{"id":2203,"date":"2020-12-14T17:15:16","date_gmt":"2020-12-14T15:15:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/?p=2203"},"modified":"2024-08-27T14:41:09","modified_gmt":"2024-08-27T12:41:09","slug":"die-nachfrage-nach-it-kenntnissen-auf-dem-schweizerischen-arbeitsmarkt-1990-2019","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/?p=2203","title":{"rendered":"Die Nachfrage nach IT-Kenntnissen auf dem schweizerischen Arbeitsmarkt 1990-2019"},"content":{"rendered":"<h2>Einleitung<\/h2>\n<p>Die digitale Transformation der Wirtschaft, Arbeits- und Berufswelt ist ein besonders markanter Aspekt des sozi\u00ada\u00adlen Wandels in der Schweiz. Digitale Technologien, womit Informations- und Kom\u00admu\u00adnikationstechnologien (IT) gemeint sind, haben in den letzten Jahren in den verschiedensten Wirtschaftszwei\u00adgen Einzug gehalten. Das Ausmass und die Geschwin\u00addigkeit der digitalen Transforma\u00adtion wie auch die digitalen Anwendungen unterscheiden sich allerdings stark zwischen den Branchen (FHS St. Gallen 2019). W\u00e4hrend sich die Digitalisie\u00adrung im industriellen Bereich als digitale Fertigung manifestiert und die IT-gest\u00fctzte Vernet\u00adzung aller Prozessschritte umfasst, \u00e4ussert sie sich im Dienstleistungsbereich vor\u00adwiegend als digitales Datenmanagement. Im Handel kommen Online-Shops und digitale Zahlungssys\u00adteme zur Anwendung und im Gastgewerbe sind es Buchungs\u00adplattfor\u00admen (FHS St. Gallen 2019).<\/p>\n<p>Den vielf\u00e4ltigen Anwendungsm\u00f6glichkeiten der Informations- und Kommunikationstechnolo\u00adgien ist eines gemeinsam: Sie haben Auswirkungen auf die Arbeits- und Berufswelt. Die Automatisie\u00adrung von Arbeitsprozessen macht berufliche Qualifikationen f\u00fcr die Aus\u00fcbung von mittler\u00adweile au\u00adtomati\u00adsierten T\u00e4tigkeiten obsolet, womit einzelne Berufe an Bedeutung verlieren oder in der ferneren Zukunft verschwinden k\u00f6nnten (Frey and Osborne 2013). In der Schweiz ist beispielsweise der Anteil an ausge\u00adschriebenen Stellen f\u00fcr <em>kaufm\u00e4nnische und administrative Berufe<\/em> seit Mitte der 1990er Jahre von rund 15 auf 8 Prozent zur\u00fcckgegangen.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\"><sup>[1]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Umgekehrt ist die Anzahl von Personen mit Ausbildungsab\u00adschl\u00fcssen in Berufen des Informa\u00adtikbereiches Ende der 1990er Jahre und zu Beginn der 2000er Jahre in der Schweiz sprung\u00adhaft angestiegen. Dies betrifft insbesondere die be\u00adrufliche Grundbildung, aber auch die Terti\u00e4r\u00adebene (BfS 2019). Nach einer zwischen\u00adzeitlichen Ab\u00adschw\u00e4\u00adchung steigen die Abschl\u00fcsse seit 2010 bis heute wieder an, allerdings etwas we\u00adniger mar\u00adkant als fr\u00fcher (BfS 2019).<\/p>\n<p>Viel bedeutsamer d\u00fcrfte aber der Wandel von Arbeitsmo\u00addellen und T\u00e4tigkeitsfeldern inner\u00adhalb von Berufen sein, die nicht dem Informatikbereich angeh\u00f6ren (Curtarelli et al. 2016). Daf\u00fcr wer\u00adden neue Qualifikationen gebraucht, insbe\u00adsondere auch verschiedene Arten von IT-Kenntnissen. So werden beispielsweise f\u00fcr Berufe in der Verwaltung SAP-Kenntnisse nachgefragt oder im Verkauf werden Kenntnisse zur digitalen Erfassung von Auftr\u00e4gen oder Bestands\u00e4nderungen gefordert. Die grosse Bedeutung der Ver\u00ad\u00e4nderung von beruflichen Qualifikationen im Zuge der Digitalisierung zeigt sich unter anderem darin, dass mehr als ein Drittel der 2018 in der Schweiz befragten KMUs angab, die fehlende Kompetenz bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern stelle eine grosse Herausforde\u00adrung der Digitalisierung dar (FHS St. Gallen 2019). Allerdings sind In\u00adformationen dar\u00ad\u00fcber, wie die Digi\u00adtalisierung in Berufen ausserhalb des Informatikbe\u00adreichs Einzug gehalten hat und wie sie die Qualifi\u00adkationsprofile solcher Berufe ver\u00e4ndert, \u00e4usserst sp\u00e4rlich (Atalay et al. 2020; Bessen 2016; Bisello et al. 2019; Deming &amp; Kahn 2018).