{"id":333,"date":"2015-06-04T13:22:51","date_gmt":"2015-06-04T13:22:51","guid":{"rendered":"http:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/?p=333"},"modified":"2022-12-23T12:41:05","modified_gmt":"2022-12-23T10:41:05","slug":"eliten-in-der-schweiz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/?p=333","title":{"rendered":"Der Wandel der Eliten in der Schweiz"},"content":{"rendered":"<h2><strong>Einleitung&nbsp;: Die neue Unberechenbarkeit der Eliten? <\/strong><\/h2>\n<p>Die Entwicklung des schweizerischen Bundesstaates gr\u00fcnde auf der gegl\u00fcckten Zusammenarbeit der Eliten verschiedener Kulturen und gesellschaftlicher Sektoren. So interpretieren dem Land wohlgesinnte Beobachter die Erfolgsgeschichte Helvetiens im 20. Jahrhundert (Katzenstein 1985). In der Tat: dem allgegenw\u00e4rtigen Milizprinzip und der fehlenden Professionalisierung der politischen Eliten verdanken wir eine im Laufe des 20. Jahrhunderts zunehmend enge Verflechtung der \u00f6konomischen, administrativen und politischen Felder. Im Verbund mit der territorialen und gef\u00fchlten Kleinheit der Schweiz erwuchs daraus eine Elite, in der man sich dank unz\u00e4hliger Netzwerke gegenseitig kennt und wichtige Entscheide konsensbasiert zwischen Verb\u00e4nden, Parteien und der Verwaltung f\u00e4llt (Kriesi, 1980).<\/p>\n<p>Dieses g\u00fcnstige Urteil \u00fcber die schweizerischen Eliten \u2013 ihren engen Zusammenhalt, die kurzen Entscheidungswege und ihren regen Informationsaustausch \u2013 konnte sich lange halten. Doch in den letzten Jahren verschafft sich Argwohn gegen\u00fcber der starken Machtkonzentration Geh\u00f6r. Begriffe wie \u201eFilz\u201c oder \u201eClasse politique\u201c werden nicht mehr nur, wie in der Vergangenheit, von kritischen Medien oder Intellektuellen verwendet. Sie geh\u00f6ren mittlerweile zum Vokabular von Teilen der Elite selber (Wittmann 2002; Parma, 2007) und ihre Omnipr\u00e4senz kann als Hinweis daf\u00fcr gelten, dass die Dinge in Fluss geraten sind. Diese Indizien f\u00fcr einen Umbruch aufnehmend, diagnostizieren die drei Journalisten Matthias Daum, Ralph P\u00f6hner und Peer Teuwsen in ihrem Buch \u201eWer regiert die Schweiz?\u201c (2014) eine neue Unberechenbarkeit der schweizerischen Elite. Sie zeigen auf, wie schwierig es mittlerweile selbst f\u00fcr Kenner der Verh\u00e4ltnisse ist, eine eindeutige, die Schweiz regierende Fraktion zu identifizieren. Allerdings ist ihr Buch nicht nur sehr anekdotisch angelegt, sondern auch falsch aufgez\u00e4umt, um den j\u00fcngsten Ver\u00e4nderungen der schweizerischen Eliten analytisch Herr zu werden. Die Autoren konzentrieren sich in erster Linie auf die <em>politischen<\/em> Eliten und Machtprozesse. Die gegenw\u00e4rtigen Ver\u00e4nderungen hingegen wurzeln in der Finanzialisierung der <em>Wirtschaft<\/em>. Sie entstanden als Folge der Internationalisierung der wirtschaftlichen F\u00fchrungskr\u00e4fte und der sich daraus ergebenden Aufl\u00f6sung der Elitekoordination, wie sie f\u00fcr die Schweiz des 20. Jahrhunderts so typisch waren.<\/p>\n<p>In diesem Artikel zeigen wir wie die Schweizer Eliten, sich eine h\u00f6chst selektive sozio-\u00f6konomische Zusammensetzung zu Nutze machend, sich in der Zwischenkriegszeit zu einem soliden Gef\u00fcge verschweisst haben. Wir diskutieren dann wie und warum sich diese in den letzten dreissig Jahren vom wirtschaftlichen Sektor ausgehend l\u00f6sten, in eine un\u00fcbersichtliche \u00dcbergangsphase m\u00fcndeten und wo sich am ehesten die Keime f\u00fcr eine neue Machtelite entdecken lassen.