{"id":3437,"date":"2023-02-13T14:17:22","date_gmt":"2023-02-13T12:17:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/?p=3437"},"modified":"2024-08-27T14:33:29","modified_gmt":"2024-08-27T12:33:29","slug":"das-ansehen-von-berufen-in-der-schweiz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/?p=3437","title":{"rendered":"Das Ansehen von Berufen in der Schweiz"},"content":{"rendered":"<h2>Einleitung<\/h2>\n<p>In der Soziologie wird der soziale Status meist anhand des Berufs bestimmt. Der Beruf ist Teil dessen, was die Einzelperson zur Gesellschaft beitr\u00e4gt, aber der Beruf bestimmt auch, was ein Mensch im Gegenzug zur\u00fcckerh\u00e4lt: Geld in Form von Einkommen, aber auch Ansehen oder Macht. Zwar sind alle Berufe f\u00fcr die Gesellschaft von Nutzen, aber der Zugang zu einigen Berufen ist mit Hindernissen verbunden, angefangen bei der daf\u00fcr erforderlichen Ausbildung: So geh\u00f6rt beispielsweise das Medizinstudium zu den l\u00e4ngsten Studieng\u00e4ngen, was bereits einer Zugangsbeschr\u00e4nkung gleichkommt. Einige sind der Ansicht, dass eine derartige zeitliche Investition ein h\u00f6heres Einkommen rechtfertigen k\u00f6nnte. Ein weiteres Beispiel sind bestimmte Berufe, die besondere Geschicklichkeit oder besondere k\u00f6rperliche Voraussetzungen erfordern. Alter oder Geschlecht werden bei der Besch\u00e4ftigung in bestimmten Berufen ebenfalls als Vor- oder Nachteile angesehen.<\/p>\n<p>Bei der Bestimmung des sozialen Status anhand des Berufs kann auf verschiedene Weise vorgegangen werden. So gilt beispielsweise nach wie vor, dass die definierten Gesellschaftsklassen f\u00fcr den sozialen Status bestimmend sind. Die Arbeit von Daniel Oesch (2006) ist ein gutes Beispiel f\u00fcr die Aktualit\u00e4t einer auf diesem Konzept basierenden Forschungslinie innerhalb der Schweiz. Bei anderen Ans\u00e4tzen wird versucht, anhand der \u201esozialen Distanz\u201c eine Skala zu bestimmen, die sich von einem Beruf an einem Ende der Skala bis zum Beruf am anderen Ende der Skala erstreckt. Dies ist der Fall bei der CAMSIS-Skala, die von Bergman und Kollegen (2002) f\u00fcr die Schweiz angepasst wurde. Weitere Forscher haben sozio\u00f6konomische Indizes vorgeschlagen, die auf den Ressourcen basieren, die dem sozialen Status zugrunde liegen, wie beispielsweise Einkommen oder Bildung. Der bekannteste Versuch in dieser Richtung ist der International Socio-Economic Index (ISEI) von Ganzeboom, De Graaf und Treiman (1992). Viele dieser Messwerte wurden diskutiert, um die Ungleichheit in der Schweiz zu beschreiben (Levy et al., 1997).<\/p>\n<p>Ein sehr einfaches Mass besteht jedoch darin, Personen zu bitten, den Rang verschiedener Berufe zu bestimmen, um eine Skala f\u00fcr das Ansehen zu erstellen (Reiss, 1961). Vor diesem Hintergrund hatte Donald Treiman (1977) durch den Vergleich verschiedener Studien von vor fast f\u00fcnfzig Jahren vermutet, dass sich die Ansehensskala der Berufe zeitlich und r\u00e4umlich kaum ver\u00e4ndert (Ganzeboom &amp; Treiman, 1996): Ob man so unterschiedliche L\u00e4nder wie die USA oder China, Industrienationen wie Grossbritannien vor f\u00fcnfzig Jahren oder Dienstleistungsgesellschaften wie die Schweiz von heute betrachtet, die Skala bleibe stets in etwa gleich. Hout und DiPrete (2006) sprechen daher von einer \u201eTreiman-Konstanten\u201c, die diese Konstanz beschreibt.