<\/p>\n<p>Vor diesem Hintergrund widmet sich dieser Beitrag der Frage, welche IT-Kenntnisse Arbeitgeber f\u00fcr die Aus\u00ad\u00fcbung von T\u00e4tigkeiten in verschiedenen Beru\u00adfen ausserhalb des Informatikbereichs verlangen. Ebenso wird der Frage nachgegangen, wie schnell und wie einge\u00adhend neue Informations- und Kom\u00admunikations\u00adtech\u00adnologien in ver\u00adschiedene Berufe eingedrungen sind und so das berufliche Qualifikati\u00adonsprofil ver\u00e4ndert haben. Da IT-Kennt\u00adnisse zus\u00e4tzliche Qualifikationsele\u00admente in einem Beruf darstellen, taucht auch die Frage auf, ob sich solche neuen qualifikato\u00adrischen Bestandteile lohn\u00adm\u00e4ssig aus\u00adzahlen.<\/p>\n<p>Die aufgeworfenen Fragen beantwortet der vorliegende Beitrag, indem er die Entwicklung der Nach\u00adfrage nach verschiedenen IT-Kenntnissen im Schweizerischen Arbeitsmarkt und in ausge\u00adw\u00e4hlten Berufen in den letz\u00adten dreissig Jahren (1990-2019) nachzeichnet. Diese Entwicklungen aus der Per\u00adspektive der Arbeitge\u00adber zu untersuchen, ist besonders vielversprechend. Arbeitgeber sind nahe am Geschehen, ha\u00adben sie doch Arbeitsstellen zu besetzen, deren T\u00e4tigkeitsprofil IT-Qualifikationen er\u00adfor\u00addern. Die Be\u00adtrach\u00adtung aus dem Blickwinkel der Arbeitgeber hat dar\u00fcber hinaus den Vorteil, IT-Kenntnisse zu erfas\u00adsen, die an Arbeitspl\u00e4tzen tats\u00e4chlich ben\u00f6tigt wer\u00adden. Informationen \u00fcber IT-Kompetenzen, die bei Er\u00adwerb\u00adst\u00e4\u00adtigen erhoben werden, reflektieren n\u00e4m\u00adlich nur, was diese k\u00f6nnen, aber nicht, ob diese Kennt\u00adnisse am Arbeitsplatz ben\u00f6\u00adtigt werden. Zwischen den IT-Qualifikationen, die Unternehmen ben\u00f6tigen und den\u00adjenigen, \u00fcber die Er\u00adwerbst\u00e4\u00adtige verf\u00fcgen, kann unter Umst\u00e4n\u00adden eine grosse Diskrepanz bestehen (Buchs &amp; Buchmann 2017). Die Sicht der Arbeitgeber wurde trotz ihrer Vorteile mangels geeigne\u00adter Da\u00adten bis\u00adlang kaum in Betracht gezogen.<\/p>\n<h2>Stelleninserate als ideale Datenquelle<\/h2>\n<p>Eine geeignete Datenquelle, um die Entwicklung der Nachfrage nach IT-Kenntnissen zu verfolgen, sind Stelleninserate. Diese enthalten pr\u00e4zise und detail\u00adlierte Informationen \u00fcber die IT-Kenntnisse, die zur Erledigung der Arbeitsaufgaben relevant sind (Buch\u00admann et al. 2020). Inserierende Unternehmen wollen damit sicherstellen, dass sich keine Personen bewerben, die \u00fcber diese Kenntnisse gar nicht oder nur ungen\u00fcgend verf\u00fcgen. Gerade bei den sich schnell wandelnden digitalen Tools werden Unternehmen in den Inseraten Kenntnisse von spezifischen oder neuen Programmen sowie erweiterte Kenntnisse etablierter Tools nachfragen. Dagegen erw\u00e4hnen Inserate aber oft jene Kenntnisse nicht, von denen sie erwarten, dass die Bewerbenden ohnehin \u00fcber sie verf\u00fcgen. Die in den Inseraten erw\u00e4hnten Kenntnisse entsprechen somit dem, was Unternehmen <em>suchen<\/em>.<\/p>\n<p>Die Daten zu den Stelleninseraten, die diesem Beitrag zugrunde liegen, stammen vom Stel\u00adlen\u00admarkt-Moni\u00adtor Schweiz (SMM) (<a href=\"http:\/\/www.stellenmarktmonitor.uzh.ch\/\">www.stellenmarktmonitor.uzh.ch<\/a>). Der SMM ist am Soziologischen Institut der Universit\u00e4t Z\u00fcrich angesiedelt und verfolgt das Ziel, die wissenschaftlichen Erkenntnisse \u00fcber den Stellenmarkt systematisch zu erweitern und zu einer verbesserten Arbeitsmarkttransparenz beizutragen. Die Daten gehen zur\u00fcck bis 1950 und ba\u00adsieren auf j\u00e4hrlichen repr\u00e4sentativen Zufallsstichproben von mehr als 4000 Stelleninsera\u00adten, die in al\u00adlen wichtigen Medienkan\u00e4len \u2013 Presse, Webseiten von Firmen und Online-Portale \u2013 pu\u00adbliziert wur\u00adden. In diesen drei Kan\u00e4len werden rund 70 Pro\u00adzent aller of\u00adfenen Stellen ver\u00f6ffentlicht (Buchs &amp; Buchmann 2018) und sie decken alle Ty\u00adpen von Firmen und Berufen ab. Die Daten sind zudem ein sensibles Mass f\u00fcr den Per\u00adsonalbe\u00addarf von Unternehmen und eignen sich deshalb, die Nachfrage nach beruflichen Qualifikatio\u00adnen hin\u00adsicht\u00adlich Umfang und Zusammensetzung zu messen.