{"id":3216,"date":"2022-12-12T16:52:56","date_gmt":"2022-12-12T14:52:56","guid":{"rendered":"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/?p=3216"},"modified":"2024-08-27T14:38:32","modified_gmt":"2024-08-27T12:38:32","slug":"kulturverhalten-in-der-schweiz-dimensionen-und-entwicklungen-1976-2019","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/?p=3216","title":{"rendered":"Kulturverhalten in der Schweiz: Dimensionen und Entwicklungen 1976-2019"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Einleitung<\/h2>\n\n\n\n<p>Kulturelle Aktivit\u00e4ten, wie der Besuch von Kunstmuseen, das H\u00f6ren von Musik oder das Lesen von B\u00fcchern und die darauf basierenden kulturellen Lebensstile spielen in der soziologischen Fachdiskussion eine grosse Rolle. Sie werden hier nicht allein als \u201eharmlose\u201c Freizeitaktivit\u00e4ten betrachtet, sondern als sozial relevante Signale des sozialen Status und der sozialen Zugeh\u00f6rigkeit. Diese Signale produzieren ihrerseits Vorteile im Feld der Bildung, des Arbeitsmarktes, bei der Partnersuche, im Kn\u00fcpfen sozialer Beziehungen und in anderen gesellschaftlichen Feldern (R\u00f6ssel et al., 2017, f\u00fcr eine journalistische Darstellung Behrisch, 2021). Dies spiegelt sich auch in allt\u00e4glichen Wahrnehmungen und Bewertungen wieder: wenn wir bestimmte Sportarten oder Veranstaltungen als elit\u00e4r bezeichnen oder musikalische Genres stereotyp mit Altersgruppen verbinden, so wie Rap mit Jugendlichen und Klassik mit \u00e4lteren Semestern.<\/p>\n\n\n\n<p>Der klassische theoretische Bezugspunkt solcher Diskussionen ist die sogenannte Homologiethese von Pierre Bourdieu (1982). Damit ist eine \u00dcbereinstimmung (Homologie) zwischen den Dimensionen kulturellen Engagements und der Dimension des sozialen Status gemeint: Menschen mit hohem sozialen Status betreiben demnach vorwiegend hochkulturelle Aktivit\u00e4ten, z. B. das H\u00f6ren klassischer Musik oder den Besuch von Kunstausstellungen, w\u00e4hrend Menschen mit niedrigem sozialen Status eher an Inhalten der Popul\u00e4rkultur, wie Hollywoodfilmen oder Popmusik interessiert seien. Darauf basierende Untersuchungen wenden sich vornehmlich zwei Aspekten zu.<\/p>\n\n\n\n<p>Einerseits geht es um die Frage, welche Art von sozialem Status f\u00fcr die Kulturpartizipation eigentlich von Bedeutung ist. Bei Bourdieu stand vor allem die Frage nach dem Zusammenhang von Klassenzugeh\u00f6rigkeit und kulturellen Lebensstilen im Vordergrund. In der Diskussion \u00fcber die Homologiethese wurde von zahlreichen Autoren aber eingewandt, dass kulturelle Lebensstile auch durch Alter, Geschlecht und andere soziale Merkmale gepr\u00e4gt sein k\u00f6nnten (Katz-Gerro &amp; Sullivan, 2010; van Eijck &amp; Bargemann, 2004; R\u00f6ssel et al., 2017). Manche Diskussionsbeitr\u00e4ge behaupteten sogar, dass sich kulturelle Aktivit\u00e4ten von sozial pr\u00e4genden Merkmalen generell abgekoppelt h\u00e4tten. Hier wird h\u00e4ufig von der sogenannten Individualisierungsthese gesprochen, wonach kulturelle Lebensstile nicht mehr durch die Zugeh\u00f6rigkeit zu sozialen Klassen und Gruppen bestimmt seien, sondern letztlich individuell gepr\u00e4gt w\u00fcrden (Atkinson 2007, Beck 1991, van Eijck &amp; Bargeman, 2004; van Eijck &amp; Knulst, 2005). Es geht hier also letztlich um die Frage, in welchen sozialen Gruppen bestimmte kulturelle Aktivit\u00e4ten st\u00e4rker verbreitet sind und ob unsere Alltagszuschreibungen tats\u00e4chlich einen Realit\u00e4tsgehalt aufweisen.