<\/p>\n<p>Die hier vorgestellte Studie zielt zun\u00e4chst darauf ab, eine Ansehensskala der Berufe in der Schweiz zu erstellen: Neben einer Untersuchung zur Berufswahl in Genf vor \u00fcber 60\u00a0Jahren mit einer Stichprobe von 21\u00a0Personen (Tofigh, 1964) und einer k\u00fcrzlich durchgef\u00fchrten Untersuchung, die die Ausbildungsg\u00e4nge nach Ansehen ordnet (Abrassart &amp; Wolter, 2020), ist bislang nur eine wenig bekannte Studie zu dieser Frage erschienen (Joye &amp; Chevillard, 2013). Wir ergreifen deshalb die Gelegenheit, diese \u201eTreiman-Konstante\u201c genauer zu untersuchen, insbesondere vor dem Hintergrund des starken Wandels des Arbeitsmarkts, und die vermeintlich konstante internationale Skala mit derjenigen in der Schweiz zu vergleichen.<\/p>\n<p>Die j\u00fcngsten Arbeitsmarktentwicklungen, insbesondere hinsichtlich der Positionen von M\u00e4nnern und Frauen, deuten darauf hin, dass die Hierarchien von verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen abh\u00e4ngig sind. Vor allem: Unterscheidet sich die Hierarchie je nach Geschlecht? Dies ist umso wichtiger, als beispielsweise die Frage nach dem Verh\u00e4ltnis zwischen dem \u201eGeschlecht der Berufe\u201c und dem Ansehen abgesehen von einigen Ausnahmen erstaunlich wenig untersucht wurde: Goyder, Guppy und Thompson (2002) haben den Wandel \u00fcber einen Zeitraum von 25\u00a0Jahren um die Jahrhundertwende zum 21.\u00a0Jahrhundert analysiert, und Crawley (2014) hat die Frage in j\u00fcngster Zeit erneut aufgegriffen.<\/p>\n<p>In diesem Artikel werden wir versuchen, folgende Fragen zu beantworten: Wie sieht die Schweizer Skala des beruflichen Ansehens f\u00fcr 2019 aus, und inwieweit unterscheidet sie sich von der jahrzehntealten internationalen Skala? Wie kommt das Ansehen eines Berufes zustande: Ist vor allem die erforderliche Ausbildung entscheidend? Oder das erzielte Einkommen? Oder sind es andere berufliche Merkmale wie beispielsweise das Geschlecht oder die Nationalit\u00e4t der diesen Beruf aus\u00fcbenden Personen? Und wie sehr herrscht dar\u00fcber in der Schweiz ein Konsens, insbesondere in Abh\u00e4ngigkeit davon, ob der Beruf von einer Frau oder von einem Mann ausge\u00fcbt wird?<\/p>\n<h2>Methode<\/h2>\n<p>Die Studie basiert auf einer Umfrage, MOSAiCH, die 2019 von FORS durchgef\u00fchrt wurde. Mit einer zuf\u00e4lligen Auswahl der Befragten, wie sie heute f\u00fcr Umfragen zum Qualit\u00e4tsstandard geworden ist, wurden f\u00fcr den Teil, der uns hier interessiert, 1675\u00a0Personen online befragt.<\/p>\n<p>Damit m\u00f6glichst viele Berufe bewertet werden konnten, bevor die Konzentration der Befragten nachliess, wurden jeder und jedem Befragten 36\u00a0zuf\u00e4llig aus einem gr\u00f6sseren Pool ausgew\u00e4hlte Berufe vorgelegt. So wurden Daten f\u00fcr mehr als 130\u00a0Berufe gesammelt, bei einigen getrennt nach Arbeitnehmern und Selbstst\u00e4ndigerwerbenden. Der gesamte Datensatz umfasst 154\u00a0Berufe, 308 an der Zahl, wenn man m\u00e4nnliche und weibliche Berufsbezeichnungen unterschiedlich behandelt, so dass jeder Beruf doppelt gez\u00e4hlt wird.