<\/p>\n<h2><\/h2>\n<h2><strong>Definitionen, Daten und Methoden <\/strong><\/h2>\n<p>Als Eliten definieren wir soziale Gruppen, die aufgrund ihrer Positionen oder Ressourcen in der Lage sind die Entwicklung einer Gesellschaft zu beeinflussen oder f\u00fcr sie richtungsweisende Entscheidungen zu treffen (Hartmann, 2007: 17). Macht- und konflikttheoretische Forscher gehen von einer <em>einzigen, sph\u00e4ren\u00fcbergreifenden Elite<\/em> aus (Mills, 1956): Diese entstamme den herrschenden Klassen, pflege eine gemeinsame Ideologie und verf\u00fcge \u00fcber tief- und weitreichenden Einfluss auf die Gesellschaft. Funktionalistische Theoretiker behaupten hingegen, in den westlichen Gesellschaften h\u00e4tten sich <em>mehrere, miteinander konkurrierende<\/em> Eliten herausgebildet (Keller, 1963). Diese w\u00fcrden aufgrund ihrer Leistungen rekrutiert, tauschten sich kaum aus, seien schwerlich \u00fcber einen gemeinsamen Lebensstil zu identifizieren. Zudem sei ihr Machtradius eingeschr\u00e4nkt. Die j\u00fcngste Eliteforschung geht davon aus, dass sich in keinem europ\u00e4ischen Land des ausgehenden 20. Jahrhunderts eine der Varianten in Reinform durchgesetzt hat (Hartmann, 2007). Wie sich die beiden Modelle in einer Gesellschaft konkret mischen, bleibt eine empirische Frage.<\/p>\n<p>Um sie zu beantworten und die Beziehungen zwischen den Eliten in der Schweiz empirisch zu fassen, st\u00fctzen wir uns auf eine Datenbank von \u00fcber 20&#8217;000 Eintr\u00e4gen zu Mitgliedern der politischen, \u00f6konomischen und administrativen Elite[1]. Diese Personen wurden aufgrund ihrer institutionellen Positionen in den Jahren 1910, 1937, 1957, 1980, 2000 und 2010 ausgew\u00e4hlt (siehe den Kasten \u201eDie Datenbank zur Erforschung der Schweizer Eliten\u201c am Ende des Artikels).<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/Tab_1.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-471\" src=\"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/Tab_1.png\" alt=\"Tab_1\" width=\"696\" height=\"163\" srcset=\"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/Tab_1.png 696w, https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/Tab_1-300x70.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 696px) 100vw, 696px\" \/><\/a><\/p>\n<h2>Der soziale Sockel der Schweizer Eliten<\/h2>\n<p>In popul\u00e4ren Thesen wird behauptet, der Zugang zu den Schweizer Eliten sei analog zur direkten Demokratie besonders offen, demokratisch und leistungsbasiert. Unsere Daten hingegen lassen auf ruppige Klassen- und Geschlechterhierarchien schliessen (Levy et al., 1997). Die Portale zu den Schweizer Eliten sind h\u00f6chst selektiv. Sie setzen ein m\u00e4nnliches Geschlecht, ein wohlhabendes Elternhaus, ein akademisches Studium und die Schweizer Nationalit\u00e4t voraus. Diese Kriterien bilden seit Beginn des 20. Jahrhunderts das Fundament f\u00fcr den Zusammenhalt der Schweizer Eliten.<\/p>\n<p>Schweizer Elitenetzwerke bauen auf m\u00e4nnliche Formen der Geselligkeit. Bis in die 1980er Jahren blieb Frauen der Zugang zu Elitepositionen rigoros verstellt. Erst seit 30 Jahren k\u00f6nnen wir einen bescheidenen Anstieg des Frauenanteils beobachten.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/Tab_2.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-475\" src=\"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/Tab_2.png\" alt=\"Tab_2\" width=\"694\" height=\"151\" srcset=\"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/Tab_2.png 694w, https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/Tab_2-300x65.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 694px) 100vw, 694px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Am st\u00e4rksten manifestiert sich dieser in der plebiszit\u00e4r funktionierenden Politik. In den Verwaltungs- und Wirtschaftseliten wo eine kleine, homogene Gruppe von M\u00e4nnern die Auswahl ohne Transparenz und demokratische Kontrolle trifft, ist die Frauenquote mit 18%, bzw. 10% immer noch sehr bescheiden. Wir k\u00f6nnen deshalb davon ausgehen, dass auf M\u00e4nnlichkeit basierende Bindekr\u00e4fte lange Zeit sehr gut funktionierten und lediglich in den letzten Jahren aufgeweicht wurden.