<\/p>\n\n\n\n<p>Zweitens wurde aber auch Bourdieus Vorstellung eines Raums der kulturellen Lebensstile, der durch einen Gegensatz zwischen hochkulturellen und popul\u00e4rkulturellen Aktivit\u00e4ten strukturiert ist, in Frage gestellt. Insbesondere Peterson und Kern (1996) haben die These aufgestellt, dass Personen mit hohem Status keineswegs vorwiegend hochkulturell interessiert seien. Sie zeichnen sich vielmehr durch eine besonders grosse Geschmacksbreite aus \u2013 sogenannte <em>cultural omnivores<\/em> oder \u00abkulturelle Allesfresser\u00bb -, die auch hochkulturelle Genres einschliesse. Diese m\u00f6gen zum Beispiel nicht nur klassische Musik und Oper, sondern auch verschiedene Arten von popul\u00e4rer Musik. Personen mit einem niedrigen sozialen Status w\u00fcrden sich demgegen\u00fcber durch ein eher eingeschr\u00e4nktes kulturelles Interesse auszeichnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Fokussiert die These von Peterson und Kern vor allem auf die Vielfalt von kulturellen Geschmacksvorlieben, z. B. im Musikgeschmack, hat die neuere Forschung st\u00e4rker die Breite des tats\u00e4chlichen kulturellen Engagements in den Blick genommen (J\u00e6ger &amp; Katz-Gerro, 2010; Roose et al., 2012; Weingartner &amp; R\u00f6ssel, 2019). Auch hier zeigt sich deutlich ein Gegensatz zwischen Personen, die generell eher wenig aktiv sind, mit der Ausnahme von Fernsehen und Radioh\u00f6ren, und Personen, die ein breites kulturelles Engagement in ganz unterschiedlichen Genres aufweisen. Hier vertreten manche Autoren auch die These, dass dieses breite kulturelle Engagement in der Regel auch hochkulturelle Aktivit\u00e4ten einschliesst (Coulangeon, 2013).<\/p>\n\n\n\n<p>Die f\u00fcr die Schweiz verf\u00fcgbaren Daten zeigen ein hohes kulturelles Engagement der Bev\u00f6lkerung, wobei nur wenige Aussagen \u00fcber die l\u00e4ngerfristige zeitliche Entwicklung gemacht werden k\u00f6nnen (BFS, 2020). Konzerte, Museen und Denkm\u00e4ler werden von fast drei Viertel der Bev\u00f6lkerung mindestens einmal im Jahr besucht. Dies ver\u00e4ndert sich auch im Zeitverlauf nur geringf\u00fcgig. Langfristig ist eine Ausweitung der kulturellen Aktivit\u00e4ten anzunehmen. Eigene kulturelle Aktivit\u00e4ten sind weniger verbreitet, aber immerhin zwischen 20 und 25 % der Bev\u00f6lkerung spielen Instrumente, Singen, sind gestalterisch t\u00e4tig oder fotografieren. Auch hier zeigt sich im Vergleich der beiden j\u00fcngsten Erhebungen des Bundesamtes f\u00fcr Statistik (2014 und 2019) keine gr\u00f6ssere Verschiebung, tendenziell aber ein Anstieg der Aktivit\u00e4t.<\/p>\n\n\n\n<p>Die beiden Fragen nach den zentralen Dimensionen kultureller Aktivit\u00e4ten und ihrer Verbreitung in bestimmten sozialstrukturellen Bev\u00f6lkerungsgruppen werden in der Regel auf der Basis von Daten untersucht, die nur f\u00fcr einen Zeitpunkt vorliegen. Insbesondere existieren kaum Untersuchungen, die auf l\u00e4nger zur\u00fcckliegende Daten zur\u00fcckgreifen. Es gibt nur wenige Studien, die im Zeitverlauf den Wandel der Bedeutung verschiedener Dimensionen des kulturellen Engagements und ihren statistischen Zusammenhang mit sozialstrukturellen Variablen wie beruflicher Position, Bildung, Geschlecht oder Alter untersuchen. Genau dieser Aufgabe widmet sich der vorliegende Beitrag, der den Wandel des kulturellen Engagements und seiner sozialstrukturellen Determinanten von 1976 bis 2019 in der Schweiz nachzeichnet. Im folgenden Abschnitt werden wir die drei verwendeten Datens\u00e4tze und die daraus verwendeten Variablen sowie die Analysemethoden erl\u00e4utern, bevor die Ergebnisse unserer Untersuchung dargestellt werden.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Daten<\/h2>\n\n\n\n<p>Zur Untersuchung des Wandels des kulturellen Engagements und seiner sozialstrukturellen Determinanten greifen wir auf drei Datenquellen zu vier Zeitpunkten zur\u00fcck: 1976, 1988, 2013 und 2019. F\u00fcr 1976 k\u00f6nnen wir die Befragung \u00ab Les comportements et la mobilit\u00e9 en la mati\u00e8re de loisirs et de vacances en Suisses \u00bb (N = 1066, Lalive d\u2019Epinay et al., 1982) verwenden. Im Jahr 1988 wurde ein Modul des Mikrozensus den Themen Freizeit und Kultur gewidmet (N = 45\u2019386, BfS 1990). F\u00fcr die Jahre 2013 und 2019 greifen wir auf die 15. und 21. Welle des Schweizer Haushaltspanels zur\u00fcck (2013 N = 6472, 2019 N = 7761, Vorpoostel et al., 2021). Obwohl sich die drei Befragungen f\u00fcr die vier Zeitpunkte in bestimmten Punkten unterscheiden, enthalten sie vergleichbare Angaben zu Kulturaktivit\u00e4ten. Um die Vergleichbarkeit der Stichproben zu gew\u00e4hrleisten, haben wir die ber\u00fccksichtigten F\u00e4lle auf Befragte im Alter zwischen 15 und 74 Jahren beschr\u00e4nkt (siehe Tabelle A.1 im Anhang).