<\/p>\n<h2>Typologie von IT-Kenntnissen<\/h2>\n<p>Die in Inseraten vorhandenen Informationen zu gesuchten IT-Qualifikationen bieten gute Voraussetzung f\u00fcr die Entwicklung einer aussagekr\u00e4ftigen Typolo\u00adgie von IT-Kennt\u00adnissen. Die in der Literatur bislang \u00fcblichen Klassifikationen sind eher wenig auf\u00adschluss\u00adreich. Sie be\u00adruhen meistens auf Befragun\u00adgen von Erwerbst\u00e4tigen, die auf der Basis einiger weniger vor\u00addefinierter Kategorien von IT-Kennt\u00adnissen angeben, ob sie diese an ihrem Arbeitsplatz ben\u00f6tigen (z.B. OECD 2016).<\/p>\n<p>F\u00fcr diesen Beitrag wurde auf Basis der SMM-Daten eine differenzierte Konzeptualisierung von IT-Kenntnissen ent\u00adwi\u00adckelt. Sie misst solche Kompetenzen direkt auf Ebene einzelner Arbeits\u00adstellen, in j\u00e4hrlichem Rhyth\u00admus und in Lang\u00adzeit\u00adperspek\u00adtive. Dazu wurde die Methode der automati\u00adschen Ex\u00adtraktion von Information aus Texten ver\u00adwen\u00addet (Buchmann et al. 2020). Unseres Wissens ist sie die erste Typologie, die Verweise auf IT-Kenntnisse in Stelleninseraten umfassend abdeckt. Die Extraktion unterscheidet zwischen <em>Tools<\/em> (z.B. JavaScript, 3D-CAD-Soft\u00adware, Database Sys\u00adtem), <em>T\u00e4tigkeiten<\/em> mit diesen Tools (z.B. an\u00adwenden, entwi\u00adckeln, unter\u00adst\u00fct\u00adzen) und dem <em>Niveau der F\u00e4higkeiten<\/em> zur Ausf\u00fchrung dieser T\u00e4tigkei\u00adten (z.B. mindes\u00adtens drei Jahre Er\u00adfahrung). Im Folgenden beschr\u00e4nken wir uns auf die Darstellung der Typologie mit Blick auf Kenntnisse von IT-Tools. Dabei wurden f\u00fcnf Ty\u00adpen von IT-Kennt\u00adnissen unter\u00adschie\u00adden.<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\"><sup>[2]<\/sup><\/a> Diese sind:<\/p>\n<ul>\n<li>Kenntnisse von <em>IT zur Steuerung von Unternehmen<\/em>, bei\u00adspiels\u00adweise in den Bereichen Human Re\u00adsources, Buchhaltung, Finanzen oder Lagerhaltung (z.B. SAP).<\/li>\n<li>Kennt\u00adnisse von<em> bran\u00adchen\u00adspezifischer IT<\/em>, die sich auf die digitale Unter\u00adst\u00fctzung von typischen Ar\u00adbeitslabl\u00e4ufen und Aufgaben in einzel\u00adnen Bran\u00adchen bezie\u00adhen (z.B. computer&#8211;aided design (CAD), computerized numerical control (CNC), banking software, pa\u00adtient data management).<\/li>\n<li>Kenntnisse von<em> Ent\u00adwick\u00adlungs- und System-IT<\/em>, mit denen IT-Applikationen generiert oder ge\u00e4ndert werden k\u00f6nnen (z.B. C++, javascript, SQL, SCCM).<\/li>\n<li>Kenntnisse von <em>Inhalt erzeugender und Inhalt ver\u00e4ndern\u00adder IT<\/em> (Content Management Software wie z.B. MS Office, Photoshop, Moodle). Solche IT-Kenntnisse werden in der Literatur oft unter dem Begriff der \u2018digital literacy\u2019 gefasst (Baw\u00adden 2016).<\/li>\n<li>Kenntnisse von <em>Netzwerk-IT<\/em> zur Informa\u00adti\u00adonsbeschaf\u00adfung (z.B. Webbrowser; Gene\u00adrierung und Ma\u00adnagement von Netzwerken wie Novell Net\u00adware oder Citrix).<\/li>\n<\/ul>\n<h2>Nachfrage nach verschiedenen Typen von IT-Kenntnissen, 1990-2019<\/h2>\n<p>Die Abbildung 1 zeigt die Entwicklung in der Nachfrage nach den f\u00fcnf verschiedenen Typen von IT-Kennt\u00adnis\u00adsen f\u00fcr alle Berufe ausserhalb des Infor\u00admatikbereiches seit den fr\u00fchen 1990er Jah\u00adren bis 2019.<sup> <a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a><\/sup> Die hori\u00adzontale Axis bildet die Zeit ab; die vertikale Achse bezieht sich auf den pro\u00adzen\u00adtualen Anteil der Stelleninserate, in denen die jeweiligen IT-Kenntnisse verlangt werden.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/ABB_1.