<\/p>\n<p>Aufgrund der (gerade im europ\u00e4ischen Vergleich) l\u00fcckenhaften Datensituation, wissen wir zur <em>sozialen Herkunft<\/em> der Schweizer Eliten am wenigsten. In einer der wenigen aktuellen Studien, beruhend auf Daten aus den fr\u00fchen 1990er Jahren, zeigen Rothb\u00f6ck et al. (1999), dass die V\u00e4ter der Mitglieder von politischen und wirtschaftlichen Eliten einen im Vergleich zur Gesamtbev\u00f6lkerung deutlich h\u00f6heren Berufsstatus haben und l\u00e4nger in Ausbildung waren. Insbesondere die akademische Ausbildung fungiert in der Schweiz als neuralgische H\u00fcrde f\u00fcr die Aufnahme in Elitepositionen. Einem historischen Trend in der Gesamtbev\u00f6lkerung folgend, besitzen zwar immer mehr Elitemitglieder eine universit\u00e4re Ausbildung. Die Anteile von Akademikern variieren allerdings je nach Elitensph\u00e4re (Tabelle 3).<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/Tab_3.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-476\" src=\"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/Tab_3.png\" alt=\"Tab_3\" width=\"716\" height=\"143\" srcset=\"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/Tab_3.png 716w, https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/Tab_3-300x59.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 716px) 100vw, 716px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Insbesondere in den Spitzenpositionen der Verwaltung ist die Ratio der Akademiker traditionell hoch. Aber auch in der Wirtschaftselite stieg deren Anteil j\u00fcngst auf mehr als 85%, w\u00e4hrend der Anteil von Parlamentariern ohne akademische Ausbildung bis heute relativ hoch bleibt. Dies nicht zuletzt als Folge von Verschiebungen innerhalb der Parteien und des Aufstiegs der SVP: 1980 sind 45.2 % der sozialdemokratischen Bundesparlamentarier ohne universit\u00e4re Ausbildung, im Jahr 2000 nur noch 17.2%. Umgekehrt verh\u00e4lt es sich mit der SVP. W\u00e4hrend 1980 lediglich 39.3% ohne akademischen Titel sind, so steigt dieser Anteil 2000 auf 64.7% (Pilotti et al., 2010).<\/p>\n<p>Ein weiteres soziales Einschlussprinzip wurde ab den 1920er Jahren die Nationalit\u00e4t. W\u00e4hrend die schweizerischen Wirtschaftseliten (und beispielsweise auch die akademischen Eliten) zu Beginn des 20. Jahrhunderts von einer grossen Deutschen Fraktion gepr\u00e4gt waren, so setzte als Teil der \u00dcberfremdungspolitik nach dem ersten Weltkrieg ein Nationalisierungsprozess der Eliten ein, der zugleich ihr soziales Fundament f\u00fcr die kommenden Jahre komplettieren sollte. Auf diesem relativ homogenen Sockel bauten die schweizerischen Eliten in der Zwischenkriegszeit ein System von Koordinationsmechanismen, welches als sogenannter \u201eFilz\u201c Ber\u00fchmtheit erlangen wird (Wittmann, 2002).<\/p>\n<h2><\/h2>\n<h2>Die Verflechtungen der Schweizer Eliten<\/h2>\n<p>Um wichtige Entscheidungen durchzusetzen bauen Eliten nicht nur auf gemeinsame Herkunft und Ausbildung. Sie tauschen sich auch kontinuierlich \u00fcber ihre Konzepte und Strategien aus (Mills, 1956; Hartmann, 2007). Sich die sozio-demographischen Gemeinsamkeiten zu Nutze machend, konstruierten die Schweizer Eliten in der Zwischenkriegszeit deshalb ein ausgekl\u00fcgeltes Koordinationssystem: sie brachten ihren Denkstil und ihr konzeptuelles R\u00fcstzeug \u00fcber ein gemeinsames Jura-Studium in Einklang; sie schufen und nutzten institutionelle Begegnungsr\u00e4ume f\u00fcr den regelm\u00e4ssigen pers\u00f6nlichen Austausch und brachten systematisch Pers\u00f6nlichkeiten hervor, die in zwei oder mehr Elitesph\u00e4ren gleichzeitig pr\u00e4sent waren.<\/p>\n<p>Nicht wie vielfach vermutet die Universit\u00e4t St. Gallen, sondern die f\u00fchrenden rechtswissenschaftlichen Fakult\u00e4ten der Universit\u00e4ten Z\u00fcrich und Bern bildeten die Schweizer Eliten im 20. Jahrhundert aus. Hier studierten nicht nur Spitzenbeamte der Bundesverwaltung. Auch k\u00fcnftige Bankdirektoren und viele Parlamentarierinnen durchliefen diese einheitliche Kaderschulung. 1957 beispielsweise hatten 22.9% der Wirtschaftsf\u00fchrer, 30.2% der Parlamentarier und gar 36% der Spitzenbeamten einen rechtswissenschaftlichen Abschluss. Auch wenn ihnen ein dem rechtswissenschaftlichen Studium vergleichbarer Status verwehrt blieb, so funktionierten auch die technischen Ausbildungsg\u00e4nge an der ETH Z\u00fcrich als Eliteschmiede. Insbesondere die Manager der Maschinenindustrie, aber auch viele administrative und politische Verantwortungstr\u00e4ger studierten an der ETH.