<\/p>\n\n\n\n<p>Alle Umfragen enthalten Informationen zu den kulturellen Aktivit\u00e4ten und den sozio-demographischen Merkmalen der Befragten. Um eine sinnvolle Analyse zu erm\u00f6glichen, m\u00fcssen allerdings vergleichbare Fragen zu den kulturellen Aktivit\u00e4ten herangezogen werden. Um dies zu gew\u00e4hrleisten, haben wir f\u00fcr jeden Zeitpunkt 12 \u00e4hnliche kulturelle Aktivit\u00e4ten ausgew\u00e4hlt, wobei sechs eher einem hochkulturellen Modell entsprechen (Aktivit\u00e4ten wie Theaterbesuch oder B\u00fccher lesen) und sechs eher der Popul\u00e4rkultur zuzurechnen sind (Aktivit\u00e4ten wie Diskothekenbesuch oder Fernsehen).<\/p>\n\n\n\n<p>Dar\u00fcber hinaus wurden sowohl f\u00fcr die hochkulturellen als auch die popul\u00e4rkulturellen Aktivit\u00e4ten je drei Formen des kulturellen Engagements ausgew\u00e4hlt, die typischerweise im h\u00e4uslichen Kontext bzw. im ausserh\u00e4uslichen Kontext stattfinden. Die ausgew\u00e4hlten Variablen sind, da es sich um unterschiedliche Befragungen handelt, nicht exakt identisch, aber sie \u00fcberschneiden sich so stark, dass ein sinnvoller Vergleich m\u00f6glich ist (siehe Tabelle 1). Um die Vergleichbarkeit der Auspr\u00e4gungen der Variablen zu gew\u00e4hrleisten, wurden diese einheitlich umkodiert.<sup><a id=\"post-3216-footnote-ref-2\" href=\"#post-3216-footnote-2\">[1]<\/a><\/sup> F\u00fcr jeden Befragungszeitspunkt wurden die kulturellen Aktivit\u00e4ten in drei Auspr\u00e4gungen erfasst: nie, selten und h\u00e4ufig.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir analysieren den Wandel der Dimensionen kultureller Aktivit\u00e4ten und ihrer sozialstrukturellen Determinanten mithilfe von drei verschiedenen statistischen Verfahren, die wir hier nur intuitiv erl\u00e4utern m\u00f6chten (siehe Weingartner &amp; R\u00f6ssel, 2019 f\u00fcr mehr Details). Erstens verwenden wir die Korrespondenzanalyse, die es erm\u00f6glicht, Beziehungen zwischen den kulturellen Aktivit\u00e4ten in einen mehrdimensionalen Raum zu projizieren. In diesem Raum finden sich Auspr\u00e4gungen der Variablen, die h\u00e4ufig gemeinsam bei denselben Personen auftreten, r\u00e4umlich nah beieinander, w\u00e4hrend Auspr\u00e4gungen, die selten zusammen bei denselben Personen auftreten, eine grosse r\u00e4umliche Distanz aufweisen. Wenn also Personen, die h\u00e4ufig ins Kino gehen, auch selten B\u00fccher lesen, dann sind diese beiden Auspr\u00e4gungen r\u00e4umlich nahe beieinander im Schaubild angesiedelt. Die Korrespondenzanalyse erm\u00f6glicht uns, die zentralen Dimensionen der kulturellen Aktivit\u00e4ten festzustellen. Diese Analyse wird f\u00fcr jeden Zeitpunkt unabh\u00e4ngig von den anderen Zeitpunkten durchgef\u00fchrt. Zweitens verwenden wir Clusteranalysen, um Gruppen von Personen mit \u00e4hnlichen kulturellen Aktivit\u00e4ten zu erfassen. Bei der Clusteranalyse geht es darum, Menschen mit \u00e4hnlichen Verhaltensweisen zu gruppieren. Schliesslich verwenden wir Regressionsanalysen, um zu bestimmen, ob die kulturellen Aktivit\u00e4tsmuster in bestimmten sozialen Gruppen h\u00e4ufiger oder seltener auftreten. Hier k\u00f6nnen wir feststellen, ob h\u00e4ufiges kulturelles Engagement etwa vom Alter oder der Bildung einer Person abh\u00e4ngig ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Tabelle 1: Messung des Kulturverhaltens in den vier Befragungen<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Tabelle_1.