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-2209\" src=\"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/ABB_1.png\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"403\" srcset=\"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/ABB_1.png 1676w, https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/ABB_1-300x186.png 300w, https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/ABB_1-1024x635.png 1024w, https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/ABB_1-768x477.png 768w, https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/ABB_1-1536x953.png 1536w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Zuerst einmal ist festzuhalten, dass die Nachfrage nach allen f\u00fcnf Typen von IT-Kenntnissen seit den fr\u00fchen 1990er Jahren gestiegen ist, allerdings in unterschiedlichem Masse. In der Summe zeigt sich, dass 2019 in 44 Prozent der Stelleninserate mindestens ein spezifischer Typ von IT-Kennt\u00adnissen verlangt wird, w\u00e4hrend dies anfangs der 1990er Jahre noch kaum der Fall war.<\/p>\n<p>Seit Mitte der 1990er Jahre ist die Nachfrage nach Kenntnissen von <em>Inhalt erzeugender und Inhalt ver\u00e4ndern\u00adder IT<\/em> stark angestiegen und schei\u00adnt auch 2019 noch nicht den Wendepunkt erreicht zu haben. Im Gegensatz dazu ist der Bedarf nach Kenntnis\u00adsen von <em>Netzwerk-IT <\/em>in viel bescheidene\u00adrem Masse angestiegen, obwohl die einfache\u00adren Kenntnisse dieser Tools unter anderem E-Mail-Pro\u00adgramme oder die Informationsbeschaffung mittels Recherchen im Internet einschliessen. Die Nach\u00adfrage nach Kenntnissen von <em>IT zur Steuerung von Unternehmen <\/em>steigt relativ stark in der ersten De\u00adkade des 21. Jahr\u00adhunderts und flacht im folgenden Jahrzehnt ab. Kenntnisse von <em>branchen\u00adspezi\u00adfischen IT-Werk\u00adzeugen<\/em> werden im be\u00adtrach\u00adteten Zeitraum unterschiedlich nachgefragt. Die von Ar\u00adbeitgebern verlang\u00adten Kenntnisse von <em>Ent\u00adwick\u00adlungs- und System-IT<\/em>, welche anspruchsvolle IT-Kennt\u00adnisse bein\u00adhal\u00adten und den Quali\u00adfikatio\u00adnen in den Informatikberufen am N\u00e4chsten kommen, sind in den 1990er Jah\u00adren st\u00e4rker angestiegen als in den ersten beiden Dekaden des 21. Jahrhunderts.<\/p>\n<h2>Bedeutung von IT-Kenntnissen in ausgew\u00e4hlten Berufen<\/h2>\n<p>Im Folgenden zeigen wir f\u00fcr einige aus\u00adgew\u00e4hlte Berufe auf, ab wann und in welchem Ausmass Betriebe Qualifikationen im Umgang mit den verschiedenen Typen von IT verlangten. Es handelt sich um Buchhaltungsberufe, Verkaufsberufe, Architekt\/in, technische Berufe, kaufm\u00e4nnische und B\u00fcroberufe sowie Montageberufe. Diese Berufe sind dabei so gew\u00e4hlt, dass die jeweils fokussierte IT-Qualifika\u00adtion fr\u00fch und h\u00e4ufig oder aber sp\u00e4t und noch selten in Stelleninseraten erw\u00e4hnt wird. Abbildung 2 zeigt f\u00fcr drei Ty\u00adpen von IT-Kennt\u00adnissen und jeweils zwei ausgew\u00e4hlten Berufen den Anteil an Stellenin\u00adseraten, in welchen Betriebe die jeweilige Qualifikation als Anforde\u00adrung f\u00fcr die Stelle erw\u00e4hnen.<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\"><sup>[4]<\/sup><\/a> Die hori\u00adzontale Axis bildet die Zeit ab; die vertikale Achse bezieht sich auf den pro\u00adzen\u00adtualen Anteil der Stelleninserate, in denen die jeweiligen IT-Kenntnisse verlangt werden.<\/p>\n<p>Qualifikationen im Bereich der <em>IT<\/em> zur <em>Steuerung von Unternehmen<\/em> verlangen Arbeitgeber f\u00fcr Stellen in diversen Berufen wie beispielsweise in technischen Berufen (z.B. f\u00fcr die Erfassung von Be\u00adst\u00e4nden) oder in fast allen B\u00fcroberufen. Diese IT-Kenntnisse sind somit nicht an bestimmte Berufe gebunden, sondern breit einsetzbar. Ein typisches Berufsbeispiel f\u00fcr eine fr\u00fche und massive Digitali\u00adsierung betreffend IT zur Unternehmenssteuerung stellen Buchhalterinnen und Buchhalter dar. Diese besch\u00e4ftigen sich vor allem mit den betrieblichen Finanzen wie der Pr\u00fcfung und Verbu\u00adchung von Gesch\u00e4ftsvorf\u00e4llen oder Transaktionen von Kunden. In diesem Beruf verlangten Betriebe in der Schweiz bereits Mitte der 1990er Jahre in knapp 10 Prozent der Stellenausschreibungen Kenntnisse im Umgang mit <em>IT