<\/p>\n<p>Institutionalisierte Begegnungsr\u00e4ume, in denen man ungezwungen Ideen austauschen und diskutieren oder sich \u00fcber gemeinsame Aufgaben kennenlernen kann, sind ein zweiter wichtiger Aspekt der Elitekoordination. \u201e<em>F\u00fcr die M\u00e4nner meiner Generation war der Generalstab wie ein Managementkurs<\/em>\u201c meinte beispielsweise Philippe de Weck, ein ehemaliger Generaldirektor der UBS[5]. Er verweist damit auch auf die Schaffung eines einheitlichen Denk- und F\u00fchrungsstils der Eliten \u00fcber eine gemeinsame Pr\u00e4gung in der Armee.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/Tab_4.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-474\" src=\"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/Tab_4.png\" alt=\"Tab_4\" width=\"717\" height=\"142\" srcset=\"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/Tab_4.png 717w, https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/Tab_4-300x59.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 717px) 100vw, 717px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Seit Mitte der 1930er Jahre ist der Anteil der Offiziere unter den Elitemitgliedern konstant hoch (Jann, 2003). Mit \u00fcber 50% ist er bei den Verwaltungseliten am h\u00f6chsten; aber auch die Wirtschaftseliten mit durchschnittlich 45% Offizieren oder die politischen Eliten mit Werten zwischen 35 und 42% sind \u00fcberproportional gut vertreten. Zum Vergleich: lediglich 2% aller Schweizer M\u00e4nner haben 1980 den Rang eines Offiziers.<\/p>\n<p>Drittens ist das auf zivilgesellschaftliches Engagement ausgelegte und politisch nur schwach professionalisierte System der Schweiz gepr\u00e4gt von Personen, die Positionen in mehreren gesellschaftlichen Feldern besetzen. 1957, zur Bl\u00fctezeit des traditionellen Elitedispositives, sassen beispielsweise 43% (105 von 242) der Parlamentarier in mindestens einer, viele auch in mehreren ausserparlamentarischen Kommissionen. 19.5% (47 von 242) hielten ein Mandat im Verwaltungsrat eines der 110 wichtigsten Unternehmen; und 20 von 242 (also 8.5%) waren gleichzeitig im Vorstand eines der sieben Spitzenverb\u00e4nde. Umgekehrt besetzten 24 der 215 (11%) Top-Manager ein politisches Amt in der Bundesversammlung oder in einer kantonalen Exekutive; 27% derselben Topmanager waren in einem Vorstand eines wirtschaftlichen Interessenverbandes und gar 95 von 215, also 44% der Wirtschaftsf\u00fchrer, sassen in einer ausserparlamentarischen Kommission und nahmen also prominent an jener \u2013 zugleich entscheidenden und der demokratischen Kontrolle entzogenen \u2013 Phase des parlamentarischen Prozesses teil.<\/p>\n<p>\u00c4hnlich wichtig wie die Koordination <em>zwischen<\/em> Politik, Wirtschaft und Verwaltung war die Abstimmung <em>innerhalb<\/em> der Wirtschaftseliten. Die um die Jahrhundertwende gegr\u00fcndeten Wirtschaftsverb\u00e4nde wurden in der Zwischenkriegszeit enger in die Wirtschaftspolitik eingebunden (Eichenberger &amp; Mach, 2011). Die Wirtschaftsf\u00fchrer, nun oft Vorstandsmitglieder dieser Verb\u00e4nde, standen fortan in engem Austausch mit der Bundesverwaltung und wurden im Rahmen des Vernehmlassungsverfahrens zu allen wichtigen wirtschaftspolitischen Fragen konsultiert. Nicht zuletzt nahmen sie als zentrale Akteure an der schweizerischen Referendums- und Initiativdemokratie teil.<\/p>\n<p>Zus\u00e4tzlich entstanden durch die gegenseitige Beteiligung in Verwaltungsr\u00e4ten auch neue Netzwerke zwischen den Firmen. In diesen Netzwerken tauschten die Unternehmen Informationen aus, erarbeiteten gemeinsame Strategien und trugen Konflikte abseits staatlicher Einmischung aus. In der ersten H\u00e4lfte des 20. Jahrhunderts hat sich dieses Netzwerk der Schweizer Unternehmen stark verdichtet (Ginalski et al., 2015).