<\/p>\n<p>Die Frage, die zur Erfassung des Ansehens eines Berufs herangezogen wurde, lautete: &#8220;Nun geht es darum, wie Sie gewisse Berufe einstufen w\u00fcrden. Bitte ordnen Sie die folgenden 36\u00a0Berufe nach dem jeweiligen sozialen Status auf einer Skala von 1 bis 9 ein. 1 steht f\u00fcr das tiefste Ansehen, 9 f\u00fcr das h\u00f6chste Ansehen.&#8221; F\u00fcr die sp\u00e4tere Darstellung wurden die Daten von 1 bis 9 auf 0 bis 100 umgerechnet. Die Auswahl der zu untersuchenden Berufe entspricht der derzeitigen Praxis in diesem Bereich, wie sie von Hout, Smith und Mardsen (2014) beschrieben wird. Jeder Beruf wurde entweder in der m\u00e4nnlichen Form mit \u201eeinen Mann, der \u2026 ist\u201c oder in der weiblichen Form mit \u201eeine Frau, die\u00a0&#8230; ist\u201c beschrieben. Alle Befragten hatten am Ende genauso viele m\u00e4nnliche wie weibliche Berufe zu bewerten, und jeder Beruf wurde insgesamt gleich oft in der m\u00e4nnlichen Bezeichnung und in der weiblichen Bezeichnung vorgelegt.<\/p>\n<p>Der individuelle Antwortstil wurde \u00fcberpr\u00fcft, damit das Ranking nicht durch Eigenheiten der befragten Personen verf\u00e4lscht wird. Technisch wurde gem\u00e4ss den Vorschl\u00e4gen von Hout, Smith und Mardsen (2014) ein mehrstufiges Modell mit festen Auswirkungen auf individueller und beruflicher Ebene angewendet. Bewertete eine oder ein Befragte\/r, was nicht oft passierte, die H\u00e4lfte der vorgelegten Berufe nicht oder alle gleich, wurden die Antworten der Person in der Analyse nicht ber\u00fccksichtigt.<\/p>\n<p>Beim Vergleich der Ergebnisse mit fr\u00fcheren Studien, bei denen die Geschlechterdimension meist noch nicht ber\u00fccksichtigt wurde, wurde ein einheitlicher Koeffizient berechnet, der sich aus dem Durchschnitt zwischen dem Score f\u00fcr M\u00e4nner und dem Score f\u00fcr Frauen ergab, gewichtet nach dem jeweiligen Anteil der beiden Geschlechter im betreffenden Beruf. Der gleiche individuell gewichtete Durchschnitt wurde gebildet, um die Punktzahlen von Angestellten und Selbstst\u00e4ndigerwerbenden zu erfassen. Die vom Bundesamt f\u00fcr Statistik durchgef\u00fchrte Schweizerische Arbeitskr\u00e4fteerhebung\u00a0(SAKE) der letzten 20\u00a0Jahre lieferte Daten \u00fcber die Verteilung der Berufe in der Schweiz.<\/p>\n<h2>Schweizer Ansehensskala 2019<\/h2>\n<p>Jeder Beruf erh\u00e4lt also einen Wert, der seinem Ansehen entspricht. F\u00fcr die Beschreibung ist es jedoch interessanter, sich nicht auf einen bestimmten Wert zu konzentrieren, sondern Berufsgruppen ins Auge zu fassen, die im Ranking \u00fcber ein \u00e4hnliches Ansehen verf\u00fcgen (siehe Abbildung 1). Die Durchschnittsnote betrug 50, wobei <em>Fach\u00e4rzten <\/em>(86) das h\u00f6chste und <em>K\u00fcchenhilfen <\/em>(28) das geringste Ansehen zugeschrieben wurde. Abbildung 1 zeigt die Berufe von den angesehensten zu den am wenigsten angesehenen, unterteilt in gr\u00f6ssere Kategorien.