zur Steuerung von Unternehmen<\/em>. Zu diesem Zeitpunkt waren viele Buchhalterinnen und Buchhalter damit wohl noch nicht sehr vertraut, da die Digitalisie\u00adrung ihres Berufs gerade erst begonnen hatte. Der Inseratenanteil in den Buchhaltungsberufen, die IT-Qualifikationsanforderungen erw\u00e4hnten, nahm danach laufend zu und er\u00adreichte im Jahr 2017 rund ein Drittel der Stelleninserate. Es ist anzunehmen, dass heutzu\u00adtage bei\u00adnahe alle Buchhalter und Buchhalterinnen entsprechende IT bei ihrer Ar\u00adbeit ein\u00adsetzen. Auch kleinere Betriebe k\u00f6nnen die Digitalisierung ihrer Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung kaum mehr umge\u00adhen (FHS St. Gallen 2019). Weil der Umgang mit genannter IT f\u00fcr den Buchhaltungsberuf aber so \u00fcblich geworden ist und auch fast alle Berufsleute durch die Berufsausbildung \u00fcber ent\u00adsprechende Qualifikationen verf\u00fcgen, erw\u00e4h\u00adnen sie viele Betriebe nur in den Stellenausschrei\u00adbun\u00adgen, wenn sie beispielsweise spezifische Pro\u00adgramme oder erweiterte Kenntnisse betreffen.<\/p>\n<p>Im Ge\u00adgensatz zur Buchhaltung sind Verkaufsberufe ein Beispiel f\u00fcr eine sp\u00e4te und z\u00f6\u00adgerli\u00adche Digitalisierung durch <em>IT zur Steuerung von Unternehmen<\/em>. Dabei verlangen Betriebe entspre\u00adchende, f\u00fcr das Verkaufspersonal noch neue Qualifi\u00adkationen vor allem bei Stellen im Verkaufs-Innen\u00addienst, wo seit der Jahrtausendwende immer \u00f6fter Auftr\u00e4ge und Bestands\u00e4nderungen digital erfasst werden m\u00fcssen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/ABB_2.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-2210\" src=\"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/ABB_2.png\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"673\" srcset=\"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/ABB_2.png 1248w, https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/ABB_2-290x300.png 290w, https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/ABB_2-989x1024.png 989w, https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/ABB_2-768x795.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Qualifikationen im Bereich der <em>branchenspezifischen IT<\/em> verlangen Arbeitgeber oft f\u00fcr Arbeits\u00adstellen in technischen und gestalterischen Berufen sowie in den Ingenieursberufen. Dabei bleibt die betriebliche Nachfrage nach diesen Qualifikationen bei Arbeitsstellen mit tieferen Ausbildungsanfor\u00adderungen gering, w\u00e4hrend sie bei h\u00f6heren Ausbildungsanforderungen eher gross ist (Buchmann et al. 2020). Architekt\/in ist ein typischer Beruf mit fr\u00fcher und starker Nachfrage nach <em>bran\u00adchenspezifischer IT<\/em>. Architektinnen und Architekten planen und konstruieren heute routinem\u00e4ssig Bauten mithilfe von CAD (computer-aided design). Architekturausbildungen beinhal\u00adten denn auch die Aneignung von Kompetenzen im Umgang mit solcher IT. Vor der Jahrtau\u00adsend\u00adwende war die betriebliche Nachfrage nach branchenspezifischer IT in den Architekturberufen dage\u00adgen noch gering, weil bis dahin handgefertigte Pl\u00e4ne massgeblich waren. Im Gegensatz zu den Architekturberufen verlangen Betriebe bei vergleichsweise wenigen Stel\u00adlen f\u00fcr Techniker und Technikerinnen nach Kompetenzen in branchenspezifischer IT. Technische Berufe sind damit ein typisches Beispiel f\u00fcr eine z\u00f6gerliche Digitalisierung.