<\/p>\n<p><strong>Graphik1: Vernetzung der Verwaltungsr\u00e4te der 110 wichtigsten Schweizer Unternehmen 1957<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/Graphik-1.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-350 size-full\" src=\"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/Graphik-1.png\" alt=\"Graphik 1\" width=\"981\" height=\"656\"><\/a><\/p>\n<p><strong>Legende<\/strong>: die grauen Linien entsprechen gemeinsamen Verwaltungsr\u00e4ten; je dicker die Linien, desto mehr Verwaltungsr\u00e4te wirken in zwei Unternehmen mit. Dunkelgraue Punkte: Banken; weisse Punkte: restliche Unternehmen; die Gr\u00f6sse der Punkte entspricht ihrer Zentralit\u00e4t (Anzahl Verbindungen) im Netzwerk.<\/p>\n<p>Die Anzahl durch Austausch von Verwaltungsr\u00e4ten verkn\u00fcpfter Firmen hielt sich bis in die 1980er Jahre auf hohem Niveau. 20 \u2013 25% der Verwaltungsr\u00e4te der 110 wichtigsten Unternehmen nahmen zwischen 1937 und 1980 Einsitz in mindestens zwei Unternehmen, zwischen 7 &#8211; 10% wirkten in drei oder mehr Verwaltungsr\u00e4ten mit. Prominente Bankiers wie Fritz Richner oder Robert Holzach hielten im Jahr 1957, respektive 1980 gar bis zu 10 Verwaltungsratsmandate gleichzeitig.<\/p>\n<h2><\/h2>\n<h2><strong>Die wirtschaftlich bedingte Ausd\u00fcnnung der Elitenetzwerke<\/strong><\/h2>\n<p>Ende der 1980er Jahre gab es erste Risse im Gef\u00fcge der schweizerischen Eliten, ausgehend vom wirtschaftlichen Feld. Neue Management-Prinzipien, die Finanzialisierung der Weltwirtschaft und die Europ\u00e4isierung ver\u00e4nderten die Zusammensetzung der Schweizer Wirtschaftseliten grundlegend und f\u00fchrten zur Lockerung der Verbindungen zwischen den wirtschaftlichen, politischen und administrativen Eliten.<\/p>\n<p>Befeuert durch den Ansatz des Shareholder Value Managements und die Opportunit\u00e4ten eines liberalisierten Finanzmarktes, begannen die Unternehmen ihre Funktionsweise radikal zu ver\u00e4ndern. Weil die Industrieunternehmen zunehmend von kreditbasierter Finanzierung abr\u00fcckten und sich fortan verst\u00e4rkt \u00fcber die Finanzm\u00e4rkte finanzierten, ben\u00f6tigten die Banken kein ausgekl\u00fcgeltes Monitoring System mehr. Als Folge nahmen die Unternehmensverkn\u00fcpfungen mittels Austausch von Verwaltungsr\u00e4ten seit den 1990er Jahren stark ab. 2010 haben sich kaum noch Firmenchefs gegenseitig in ihren Verwaltungsr\u00e4ten getroffen. Das Netzwerk hat sich aufgel\u00f6st. Fast ein Viertel der 110 wichtigsten Schweizer Unternehmen hat 2010 keinerlei Verwaltungsratsverbindungen zu anderen Unternehmen; 1980 waren lediglich 6% der Unternehmen in dieser Art isoliert (David et al., 2015; Ginalski et al., 2015).<\/p>\n<p><strong>Graphik 2: Vernetzung der Verwaltungsr\u00e4te der 110 wichtigsten Schweizer Unternehmen 2010<\/strong><\/p>\n<p><strong>&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/Graphik-2.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-351 size-full\" src=\"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/Graphik-2.png\" alt=\"Graphik 2\" width=\"981\" height=\"521\"><\/a><\/strong><\/p>\n<p><strong>&nbsp;Legende<\/strong>: die grauen Linien entsprechen gemeinsamen Verwaltungsr\u00e4ten; je dicker die Linien, desto mehr Verwaltungsr\u00e4te wirken in zwei Unternehmen mit. Dunkelgraue Punkte: Banken; weisse Punkte: restliche Unternehmen; die Gr\u00f6sse der Punkte entspricht ihrer Zentralit\u00e4t (Anzahl Verbindungen) im Netzwerk.<\/p>\n<p>Zweitens hat sich die schweizerische Wirtschaftswelt, angetrieben durch die Europ\u00e4ische Integration, zwischen 1980 und 2010 drastisch internationalisiert.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/Tab_5.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-472\" src=\"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/Tab_5.png\" alt=\"Tab_5\" width=\"696\" height=\"160\" srcset=\"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/Tab_5.png 696w, https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/Tab_5-300x68.