<\/p>\n<p>Unterhalb einer Note von 30 befinden sich trotz dieser willk\u00fcrlichen Begrenzung in der Ansehensskala nur nicht qualifizierte Dienstleistungsberufe wie B\u00fcroreinigerin, W\u00e4scherin oder K\u00fcchenhilfe. Etwas dar\u00fcber liegen mit einer Note zwischen 30 und 40 gering qualifizierte Berufe in der Industrie, aber auch Dienstleistungsberufe wie Servierer, Verk\u00e4ufer und Coiffeure. Dar\u00fcber finden sich qualifizierte Handwerksberufe wie Schleifer, Holzf\u00e4ller und Baumaler, aber auch einige Verwaltungsberufe wie Sekret\u00e4rinnen und Sekret\u00e4re oder kaufm\u00e4nnische Angestellte.<\/p>\n<p><strong>Abbildung 1: Berufe nach Ansehen in der Schweiz 2019, auf einer Skala von 28 bis 86 (Durchschnitt: 50)<\/strong><\/p>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><strong>80 und mehr<\/strong><br \/>\nFacharzt (s.) &#8211; Universit\u00e4tsprofessor\u00a0\u2013 Direktor eines grossen Unternehmens\u00a0\u2013 Richter\u00a0\u2013 Facharzt (a.) \u2013 Flugzeugpilot\u00a0\u2013 Allgemeinarzt<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><strong>70 bis 79<\/strong><br \/>\nRechtsanwalt (s.) \u2013 Physiker\u00a0\u2013 Rechtsanwalt (a.) \u2013 Zahnarzt\u00a0\u2013 Notar\u00a0\u2013 Ingenieur f\u00fcr Computersysteme\u00a0\u2013 Architekt (s.) \u2013 Biologin\u00a0\u2013 Wirtschaftswissenschaftlerin\u00a0\u2013 Maschinenbauingenieur\u00a0\u2013 Apothekerin (s.) \u2013 Architekt (a.) \u2013 Bauunternehmer\u00a0\u2013 Gymnasiallehrerin\u00a0\u2013 Polizeikommissar<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><strong>60 bis 69<\/strong><br \/>\nPsychologin (s.) \u2013 Personalchefin \u2013 Psychologin (a.) \u2013 Forstingenieur \u2013 Berufsschullehrerin \u2013 Augenoptikerin (s.) \u2013 Leitender Beamter \u2013 Apothekerin (a.) \u2013 Soziologe \u2013 Schiffsf\u00fchrer \u2013 Berufsfeuerwehrmann \u2013 Journalist \u2013 Zahntechniker \u2013 Grundschullehrerin \u2013 \u00dcbersetzerin (s.) \u2013 Steuerberater (s.) \u2013 Marketingspezialistin \u2013 Hebamme \u2013 Polizist(in) \u2013 Anlageberater (s.) \u2013 Krankenpflegerin \u2013 Schriftsteller \u2013 Goldschmied (s.) \u2013 Immobilienverwalter (s.) \u2013 Restaurantleiterin<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><strong>50 bis 59<\/strong><br \/>\nPR-Spezialistin\u00a0\u2013 Berufmusiker\u00a0\u2013 Uhrmacher\u00a0\u2013 \u00dcbersetzerin (a.) \u2013 Elektroniktechniker\u00a0\u2013 Webmaster\u00a0\u2013 Winzer (s.) \u2013 Chemielaborantin\u00a0\u2013 Buchhalter\u00a0\u2013 Schauspieler \u2013 Steuerberater (a.) \u2013 Krippen- oder Kindergartenleiterin\u00a0\u2013 Lokomotivf\u00fchrer\u00a0\u2013 Anlageberater (a.) \u2013 Sozialarbeiterin\u00a0\u2013 Bauzeichner\u00a0\u2013 Pfarrer\/ Priester\u00a0\u2013 Fotograf (s.) \u2013 Elektroniker\u00a0\u2013 Augenoptikerin (a.) \u2013 Zimmermann (s.) \u2013 Goldschmied (a.) \u2013 Feinmechaniker\u00a0\u2013 Heizungsmonteur (s.) \u2013 Import-Export Fachkraft\u00a0\u2013 Automechaniker (s.) \u2013 Zahnhygienikerin\u00a0\u2013 Rayonchefin\u00a0\u2013 B\u00e4cker (s.) \u2013 Immobilienverwalter (a.) \u2013 Drucker (s.) \u2013 Bildhauer\u00a0\u2013 Sporttrainerin\u00a0\u2013 Arztgehilfin\u00a0\u2013 G\u00e4rtner (s.) \u2013 Z\u00f6llner\u00a0\u2013 Techniker beim Fernsehen\u00a0\u2013 