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"742\" src=\"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Tabelle_1-1024x742.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-3274\" srcset=\"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Tabelle_1-1024x742.png 1024w, https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Tabelle_1-300x217.png 300w, https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Tabelle_1-768x556.png 768w, https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Tabelle_1.png 1328w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Muster der kulturellen Partizipation im Wandel<\/h2>\n\n\n\n<p>Unser erstes Ergebnis beruht auf der Korrespondenzanalyse der kulturellen Aktivit\u00e4ten und ihres Wandels. Die Abbildung 1 zeigt, dass sich die kulturellen Aktivit\u00e4ten in jedem Untersuchungsjahr auf zwei Dimensionen abbilden lassen. Die erste und wichtigste Dimension (horizontale Dimension) differenziert die Befragten entlang der Breite und des Umfangs ihres kulturellen Engagements. Auf der linken Seite finden sich kulturell eher aktive Personen und auf der rechten Seite kulturell eher inaktive Personen. Dies kann exemplarisch an der Teilabbildung f\u00fcr 2019 demonstriert werden. Im rechten Teil der Abbildung finden sich vor allem Auspr\u00e4gungen von kulturellen Aktivit\u00e4ten, die nie ausge\u00fcbt werden (0), wie B\u00fccherlesen, Kino, Museum und Theater. Eine Ausnahme stellt, wie erwartet, das Fernsehen dar, bei denen die h\u00e4ufigen Auspr\u00e4gungen (2) tendenziell im rechten Teil der Abbildung liegen. Im linken Teil der Abbildung finden sich dagegen die h\u00e4ufigeren Auspr\u00e4gungen (1 und 2) von Aktivit\u00e4ten wie B\u00fccherlesen, Museen, Theater oder Clubs.<\/p>\n\n\n\n<p>Abbildung 1: Raum der Lebensstile in der Schweiz 1976, 1988, 2013 und 2019<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1222\" height=\"830\" src=\"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/chart-scatter-chart-description-automatically-ge.png\" alt=\"Chart, scatter chart\n\nDescription automatically generated\" class=\"wp-image-3225\" srcset=\"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/chart-scatter-chart-description-automatically-ge.png 1222w, https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/chart-scatter-chart-description-automatically-ge-300x204.png 300w, https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/chart-scatter-chart-description-automatically-ge-1024x696.png 1024w, https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/chart-scatter-chart-description-automatically-ge-768x522.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1222px) 100vw, 1222px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1222\" height=\"830\" src=\"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/chart-description-automatically-generated.png\" alt=\"Chart\n\nDescription automatically generated\" class=\"wp-image-3226\" srcset=\"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/chart-description-automatically-generated.png 1222w, https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/chart-description-automatically-generated-300x204.png 300w, https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/chart-description-automatically-generated-1024x696.png 1024w, https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/chart-description-automatically-generated-768x522.