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 696px) 100vw, 696px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Bis ins Jahr 2000 haben sich die Manager der schweizerischen Unternehmen <em>europ\u00e4isiert<\/em>; erst nach der Jahrtausendwende auch <em>globalisiert<\/em>. Im Jahr 2010 sind nur noch knapp zwei Drittel der Top-Manager der 110 wichtigsten helvetischen Unternehmen Schweizer<sup><sup>[7]<\/sup><\/sup>. Die dominierenden multinationalen Unternehmen \u2013 Novartis, ABB, Nestl\u00e9, Credit Suisse oder UBS \u2013 werden ausschliesslich von globalen Managern geleitet. Deren Ausbildungs- und Karriereprofil hebt sich zum Teil deutlich von demjenigen der traditionellen schweizerischen Wirtschaftseliten ab. Sie bleiben h\u00e4ufig ausgesperrt \u2013 oder suchen gar nicht Einlass \u2013 in den mittels Nationalit\u00e4t und Kooptation abgeschirmten Austauschr\u00e4umen der Schweizer Eliten.<\/p>\n<p>Noch st\u00e4rker als innerhalb der Wirtschaftselite \u00f6ffnet sich aber die Kluft zwischen internationalen Wirtschaftseliten und den immer noch sehr national orientierten Verwaltungs- und Politikeliten. Gerade auch weil die pointiert nationalistische Symbolpolitik der zur gr\u00f6ssten Partei aufgestiegenen SVP die parlamentarische Agenda zu f\u00e4rben beginnt.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/Tab_6.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-473\" src=\"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/Tab_6.png\" alt=\"Tab_6\" width=\"688\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/Tab_6.png 688w, https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/Tab_6-300x87.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 688px) 100vw, 688px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Nur noch 3.4% (28) aller Verwaltungsr\u00e4te der 110 wichtigsten Unternehmen nehmen 2010 unter der Bundeskuppel Platz, w\u00e4hrend es dreissig Jahre vorher noch fast 11% (91) waren. Auch die Teilnahme an ausserparlamentarischen Kommissionen nimmt bei Wirtschaftsf\u00fchrern rapide ab. Lediglich Mandate an der Spitze von Wirtschaftsverb\u00e4nden sind bei den Schweizer Top-Managern immer noch begehrt.<\/p>\n<p>Die Entflechtung der Eliten ist jedoch nicht allein auf den sich vergr\u00f6ssernden Anteil ausl\u00e4ndischer Manager zur\u00fcckzuf\u00fchren. Im Zuge der Internationalisierung ver\u00e4nderten auch die Schweizer Spitzenmanager ihr Profil. Sie sind selber (noch) internationaler geworden und tauschen sich nur noch vereinzelt an den traditionellen Treffpunkten der Schweizer Eliten aus. Leicht angepasst haben sich auch die politischen und administrativen Eliten: w\u00e4hrend beispielsweise 1957 oder 1980 noch \u00fcber 60% der Schweizer Spitzenbeamten Offiziere der Schweizer Armee waren, sind es im Jahr 2010 nur noch 42%. Auch die Rechtswissenschaften verlieren ihre Bedeutung als intellektuelles Bindemittel der Schweizer Eliten rapide: hatten 1980 noch 44% der Verwaltungseliten, bzw. 29.5% der Wirtschaftseliten Recht studiert, reduzieren sich diese Zahlen 2010 auf 31.5% in der Verwaltung und rund 15% in der Wirtschaft.<\/p>\n<h2><\/h2>\n<h2><strong>Schlussfolgerung&nbsp;: Welche neuen Elitefraktionen dr\u00e4ngen an die Macht? <\/strong><\/h2>\n<p>Das in der Zwischenkriegszeit entstandene Geflecht der Schweizer Eliten hat sich in den 1990er und 2000er Jahren stark ausged\u00fcnnt. Die Eliten der verschiedenen gesellschaftlichen Sph\u00e4ren haben sich entflochten. Vermehrt k\u00fcmmern sich Schweizer Parlamentarier hauptberuflich um ihr politisches Mandat. Die Direktoren von Schweizer Grossfirmen definieren sich als Manager. Kontaktpflege mit anderen gesellschaftlichen Akteuren z\u00e4hlen f\u00fcr sie nicht mehr zu den Priorit\u00e4ten \u2013 zumindest nicht mehr auf Schweizer Ebene.