Metzger (s.) \u2013 Fotograf (a.) \u2013 Elektriker\u00a0\u2013 Landwirt\u00a0\u2013 Schneiderin (s.) \u2013 Koch\u00a0\u2013 Versicherungsagent\u00a0\u2013 Kaufm\u00e4nnische Angestellte\u00a0\u2013 Techniker in einer Kl\u00e4ranlage\u00a0\u2013 Archivar\u00a0\u2013 Winzer (a.) \u2013 Bauschreiner<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><strong>40 bis 49<\/strong><br \/>\nBaumaler (s.) \u2013 Handelsvertreter\u00a0\u2013 Flight Attendant \/ Flugstewardess \u2013 Pflegehelferin\u00a0\u2013 Innenarchitektin\u00a0\u2013 Zimmermann (a.) \u2013 Sekret\u00e4rin\u00a0\u2013 Schornsteinfeger (s.) \u2013 Schlosser\u00a0\u2013 Reiseleiter\u00a0\u2013 Spengler\u00a0\u2013 B\u00e4cker (a.) \u2013 Dachdecker\u00a0\u2013 K\u00e4ser\u00a0\u2013 Automechaniker (a.) \u2013 Heizungsinstallateur (a.) \u2013 Reiseb\u00fcroangestellte\u00a0\u2013 Kondukteur (Zubegleiter) \u2013 G\u00e4rtner (a.) \u2013 Maurer\u00a0\u2013 Schuhmacher\u00a0\u2013 Coiffeuse (s.) \u2013 Drucker (a.) \u2013 Mannequin\u00a0\u2013 Giesser\u00a0\u2013 Kaminfeger (a.) \u2013 Receptionistin\u00a0\u2013 Schneiderin (a.) \u2013 Kosmetikerin (s.) \u2013 Velomechaniker\u00a0\u2013 Metzger (a.) \u2013 Postangestellte\u00a0\u2013 Telefonmonteur\u00a0\u2013 Holzf\u00e4ller\u00a0\u2013 Tagesmutter\u00a0\u2013 Metallschleifer\u00a0\u2013 Holzpolierer\u00a0\u2013 Baumaler (a.) \u2013 Lastwagenfahrer<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><strong>30 bis 39<\/strong><br \/>\nSekuritasw\u00e4chter\u00a0\u2013 Fischer\u00a0\u2013 Strassenarbeiter\u00a0\u2013 Verk\u00e4uferin\u00a0\u2013 Kosmetikerin (a.) \u2013 Serviererin in einem Restaurant\u00a0\u2013 Hauswart\u00a0\u2013 Landarbeiter\u00a0\u2013 Magaziner\u00a0\u2013 Coiffeuse (a.) \u2013 Velokurier\u00a0\u2013 Ladenkassiererin\u00a0\u2013 Hausangestellte\u00a0\u2013 Tankwartin \u00a0\u2013 Fabrikarbeiterin<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><strong>Bis zu 29<\/strong><br \/>\nVerpackerin\u00a0\u2013 W\u00e4scherin\u00a0\u2013 K\u00fcchenhilfe\u00a0\u2013 B\u00fcroreinigerin<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><em>Anmerkung: (a.) und (s.) bedeutet angestellt bzw. selbstst\u00e4ndigerwerbend.<br \/>\n<\/em><em>Die Berufsbezeichnungen wurden in der weiblichen Form angegeben, wenn mindestens 50\u00a0% der im Beruf Besch\u00e4ftigten Frauen sind, ansonsten ist die m\u00e4nnliche Form angegeben, wobei anzumerken ist, dass es im Franz\u00f6sischen (das Original der Studie ist auf Franz\u00f6sisch erschienen) Berufsbezeichnungen gibt, die sowohl weiblich als auch m\u00e4nnlich sein k\u00f6nnen, anders als die jeweiligen Entsprechungen im Deutschen.<\/em><br \/>\n<em>Daten: MOSAiCH 2019.<\/em><\/p>\n<p>In den mittleren Kategorien mit Noten zwischen 50 und 60 finden sich Berufe, deren Arbeit als technisch anspruchsvoller angesehen werden kann: Laboranten, Uhrmacher oder Lokomotivf\u00fchrer, aber auch T\u00e4tigkeiten in anderen Bereichen wie im Gesundheitswesen (z.\u00a0B. Arztgehilfen) oder im Dienstleistungsbereich (z.\u00a0B. Pfarrer und Priester oder auch Sozialarbeiter). Zwischen 60 und 70 Punkten finden sich k\u00fcnstlerische Berufe (Schriftsteller, Berufmusiker), Bildungsberufe (Grundschullehrer oder Gymnasiallehrer) und F\u00fchrungsberufe (Schiffsf\u00fchrer, Personalchef).