<\/p>\n<p>Elementare Qualifikationen im Umgang mit <em>Inhalt erzeugender und Inhalt ver\u00e4ndernder IT <\/em>(Content Management Software) ge\u00adh\u00f6ren heutzutage zur <em>Digital Literacy<\/em>. Personen, die digitale Me\u00addien in ihrem Lebens- oder Arbeitsall\u00adtag antreffen, m\u00fcssen diese Werkzeuge zu einem gewissen Grad kennen (z.B. OECD 2016). Die ent\u00adsprechenden Werkzeuge durchdringen denn auch viele Berufe. Besonders typisch ist die Anwendung von <em>Content Management Software<\/em> jedoch in kaufm\u00e4nnischen und B\u00fcroberufen. Zu den Hauptaufgaben in diesen Berufen geh\u00f6ren Administration und die Organisation von betrieblichen Prozessen. Dazu sind Basiskompetenzen im Umgang mit der Software MS-Office (z. B. Word und Excel) unumg\u00e4nglich. Die Digitalisierung in diesem Bereich begann bereits in den fr\u00fchen 1990er Jahren. Im Jahr 1990 wurde MS-Office auf den Markt gebracht. Ab diesem Zeitpunkt durchdrang Content Management Software die betriebliche Administ\u00adration und Organisation zunehmend. Entsprechend stieg auch der Anteil der Stelleninserate in den kaufm\u00e4nni\u00adschen und B\u00fcroberufen mit Erw\u00e4hnung von Anforderungen an entsprechende Kompeten\u00adzen von rund 5 Prozent Anfangs der 1990er Jahre auf \u00fcber 35 Prozent im Jahr 2019 an. Oft nennen Betriebe IT-Qualifikationen in Inseraten, weil die f\u00fcr die Stelle erforderlichen Kenntnisse h\u00f6her liegen, als was in der Ausbildung erlernt wird. Aber nicht in allen Berufen ist die entsprechende IT so bedeutsam, weil digitale Medien nicht zwingend zum Arbeitsalltag geh\u00f6ren. Ein typisches Beispiel f\u00fcr einen von dieser Art der Digitalisierung schwach betroffenen Bereich, sind die Montageberufe. Erst nach der Jahrtausendwende begannen Betriebe f\u00fcr diese Berufe nach Qualifika\u00adtionen f\u00fcr Content Management Software zu fragen und bis 2017 erreichte der entspre\u00adchende Inseratenanteil weniger als 5 Prozent. Der steile Anstieg nach 2017 ist schwierig zu interpretieren. Vor allem von Monteuren und Monteurinnen, welche auch Offerten erstellen m\u00fcssen, verlangen Betriebe diese Qualifikationen.<\/p>\n<h2>Zahlt sich die Nachfrage nach IT-Kenntnissen lohnm\u00e4ssig aus?<\/h2>\n<p>Unsere Auswertung der Stelleninserate zeigt, dass IT-Kenntnisse f\u00fcr bestimmte Berufe ausserhalb des Informatikbereichs schon lange und stark nachge\u00adfragt werden, w\u00e4hrend die diesbez\u00fcgliche Nachfrage in anderen Berufen sp\u00e4t ein\u00adsetzte und schw\u00e4cher war. Wir gehen davon aus, dass in Berufen ausserhalb des Informatikbereichs, die schon fr\u00fch und stark von der Digitalisierung be\u00adtroffen waren, die verlangten IT-Kenntnisse zu einem integralen Be\u00adstandteil des beruflichen Quali\u00adfi\u00adkationsb\u00fcndels geworden sind. Dies bedeutet, dass gewisse Kenntnisse der entsprechenden Tools f\u00fcr die Aus\u00fcbung des Berufs grundlegend sind. In Berufen hingegen, wo die Digi\u00adta\u00adli\u00adsierung noch schwach ist, stellen nachgefragte IT-Kompetenzen ein neues Element im beruflichen Qualifikationsprofil dar (Buchmann et al. 2020). Die entsprechenden Qualifikationen sind somit nur f\u00fcr einen kleinen Teil der Arbeitsstellen in diesen Berufen erforderlich. Wenn IT-Kenntnisse in einem Be\u00adruf neu sind, d\u00fcrf\u00adten diese Qualifikationen bei den entsprechenden Berufsleuten noch nicht sehr verbreitet sein. Ar\u00adbeit\u00adge\u00adber, die solche noch eher raren Qualifikationen nachfragen, d\u00fcrften daher geneigt sein, in den ent\u00adsprechenden Berufen einen etwas h\u00f6heren Lohn zu bezahlen. Damit k\u00f6nnen sie sich einen Vorteil bei der Rekrutierung von Berufsleu\u00adten verschaffen, die solche Qualifikationen bereits mitbringen. Zu\u00addem bieten sie einen Anreiz f\u00fcr die entsprechenden Berufsleute, sich solche IT-Kenntnisse anzueig\u00adnen. Ge\u00adm\u00e4ss diesen \u00dcberlegungen er\u00adwarten wir, dass die in einem Beruf neu eingef\u00fchrten IT-Kennt\u00adnisse mit erh\u00f6hter Entlohnung ein\u00adher\u00adgehen, w\u00e4h\u00adrend dies bei IT-Kenntnissen, die schon in das be\u00adrufliche Qualifika\u00adtions\u00adb\u00fcndels integriert sind, nicht der Fall ist (Buchmann et al. 2020).