<\/p>\n<p>Die gegenw\u00e4rtige Phase ist eine Phase des \u00dcbergangs. Das alte Regime ist dahingeschmolzen, aber noch nicht von einem neuen ersetzt worden. Typischerweise entbrennen in solchen \u00dcbergangsphasen K\u00e4mpfe zwischen Platzhaltern und Herausforderern, die Situation wird un\u00fcbersichtlich (Daum et al., 2014). Doch wer strebt in den politischen und wirtschaftlichen Arenen an die Macht? Im politischen Feld hat das Parlament an Relevanz gewonnen, den Debatten fehlt es j\u00fcngst nicht an politischem Pfeffer (Sciarini, 2014). Zugleich konnten sich die Exponenten der schweizerischen Volkspartei immer mehr durchsetzen und trugen so zum Niedergang der FDP bei, der emblematischen Partei des alten Filzes. Im wirtschaftlichen Feld ist die Dynamik grundverschieden: hier haben sich in den 2000er Jahren globalisierte Manager an der Spitze festgesetzt, besonders in den multinationalen Unternehmen (denken wir an Joe Jimenez, Joe Hogan, Oswald Gr\u00fcbel, Brady Dougan oder Tidjane Thiam). Diese Manager bestechen durch die Internationalit\u00e4t ihrer Karrieren; ihr Bezug zur Schweiz ist eher oberfl\u00e4chlich. Fazit: die politischen und \u00f6konomischen Gewinner k\u00f6nnten einander nicht un\u00e4hnlicher sein. Es scheint, als w\u00fcrden sie sich in zwei nicht kommunizierenden Universen entwickeln: hier die heimatselige, allem ausl\u00e4ndischen und akademischen abholde SVP; dort die hyperglobalisierten, kosmopolitischen Top-Manager, geschult an den weltweit erlesensten Business Schools.<\/p>\n<p>Allerdings w\u00e4re es verfehlt, eine Koalition der Gewinner auszuschliessen. Zum einen reift innerhalb der SVP eine sogenannt akademische Fraktion heran, die bez\u00fcglich Internationalit\u00e4t durchaus originelle, so gar nicht ans \u201ePuurezmorge\u201c gemahnende Positionen vertritt. Hans Geiger, Roger K\u00f6ppel, Thomas Matter und \u2013 ja \u2013 auch Christoph Blocher sind zwar gegen eine europ\u00e4ische Integration, aber nicht gegen Internationalit\u00e4t per se. Im Gegenteil reden sie einer erstaunlich scharfen Globalisierung das Wort \u2013 vorausgesetzt, die Unabh\u00e4ngigkeit der Schweiz bleibt dabei gew\u00e4hrleistet und der Zustrom von ausl\u00e4ndischen Einwanderern wird rigide beschr\u00e4nkt. Statt der Einordnung ins Europ\u00e4ische Projekt erstreben sie einen gezielten Ausbau der Beziehungen zu China oder den USA. Zum anderen ist nicht auszuschliessen, dass die Spitzenmanager in naher Zukunft wieder an nationaler Bodenhaftung gewinnen und einen engeren Bezug zur schweizerischen Politik- und Verwaltungslandschaft suchen. H\u00fcten wir uns davor, die Entwicklungen dieser Tage ohne statistische Erdung zu verschreien. Dennoch scheint uns klar: die k\u00fcnftige Eliteforschung in der Schweiz muss genau diese siegreichen Fraktionen und ihre Beziehungen zu einander in den Blick nehmen. Denn warum auch sollten die neuen Machthaber nicht versuchen, ihren Einfluss \u00fcber neue Bindekr\u00e4fte zu stabilisieren und zu verteidigen?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>[1]<a href=\"http:\/\/www.unil.ch\/obelis\">http:\/\/www.unil.ch\/obelis<\/a>. In einem erg\u00e4nzenden Projekt untersuchen wir aktuell auch die akademischen Eliten.<\/p>\n<p>[2]Wenn wir uns nur auf die CEOs, die Verwaltungsratspr\u00e4sidenten und die Verwaltungsratsdelegierte konzentrieren, ergeben sich folgende Zahlen: 1910 \u2013 211; 1937 \u2013 218; 257 \u2013 215; 1980 \u2013 186; 2000 \u2013 186; 2010 &#8211; 200.<\/p>\n<p>[3]Um auf die Zahl der Parlamentarier zu kommen m\u00fcssen jeweils die 7 Bundesr\u00e4te abgezogen werden.<\/p>\n<p>[4]Es handelt sich hier um die Elitemitglieder die mit Sicherheit keine akademische Ausbildung haben. Die restlichen Personen besitzen entweder einen Universit\u00e4tsabschluss oder aber die Daten zu ihrem Bildungsabschluss fehlen.<\/p>\n<p>[5]Philipp de Weck (1983). <em>Un Banquier suisse parle. Entretiens avec Fran\u00e7ois Gross<\/em>. Fribourg: Michel, p. 14-15.<\/p>\n<p>[6]Nur CEOs und Verwaltungsratspr\u00e4sidenten<\/p>\n<p>[7]Nimmt man die 30 gr\u00f6ssten, 2010 an der B\u00f6rse kotierten Unternehmen, so sind hier gar 64% der Direktionsmitglieder ausl\u00e4ndischer Nationalit\u00e4t. Dies ist auch international gesehen ein absoluter Spitzenwert: w\u00e4hrend es in Frankreich 23% und in Deutschland 27% sind, kommt lediglich Grossbritannien mit 51% einigermassen an die Schweizer Werte heran.