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1222px) 100vw, 1222px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1222\" height=\"830\" src=\"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/chart-radar-chart-description-automatically-gene.png\" alt=\"Chart, radar chart\n\nDescription automatically generated\" class=\"wp-image-3227\" srcset=\"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/chart-radar-chart-description-automatically-gene.png 1222w, https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/chart-radar-chart-description-automatically-gene-300x204.png 300w, https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/chart-radar-chart-description-automatically-gene-1024x696.png 1024w, https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/chart-radar-chart-description-automatically-gene-768x522.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1222px) 100vw, 1222px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-3228\" src=\"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/chart-scatter-chart-description-automatically-ge-1.png\" alt=\"Chart, scatter chart\n\nDescription automatically generated\" width=\"800\" height=\"543\" srcset=\"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/chart-scatter-chart-description-automatically-ge-1.png 1222w, https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/chart-scatter-chart-description-automatically-ge-1-300x204.png 300w, https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/chart-scatter-chart-description-automatically-ge-1-1024x696.png 1024w, https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/chart-scatter-chart-description-automatically-ge-1-768x522.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/> Die Abbildungen zeigen multiple Korrespondenzanalysen mit kulturellen Aktivit\u00e4ten als aktive Modalit\u00e4ten. Dargestellt werden nur einflussstarke Aktivit\u00e4ten (\u00fcberdurchschnittliche Kontribution). Die einzelnen Aktivit\u00e4ten k\u00f6nnen unterschiedlich h\u00e4ufig ausge\u00fcbt werden: 0 \u00abnie\u00bb, 1 \u00abab und zu\u00bb, 2 \u00abh\u00e4ufig\u00bb. Gestrichelte Linien haben keine inhaltliche Bedeutung, sondern dienen lediglich der Beschriftung einzelner Punkte.<\/p>\n\n\n\n<p>Als untergeordnete Dimension (vertikale Dimension der abgebildeten Abbildung) finden wir dagegen den Gegensatz zwischen den hochkulturellen und den popul\u00e4rkulturellen Aktivit\u00e4ten. W\u00e4hrend sich die eher der Hochkultur zurechenbaren Formen des kulturellen Engagements auf der unteren Seite der Abbildung befinden (Oper, klassische Konzerte, Museum), gilt f\u00fcr die popul\u00e4ren Aktivit\u00e4ten (Disco\/Clubs, Computerspiele, Sportveranstaltungen) genau das Gegenteil. Auf der unteren Seite der Darstellung finden sich auch vermehrt die sehr h\u00e4ufigen Formen des kulturellen Engagements: Menschen, die sich vor allem an der Hochkultur beteiligen, machen dies also besonders intensiv. An diesem Muster \u00e4ndert sich auch im Zeitverlauf wenig. Dies bedeutet, dass der Raum der kulturellen Lebensstile in der Schweiz zwischen 1976 und 2019 vor allem durch einen Gegensatz zwischen kulturell eher aktiven und kulturell eher inaktiven Menschen gepr\u00e4gt ist. Die Gegen\u00fcberstellung von Hochkultur und Popul\u00e4rkultur ist demgegen\u00fcber eher nachrangig, l\u00e4sst sich aber ebenfalls \u00fcber den kompletten Untersuchungszeitraum hinweg beobachten. Dennoch hat der von Bourdieu behauptete Gegensatz von Hoch- und Popul\u00e4rkultur die kulturellen Lebensstile in der Schweiz in den vergangenen vier Jahrzehnten nicht prim\u00e4r gepr\u00e4gt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Typen der kulturellen Beteiligung im Wandel<\/h2>\n\n\n\n<p>In einem zweiten Schritt wenden wir uns der Frage zu, welche kulturellen Aktivit\u00e4tsprofile man bei Menschen in der Schweiz feststellen kann? Dazu haben wir eine Clusteranalyse durchgef\u00fchrt, bei der Personen mit \u00e4hnlichen Auspr\u00e4gungen auf den beiden Dimensionen zusammen gruppiert werden. Gleichzeitig werden Personen mit unterschiedlichen Auspr\u00e4gungen verschiedenen Aktivit\u00e4tstypen zugeordnet. Wir konnten f\u00fcr jeden Zeitpunkt der Untersuchung drei Gruppen unterscheiden.