<\/p>\n<p>Wir berechnen folglich, wie stark sich die berufliche Nach\u00adfrage nach jeweils bestimmten IT-Kenntnisse im Lohn nie\u00adderschl\u00e4gt. Somit zielt unsere Analyse auf die Bedeutung der betrieblichen Nachfrage nach bestimmten IT-Qualifikationen in den ausge\u00fcbten Berufen ab und nicht, welche individuellen IT-Qualifikationen die Arbeitnehmenden mitbringen. Die Lohnberechnungen beruhen auf Daten der Schweizerischen Arbeitskr\u00e4fteerhebung (SAKE). Die SAKE ist eine repr\u00e4sentative Personenbefragung, die seit 1991 j\u00e4hrlich vom Bundesamt f\u00fcr Statistik (BFS) durchgef\u00fchrt wird und enth\u00e4lt alle hier wichtigen Angaben zur Person und der Erwerbst\u00e4tigkeit. Die benutzte Lohnvariable erfasst den Lohn als kategorisierten Bruttostundenlohn. Die Modelle unterscheiden f\u00fcr jeden Typ von IT-Kenntnissen, ob die IT-Qualifikation ein in\u00adteg\u00adraler Bestandteil im beruflichen Qualifikationsb\u00fcndel ist (mehr als 10 Prozent der Inserate verlangen nach diesem Typ von IT-Qualifikation) oder ein neues Element darstellt (maximal 10 Prozent der Inserate verlangen nach diesem Typ von IT-Qualifikation). Die Berechnun\u00adgen ber\u00fccksichtigen auch die betriebliche Nachfrage nach einer Reihe weiterer Qualifikationen (d.h. Aus\u00adbil\u00addungsniveau, pers\u00f6nliche und soziale Kompetenzen), sonstige Eigenheiten des Be\u00adrufsfelds, pers\u00f6nliche Eigen\u00adschaften (d.h. Alter, Geschlecht, Ausbildung, Berufserfahrung), die berufliche Position (d.h. F\u00fch\u00adrungsposition, Arbeitsumfang), Firmeneigenschaften (d.h. Firmen\u00adgr\u00f6sse, Branche, Arbeitsort) und das Jahr. Diese Faktoren k\u00f6nnen den Lohn n\u00e4mlich auch beeinflus\u00adsen und nur durch ihre Kontrolle kann der Lohn\u00adbestandteil ermittelt werden, der auf die Nachfrage nach bestimmten IT-Typen zur\u00fcckgef\u00fchrt werden kann.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/ABB_3.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-2211\" src=\"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/ABB_3.png\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"681\" srcset=\"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/ABB_3.png 1258w, https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/ABB_3-286x300.png 286w, https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/ABB_3-977x1024.png 977w, https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/ABB_3-768x805.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Abbildung 3 zeigt, wie hoch der Zusatzlohn f\u00fcr die Nachfrage nach drei Typen von IT-Qualifikationen (vertikale Achse) in den jeweiligen Zeitperioden (horizontale Achse) etwa ist. Der auf der vertikalen Achse angegebene Betrag bezieht sich auf eine im Vergleich zu anderen Berufen gesteigerte Nachfrage um 10 Prozent. Eine Zusatzentlohnung von 1 CHF pro Stunde entspricht gut 170 CHF monatlich bei einer Vollzeitbesch\u00e4ftigung zu 40 Wochenstunden.<\/p>\n<p>Die Ergebnisse best\u00e4tigen mehrheitlich die Annahme, dass alle Typen von IT-Kenntnisse nur dann zu einem h\u00f6heren Lohn (d.h. Zusatzentlohnung) f\u00fchren, wenn sie einen neuen Bestandteil des beruflichen Qualifikationsb\u00fcndels dar\u00adstel\u00adlen. Sind sie dagegen bereits ein integraler Bestandteil, bezahlen Betriebe daf\u00fcr keinen zus\u00e4tzli\u00adchen Lohn, weil die entsprechenden Qualifikationen dann wohl im berufstypische Lohn einberech\u00adnet sind. Die Zusatzentlohnung f\u00fcr <em>IT zur Steuerung von Unternehmen<\/em> in Berufen, wo Firmen diese zum Messzeitpunkt erst seit kurzem nachfragen, war besonders zu Beginn der 2000er Jahre mit bis zu 4 CHF pro Stunde hoch und nahm da\u00adnach ab. Im Jahr 2011 betrug die Zusatzentlohnung in Verkaufsberufen, wo rund 3.3 Prozent der Inserate Angaben zu diesem Typ von IT-Kenntnissen enthielten, also etwa 12 Rappen pro Stunde.<\/p>\n<p>Die Nachfrage nach <em>branchenspezifischer IT<\/em> in Berufen, wo diese ein neues Qualifi\u00adkationsele\u00adment darstellt, generiert \u00fcber die gesamte Zeitperiode hinweg ungef\u00e4hr dieselbe Zusatzentloh\u00adnung von rund 1 CHF pro Stunde. In technischen Berufen lag die Nachfrage nach Kenntnissen dieser Tools im Jahr 2019 bei 6.1 Prozent, womit die Zusatzentlohnung pro Monat etwa 87 CHF entspricht. Einzig in den Krisenjahren um 2008 bis 2011 ist die Zusatzentlohnung f\u00fcr die Nachfrage nach <em>branchenspezifischer IT<\/em> gering, weil dann die Betriebe vermutlich nicht in der Lage waren, diesen Lohnbestandteil zu bezahlen. Die Nachfrage nach <em>Inhalt erzeugender und Inhalt verar\u00adbeitender IT<\/em> in Berufen mit z\u00f6gerlicher Digitalisierung in diesem Bereich f\u00fchrt zur kleinsten Zusatzentlohnung und liegt in einigen Jahren nahe bei null. Die geringe Entlohnung f\u00fcr diese IT-Qualifikationen h\u00e4ngt wahr\u00adscheinlich damit zusammen, dass diese teilweise zur \u00abdigital literacy\u00bb geh\u00f6ren und ihr Erwerb im Vergleich zu anderen Typen von IT-Qualifikationen einfacher ist. Nichtsdestotrotz konnten Besch\u00e4ftigte in Montageberufen im Jahr 2019 aufgrund der Nachfrage von 9.4 Prozent einen Lohnzusatz von rund 47 Rappen (monatlich etwa 80 Franken) verbuchen.<\/p>\n<h2>Schlussfolgerungen<\/h2>\n<p>Diese Studie leistet mehrere Beitr\u00e4ge zum besseren Verst\u00e4ndnis der digitalen Trans\u00adforma\u00adtion des Arbeitsmarktes und der Berufe in der Schweiz. Erstens erm\u00f6glicht die Entwicklung einer daten\u00adbasier\u00adten Typologie von IT-Kenntnissen, die von Arbeitgebern f\u00fcr die Ausf\u00fchrung von beruflichen T\u00e4\u00adtigkeiten verlangt werden, einen genaueren Einblick, welche IT-Qualifikationen in Berufen aus\u00adserhalb des Infor\u00admatikbereichs tats\u00e4chlich gesucht werden. Zweitens zeigt die Studie, dass die Digitalisierung in unterschiedlichem Masse und zu ver\u00adschiedenen Zeitperioden in berufliche Qualifikationsprofile eindringt. Die Nachfrage nach IT-Kennt\u00adnissen in Beru\u00adfen ist deshalb drittens auch mit unterschiedlichen Lohneffekten verbunden. Nur wenn Betriebe IT-Qualifikationen in einem Beruf noch nicht oft nachfragen und somit neu sind, gehen sie mit er\u00adh\u00f6hter Entlohnung einher.<\/p>\n<p>Diese Studie liefert die Erkenntnis, dass in der Schweiz die Nachfrage nach verschiedenen IT-Kenntnissen auch in Berufen ausserhalb des Informatikbereichs steigt. IT-Kenntnisse gewinnen durch die Digitalisierung somit an Bedeutung. Um mit dieser Entwicklung Schritt zu halten und die Arbeitsmarktchancen zu wahren, sind Erwerbst\u00e4tige auf IT-Weiterbildung angewiesen. Solche Weiterbildungen liegen nicht nur in der individuellen Verantwortung der einzelnen Arbeitnehmenden, sondern stellen auch eine gesellschaftliche Herausforderung dar. Die Sicherstellung von IT-Weiterbildungen sollte deshalb zwischen den verschiedenen arbeitsmarktlichen Interessenvertretern ausgehandelt werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> \u00a0\u00a0\u00a0 Eigene Berechnungen mit Daten des Stellenmarkt-Monitor Schweiz.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Zwei weitere Kategorien beinhalten zum einen <em>allgemeine<\/em> Verweise auf IT-Kompetenzen (z.B. IT-Kenntnisse, IT-Erfahrung) und zum anderen <em>sonstige<\/em> Verweise auf IT (z.B. IT-Firmen, IT-Peripherie oder IT-Hardware). Da diese Verweise keinen di\u00adrekten Bezug zu Kenntnissen f\u00fcr einzelne IT-Tools haben, werden diese beiden Kategorien in diesem Beitrag nicht ber\u00fccksichtigt.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Die Auswertungen beinhalten alle nicht-IT-Berufe einer m\u00f6glichst feingliedrigen Berufsstruktur mit 356 spezifischen Be\u00adrufstiteln. Da viele Berufe in den Stelleninseraten jedoch gar nie auftauchen, bestehen die Daten letztlich aus 185 Beru\u00adfen.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> \u00a0 Abbildung 2 bildet nur die drei Typen \u00abIT zur Steuerung von Unternehmen\u00bb, \u00abbran\u00adchen\u00adspezifische IT\u00bb und \u00abInhalt er\u00adzeugende und Inhalt ver\u00ad\u00e4ndern\u00adde IT\u00bb ab, weil Kompetenzen im Umgang mit \u00abEntwicklungs- und Sys\u00adtem-IT\u00bb und \u00abNetzwerk-IT\u00bb meist nur in IT-Berufen erforder\u00adlich sind und eher selten in Stelleninsera\u00adten f\u00fcr nicht-IT-Berufe vorkommen. Es gibt deshalb auch keine typischen nicht-IT-Berufe f\u00fcr diese beiden Typen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einleitung Die digitale Transformation der Wirtschaft, Arbeits- und Berufswelt ist ein besonders markanter Aspekt des sozi\u00ada\u00adlen Wandels in der Schweiz. 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