<\/p>\n<h2><\/h2>\n<h2>Anhang<\/h2>\n<h3><strong>Die Datenbank zur Erforschung der Schweizer Eliten<\/strong><\/h3>\n<p>Dieser Beitrag st\u00fctzt sich auf eine historisch umfassende Datenbank zu den schweizerischen Eliten im 20. Jahrhundert mit mehr als 20\u2018000 Eintr\u00e4gen. Die Elitenmitglieder wurden aufgrund ihrer institutionellen Position in der wirtschaftlichen, politischen oder administrativen Sph\u00e4re ausgew\u00e4hlt. Die Daten stammen aus einer Vielzahl von historischen und aktuellen Quellen. Neben dem Historischen Lexikon der Schweiz benutzten wir unter anderem verschiedene biographische Lexika, die Jahresberichte der Unternehmen, die Website des schweizerischen Parlaments oder diverse Bibliotheken und Archive. Um das 20. Jahrhundert abzudecken w\u00e4hlten wir die Funktionstr\u00e4ger dieser Sph\u00e4ren zu sechs Zeitpunkten aus: 1910, 1937, 1957, 1980, 2000 und 2010. Die ersten f\u00fcnf Daten wurden aufgrund der Erh\u00e4ltlichkeit von Daten ausgew\u00e4hlt und decken mit einem Abstand von jeweils ungef\u00e4hr 20 Jahren das 20. Jahrhundert ab. Zus\u00e4tzlich wurden die Daten f\u00fcr das Jahr 2010 aktualisiert.<\/p>\n<p>Die Gesamtstichprobe zu den politischen Eliten setzt sich jeweils aus den sieben Bundesr\u00e4ten, den Mitgliedern der Bundesversammlung (also des St\u00e4nde- und des Nationalrates), den Mitgliedern der 26 Kantonsregierungen und der Mitglieder der Parteivorst\u00e4nde der Regierungsparteien zusammen (CVP, FDP, SP und SVP). Um die wirtschaftlichen Eliten zu untersuchen haben wir Daten zu folgenden Personen gesammelt: die Verwaltungsratspr\u00e4sidenten, die CEOs und in gewissen F\u00e4llen auch die Verwaltungsratsdelegierten der 110 wichtigsten Unternehmen der Schweiz. Ausgew\u00e4hlt wurden diese 110 Unternehmen aufgrund der Anzahl der Angestellten, des Umsatzes und der B\u00f6rsenkapitalisierung. Zus\u00e4tzlich haben wir Informationen zu allen Mitgliedern der Vorst\u00e4nde der sieben wichtigsten wirtschaftlichen Interessenverb\u00e4nde zusammengestellt: der Schweizerischen Bankiervereinigung (SBVg), Economiesuisse, dem Schweizerischen Arbeitgeberverband, dem Schweizerischen Gewerbeverband (SGV), dem Schweizer Bauernverband (SBV), dem Schweizerischen Gewerkschaftsbund (SGB) und dem Christlich nationalen Gewerkschaftsbund der Schweiz (CNG). Die Verwaltungseliten umfassen den Bundeskanzler und dessen Vize, die Generalsekret\u00e4re der Bundesdepartemente und deren Adjunkten, alle Amtsdirektoren der Bundes\u00e4mter, die Direktoren der Schweizer Nationalbank und die Bundesrichter. Zus\u00e4tzlich verf\u00fcgen wir f\u00fcr alle f\u00fcnf Vergleichspunkte \u00fcber Daten zu den Mitgliedern von Extra-parlamentarischen Kommissionen.<\/p>\n<p>Zu all diesen Personen besitzen wir eine Vielzahl von biographischen Angaben. F\u00fcr diesen Beitrag verwendeten wir insbesondere das Geschlecht, das Bildungsniveau (ohne akademische Bildung, Lizentiat oder Master, Doktorat), die Nationalit\u00e4t (Schweiz, Europa, andere L\u00e4nder) und den Milit\u00e4rischen Grad (wir unterscheiden Elitemitglieder mit Offiziersgrad von jenen ohne). Zudem konstruierten wir Variablen bez\u00fcglich ihrer Zugeh\u00f6rigkeit in verschiedenen Gremien: Verwaltungsr\u00e4te, ausserparlamentarische Kommissionen, Parlament oder Vorst\u00e4nde der Wirtschaftsverb\u00e4nde.<\/p>\n<p>Ein Teil unserer Datenbank ist \u00f6ffentlich zug\u00e4nglich: <a href=\"http:\/\/www.unil.ch\/obelis\">http:\/\/www.unil.ch\/obelis<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einleitung&nbsp;: Die neue Unberechenbarkeit der Eliten? Die Entwicklung des schweizerischen Bundesstaates gr\u00fcnde auf der gegl\u00fcckten Zusammenarbeit der Eliten verschiedener Kulturen und gesellschaftlicher Sektoren. So interpretieren dem Land wohlgesinnte Beobachter die Erfolgsgeschichte Helvetiens im 20. Jahrhundert (Katzenstein 1985). 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