<\/p>\n\n\n\n<p>Die erste dieser Gruppen haben wir als die \u00abInaktiven\u00bb bezeichnet, da sie sich kulturell, bis auf Radioh\u00f6ren und Fernsehen, kaum engagieren. Als zweite Gruppe k\u00f6nnen wir die \u00abHochkulturfans\u00bb ausmachen, die fast ausschliesslich und sehr h\u00e4ufig hochkulturelle Aktivit\u00e4ten wie klassische Musik h\u00f6ren, B\u00fccher lesen und Museumsbesuche aus\u00fcben. Und schliesslich l\u00e4sst sich eine Gruppe von sogenannten \u00abEklektikern\u00bb beobachten. Diese \u00fcben die einzelnen Aktivit\u00e4ten zwar weniger h\u00e4ufig aus, beteiligen sich daf\u00fcr aber sowohl im popul\u00e4rkulturellen als auch im hochkulturellen Bereich \u2013 man findet diese Personen also sowohl im Rockkonzert als auch in der Oper, in der Discothek und auch im Kunstmuseum. Diese Durchmischung entspricht am ehesten dem Profil, das Peterson und Kern (1996) als \u00abkulturelle Allesfresser\u00bb identifizieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Abbildung 2: Anteile der Konsummuster im Zeitverlauf<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"949\" height=\"700\" src=\"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/word-image-3216-5.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-3229\" srcset=\"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/word-image-3216-5.png 949w, https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/word-image-3216-5-300x221.png 300w, https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/word-image-3216-5-768x566.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 949px) 100vw, 949px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>In Abbildung 2 ist die Gr\u00f6sse dieser drei Gruppen im Zeitverlauf ersichtlich. Hier wird ein tiefgreifender Wandel der kulturellen Partizipation deutlich: W\u00e4hrend in den siebziger Jahren noch \u00fcber die H\u00e4lfte der Bev\u00f6lkerung zu den Inaktiven gerechnet werden konnte, macht diese Gruppe gegenw\u00e4rtig nur noch ein Drittel der Bev\u00f6lkerung aus. Die Schweizer Bev\u00f6lkerung ist also kulturell deutlich aktiver geworden. Insbesondere die Eklektiker steigern ihren Anteil kontinuierlich. Konnten in den siebziger Jahren weniger als 30% zu dieser Gruppe gerechnet werden, so sind dies gegenw\u00e4rtig fast 40%. Auch die Hochkulturfans steigern ihren Anteil an der Bev\u00f6lkerung, von etwa 12% in den siebziger Jahren bis hin zu nahezu 30% in der Gegenwart. Dementsprechend sind heute nahezu alle kulturellen Aktivit\u00e4ten st\u00e4rker verbreitet als noch in den 1970er Jahren. Besonders stark zugenommen haben Kino- und Museumsbesuche, aber auch das Lesen von B\u00fcchern. Als Zwischenfazit kann man festhalten, dass die Hauptdimensionen der kulturellen Partizipation von den 1970er Jahren bis in die Gegenwart konstant geblieben sind: Die Engagement-Dimension und die Hochkultur-Dimension pr\u00e4gen das Kulturverhalten der Schweizer Bev\u00f6lkerung. Aber die Gesamtaktivit\u00e4t und die Verteilung der kulturellen Aktivit\u00e4t auf Bev\u00f6lkerungsgruppen hat sich deutlich hin zu mehr kulturellem Engagement verschoben.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Unterschiede in der kulturellen Aktivit\u00e4t zwischen sozialen Gruppen<\/h2>\n\n\n\n<p>In einem letzten Schritt pr\u00fcfen wir, wie stark sich die Beteiligung an kulturellen Aktivit\u00e4ten zwischen verschiedenen sozialen Gruppen unterscheidet und ob sich diese Unterschiede im Zeitverlauf ver\u00e4ndert haben. Dabei fokussieren wir auf die beiden Hauptdimensionen der kulturellen Aktivit\u00e4t, die sich in der Korrespondenzanalyse ergeben haben: Die Engagement-Dimension und die Hochkultur-Dimension. Mithilfe von Regressionsmodellen berechnen wir, ob und wie stark kulturelle Partizipation durch bestimmte Merkmale beeinflusst wird. Wir haben Alter, Geschlecht, Bildungsstand, Berufsstatus, Staatsb\u00fcrgerschaft, Region und Konfession in ihrem