Wahrscheinlichkeit auf, allein zu leben, als M\u00e4nner mit hohem Einkommen. W\u00e4hrend Frauen mit hohem Einkommen im Jahr 2000 noch eine h\u00f6here Wahrscheinlichkeit aufwiesen, allein zu leben, unterschieden sie sich 2014 nicht mehr von den Frauen mit mittlerem Einkommen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Fig3_d-e1551431413761.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-1699 size-full\" src=\"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Fig3_d-e1551431413761.png\" alt=\"\" width=\"720\" height=\"586\"><\/a><\/p>\n<p>Es ist ebenfalls interessant, die Paare auf die Kombination von Bildungsstand und Einkommen hin zu untersuchen. Dabei zeigt sich insbesondere, dass die Gruppe mit Paaren, die einander im Einkommen am \u00e4hnlichsten sind, nicht aus Personen mit demselben Bildungsstand besteht, sondern aus Frauen, die einen h\u00f6heren Bildungsstand aufweisen als ihre Partner. Es l\u00e4sst sich also sagen, dass Frauen, die einen Partner mit einem niedrigen Bildungsstand w\u00e4hlen, dabei oft einen Mann finden, der ein hohes Einkommen erzielt.<\/p>\n<p>Betrachtet man dar\u00fcber hinaus die Dauer einer Beziehung zwischen zwei Partnern, so best\u00e4tigt sich, dass die Homogamie nach Einkommen am Anfang der Beziehung und bei jungen Partnern st\u00e4rker ausgepr\u00e4gt ist. Dies ist darauf zur\u00fcckzuf\u00fchren, dass sich die L\u00f6hne der beiden Partner mit steigendem Alter unterschiedlich entwickeln, aufgrund von unterschiedliche beruflichen Karrieren und weil Frauen h\u00e4ufiger ihre Erwerbst\u00e4tigkeit einschr\u00e4nken als M\u00e4nner bei der Ankunft von Kindern.<\/p>\n<h2>Schlussfolgerung<\/h2>\n<p>Die Zahl der Paare mit gleichem Bildungsstand hat seit den 1990er-Jahren zugenommen. Unsere Analyse zeigt, dass die Partnerwahl nach Bildungsstand vor allem bei Paaren mit geringer Bildung und nicht etwa bei solchen mit hoher Bildung stattfindet, wie wir erwartet h\u00e4tten. Paare mit geringem Bildungsstand sind demnach st\u00e4rker segregiert als noch vor zwanzig Jahren. Geht man davon aus, dass ein h\u00f6herer Bildungsstand auch mit h\u00f6herem Einkommen einhergeht, sind diese Paare eine benachteiligte Bev\u00f6lkerungsgruppe.<\/p>\n<p>Unsere Analyse hat auch gezeigt, dass M\u00e4nner und Frauen mit einem hohen Bildungsstand mit gr\u00f6sserer Wahrscheinlichkeit alleine leben. Diese Wahrscheinlichkeit hat allerdings im Laufe der Jahre abgenommen. Die Wahrscheinlichkeit alleine zu leben, h\u00e4ngt auch mit dem Einkommen zusammen, wobei sich hier Unterschiede nach Geschlecht zeigen. W\u00e4hrend M\u00e4nne mit einem tiefen Einkommen eher alleine leben, ist es bei den Frauen umgekehrt. Und obwohl Frauen wirtschaftlich unabh\u00e4ngiger geworden sind, scheinen zumindest jene ohne hohes Einkommen dem Einkommen ihres Partners doch noch immer eine grosse Bedeutung beizumessen.<\/p>\n<p>Der Bildungsstand scheint f\u00fcr die heterosexuelle Paarbildung im Verlauf der Zeit jedoch weniger wichtig geworden zu sein. Aus diesem Grund hat die Partnerwahl nach Bildungsstand zwischen hoch gebildeten Personen abgenommen, die Partnerwahl nach Einkommen zwischen Personen mit hohem Einkommen hingegen zugenommen. Die stark ausgepr\u00e4gte Partnerwahl nach Einkommen zwischen Personen mit hohem Einkommen zeigt, dass der soziale Status bei der Partnerwahl nach wie vor ein wichtiges Kriterium ist. Durch genauere Analysen mit aufgeschl\u00fcsselten Daten k\u00f6nnte ermittelt werden, ob die Partnerwahl nach Bildungsstand auch von der Art der Universit\u00e4t, des Diploms oder des Studiums abh\u00e4ngt.<\/p>\n<p>Unsere Analyse auf der Grundlage von Daten der SAKE und des SHP weist darauf hin, dass M\u00e4nner und Frauen in homogamen Paaren mit terti\u00e4rem Bildungsabschluss in puncto Einkommen nicht auf gleichem Niveau sind. Und die Studie zeigt auch, dass die Homogamie nach Einkommen im Verlauf der Paarbeziehung abnimmt. Eine Erkl\u00e4rung daf\u00fcr sind die unterschiedlichen Karriereschritte und die unterschiedliche Verantwortung, die M\u00e4nner und Frauen innerhalb der Familie f\u00fcr die Kinder \u00fcbernehmen.<\/p>\n<p>Homogamie ist demnach ein wichtiges Ph\u00e4nomen, mit dem nicht nur die Folgen der Bildungsexpansion, sondern auch gesellschaftliche, einkommens- und geschlechterbezogene Ungleichheiten in unserer Gesellschaft nachgezeichnet und untersucht werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> In der Studie werden Kohorten, die in den 1950er-Jahren geboren wurden, mit Kohorten verglichen, die in den Jahren danach bis Anfang der 1980er-Jahre geboren wurden. Die Analyse verwendet den Bildungsabschluss und Erwerbsstatus.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Untersucht wurden die Jahre 1970, 1980, 1990 und 2000.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> \u00c4hnliche Freunde zu haben, ist ein weiteres Ph\u00e4nomen, das in den Sozialwissenschaften untersucht wird und Homophilie genannt wird. Stark ausgepr\u00e4gte Homophilie kann zu stark ausgepr\u00e4gter Homogamie f\u00fchren.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Es kann sein, dass allein lebende Personen eine Partnerin oder einen Partner haben, mit der oder dem sie nicht zusammen wohnen. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie Wohnkosten und Einkommen mit dieser Person teilen, ist deshalb viel geringer. Sie werden in dieser Studie daher als Alleinstehende gewertet.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einleitung Partnerwahl und Homogamie Verschiedene wissenschaftliche Disziplinen besch\u00e4ftigen sich mit dem Thema Partnerwahl. 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