Einfluss auf das Kulturverhalten betrachtet. Da Staatsb\u00fcrgerschaft, Region und Konfession nur einen vernachl\u00e4ssigbaren Einfluss haben, lassen wir sie in der grafischen Darstellung ausser Acht. In der Abbildung 3 (links) ist die partielle erkl\u00e4rte Varianz f\u00fcr die einzelnen Variablen angegeben. Diese gibt an, wie stark die jeweilige Dimension der kulturellen Aktivit\u00e4ten durch die jeweilige sozialstrukturelle Variable unter Kontrolle aller anderen Variablen gepr\u00e4gt ist. Wir k\u00f6nnen also untersuchen, ob bestimmte Aktivit\u00e4ten in bestimmten sozialen Gruppen h\u00e4ufiger oder seltener ausge\u00fcbt werden \u2013 und dies im Verlaufe der Zeit. Diese Ergebnisse machen deutlich, dass das generelle Ausmass des kulturellen Engagements vor allem durch den Bildungsstand und den Berufsstatus gepr\u00e4gt wird. W\u00e4hrend allerdings der Berufsstatus an Relevanz verliert, wird das kulturelle Engagement gegenw\u00e4rtig am st\u00e4rksten durch die Bildung bestimmt. Je h\u00f6her die Bildung, desto h\u00e4ufiger gehen die Menschen ins Kino, aber auch in die Oper und ins Museum. Nach Alter und Geschlecht gibt es dagegen kaum Unterschiede im Ausmass der kulturellen Aktivit\u00e4t.<\/p>\n\n\n\n<p>Abbildung 3: Erkl\u00e4rungskraft der Determinanten des kulturellen Engagements (links) und der Hochkulturpartizipation (rechts) im Zeitverlauf<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1321\" height=\"529\" src=\"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/word-image-3216-6.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-3230\" srcset=\"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/word-image-3216-6.png 1321w, https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/word-image-3216-6-300x120.png 300w, https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/word-image-3216-6-1024x410.png 1024w, https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/word-image-3216-6-768x308.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1321px) 100vw, 1321px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Betrachtet man nun Abbildung 3 (rechts), so wird deutlich, dass auch die Beteiligung an hochkulturellen Aktivit\u00e4ten bis heute durch sozialstrukturelle Gr\u00f6ssen gepr\u00e4gt wird. Auch hier ist keine Individualisierung zu erkennen. Allerdings l\u00e4sst sich eine klare Ver\u00e4nderung der sozialstrukturellen Bestimmungsgr\u00f6ssen feststellen. Die Beteiligung an der Hochkultur war in den siebziger Jahren durch Bildung, Berufsstatus und Geschlecht gepr\u00e4gt, wobei Menschen mit hoher Bildung und hohem Berufsstatus sowie Frauen h\u00e4ufiger in hochkulturellen Veranstaltungen zu finden waren. Dagegen ist heute an deren Stelle das Alter als prim\u00e4re Determinante getreten. Hochkultur ist also heute nicht mehr ausschliesslich eine Dom\u00e4ne der hochgebildeten Personen, sondern vor allem der \u00e4lteren Bev\u00f6lkerungsgruppen.<\/p>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">Schlussfolgerungen<\/h1>\n\n\n\n<p>In unserem Beitrag haben wir die zentralen Dimensionen des kulturellen Verhaltens in der Schweiz von den siebziger Jahren bis heute auf der Basis von drei unterschiedlichen Befragungen an vier Zeitpunkten untersucht. Unsere Auswertungen zeigen, dass die kulturellen Lebensstile in der Schweiz konstant durch zwei Dimensionen gepr\u00e4gt werden. Erstens die dominante Dimension des kulturellen Engagements: Es gibt Menschen, die st\u00e4rker kulturell aktiv sind als andere, und zwar unabh\u00e4ngig vom kulturellen Genre. Zweitens zeigt sich ein Gegensatz zwischen Hochkultur und Popul\u00e4rkultur, dieser ist allerdings etwas weniger von Bedeutung. Kulturelles Verhalten in der Schweiz war im betrachteten Untersuchungszeitraum nie prim\u00e4r durch den von Bourdieu behaupteten Gegensatz von Hoch- und Popul\u00e4rkultur gepr\u00e4gt \u2013 dieser Teil der Homologiethese trifft auf die Schweiz nicht zu. Neuere Studien zeigen vergleichbare Ergebnisse f\u00fcr andere L\u00e4nder wie Frankreich oder die Niederlande (Coulangeon, 2013; Roose et al., 2012).<\/p>\n\n\n\n<p>Wir k\u00f6nnen dar\u00fcber hinaus in der Schweiz drei Typen von Kulturnutzern unterschieden: die Inaktiven, die sich kaum kulturell beteiligen; die Eklektiker, die unterschiedliche Typen von kulturellen Aktivit\u00e4ten mischen; die Hochkulturfans, die sich vorwiegend hochkulturell engagieren, dies aber sehr intensiv. Zwischen 1976 und 2019 nahm der Anteil der Inaktiven an der Bev\u00f6lkerung drastisch ab, dagegen stiegen die Anteile von Eklektikern und Hochkulturfans. Die Schweizer Bev\u00f6lkerung wurde also kulturell aktiver. Den Hintergrund dieser Entwicklungen bildet der zunehmende Wohlstand sowie vor allem die Bildungsexpansion in der Schweiz (Becker &amp; Zangger, 2013; Weingartner &amp; R\u00f6ssel, 2019). Diese erh\u00f6ht tendenziell die Nachfrage nach kulturellen Angeboten, wenn auch nicht notwendigerweise nach hochkulturellen Veranstaltungen (DiMaggio &amp; Mukthar, 2004; van Eijck &amp; Knulst, 2005; Coulangeon, 2013). Dabei zeigt die bisherige Forschung, dass die Eintrittspreise nur einen kleinen Einfluss auf die Beteiligung der verschiedenen Bev\u00f6lkerungsgruppen an kulturellen Aktivit\u00e4ten haben (R\u00f6ssel et al., 2005).<\/p>\n\n\n\n<p>Schliesslich haben wir untersucht, ob sich die sozialstrukturellen Determinanten des kulturellen Verhaltens im Laufe des Untersuchungszeitraums ver\u00e4ndert haben. Hier ist vor allem festzuhalten, dass keine Individualisierung der kulturellen Lebensstile stattgefunden hat. Diese sind bis in die Gegenwart deutlich durch sozialstrukturelle Variablen gepr\u00e4gt. Allerdings haben gewisse Ver\u00e4nderungen stattgefunden. Das Ausmass des kulturellen Engagements wird zunehmend durch den Bildungsstand gepr\u00e4gt, w\u00e4hrend hochkulturelle Aktivit\u00e4ten immer st\u00e4rker durch das Alter bestimmt werden. Studien von Reuband \u00fcber das Opernpublikum deuten darauf hin, dass es sich hier um einen Generationeneffekt handeln k\u00f6nnte. Die Generation der 1968er, also in den 1940er und 1950er Jahren geborene Personen, scheint eine besonders starke N\u00e4he zur Hochkultur gehabt zu haben, die sich in den folgenden Generationen abgeschw\u00e4cht hat (Reuband, 2017). Eine Entkopplung von kulturellen Lebensstilen und sozialstrukturellen Gr\u00f6ssen hat jedoch nicht stattgefunden. Insofern trifft Bourdieus Homologiethese in dem Sinne weiter zu, dass kulturelle Aktivit\u00e4ten klar durch sozialstrukturelle Merkmale gepr\u00e4gt sind. Unsere allt\u00e4gliche Wahrnehmung, dass bestimmte kulturelle Aktivit\u00e4ten von bestimmten sozialen Gruppen h\u00e4ufiger ausge\u00fcbt werden, trifft also weiterhin zu. Ob diese kulturellen Aktivit\u00e4ten allerdings in der Schweiz auch als Eintrittskarten f\u00fcr das Bildungssystem, den Heiratsmarkt oder berufliche Karrieren fungieren, wie dies auch in der \u00f6ffentlichen Diskussion behauptet wird (Behrisch, 2021), muss zuk\u00fcnftigen Studien vorbehalten bleiben.<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li>F\u00fcr eine detaillierte Darstellung der methodischen Entscheidungen vgl. Weingartner\/R\u00f6ssel (2019). <a href=\"#post-3216-footnote-ref-2\">\u2191<\/a><\/li>\n<\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einleitung Kulturelle Aktivit\u00e4ten, wie der Besuch von Kunstmuseen, das H\u00f6ren von Musik oder das Lesen von B\u00fcchern und die darauf basierenden kulturellen Lebensstile spielen in der soziologischen Fachdiskussion eine grosse Rolle. Sie werden hier nicht allein als \u201eharmlose\u201c Freizeitaktivit\u00e4ten betrachtet, sondern als sozial relevante Signale des sozialen Status und der sozialen Zugeh\u00f6rigkeit. 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