<\/p>\n<p>Bei \u00fcber 70 Punkten werden Ingenieure, Architekten, Richter, Anw\u00e4lte, \u00c4rzte und Wissenschaftler, wie Universit\u00e4tsprofessoren, positioniert. Diese Berufe zeichnen sich durch ein hohes \u201ekulturelles Kapital\u201c und h\u00e4ufig durch ein bedeutendes \u201ewirtschaftliches Kapital\u201c aus (Bourdieu, 1979).<\/p>\n<p>Zusammenfassend l\u00e4sst sich sagen, dass Arbeiter oft angesehener sind als Vertreter der am geringsten qualifizierten Dienstleistungsberufe, w\u00e4hrend fr\u00fcher die Arbeiter weniger Ansehen hatten als B\u00fcrobesch\u00e4ftigte. K\u00fcnstlerische Berufe wurden relativ hoch bewertet, ebenso wie technische Berufe. An der Spitze stehen Vertreter der Wissenschaft, die besser bewertet werden, als die meisten F\u00fchrungskr\u00e4fte in der Wirtschaft, abgesehen von der F\u00fchrungsspitze sehr grosser Unternehmen. Geld und Stellung in einer Hierarchie sind also nicht die einzigen Kriterien, die f\u00fcr das Ansehen eines Berufs bestimmend sind.<\/p>\n<p>Diese wenigen Merkmale\u00a0\u2013 wie die Bedeutung der wissenschaftlichen Berufe ganz oben auf der Skala oder die Aufwertung der Arbeiterwelt im Vergleich insbesondere zu den Angestellten\u00a0\u2013 zeigen, dass sich die heute stark tertiarisierte Schweizer Gesellschaft vielleicht doch stark von den Industriegesellschaften Europas in der Mitte des 20.\u00a0Jahrhunderts unterscheidet. Im Nachfolgenden soll dies genauer betrachtet werden.<\/p>\n<h2>Berufliches Ansehen in der Schweiz im internationalen Vergleich<\/h2>\n<p>Obwohl in vielen L\u00e4ndern bereits zahlreiche Studien zum beruflichen Ansehen durchgef\u00fchrt wurden, verweisen wir hier lediglich auf den \u201eStandard\u201c: die von Treiman (1977) vorgeschlagene und von Ganzeboom und Treiman (1996) aktualisierte Ansehensskala, die anschliessend von Ganzeboom (2010) auf Grundlage der 2008 revidierten Nomenklatur des Internationalen Arbeitsamtes, ISCO-08, \u00fcberarbeitet wurde. Das Argument von Treiman lautet, dass diese internationale Skala nicht nur in vielen L\u00e4ndern g\u00fcltig ist, sondern auch langfristig stabil bleibt (Ganzeboom &amp; Treiman, 1996).<\/p>\n<p>Zwischen der internationalen Ansehensskala (SIOPS) und der Schweizer Skala (CH-2019) l\u00e4sst sich eine starke Korrelation von 0.89 feststellen, was die Hypothese der Treiman-Konstante durchaus rechtfertigt. Die Korrelation ist zum einen sehr hoch, weil es eine grosse \u00dcbereinstimmung bei den Extremen gibt: In beiden F\u00e4llen weisen unqualifizierte Berufe, insbesondere im Dienstleistungssektor, sehr niedrige Indizes auf. Im Gegensatz dazu erzielen beispielsweise Richter und \u00c4rzte in beiden Skalen sehr hohe Punktzahlen. Somit wird die allgemeine Skala durch diese Extreme aufgespannt, auch wenn sich auf allen Ebenen nat\u00fcrlich kleinere Unterschiede zeigen.<\/p>\n<p>In Abbildung 2 sind diejenigen Berufe aufgef\u00fchrt, bei denen sich deutliche Unterschiede von mindestens 10\u00a0Punkten zwischen den beiden Datenquellen zeigen. Der Beruf ist in der m\u00e4nnlichen Bezeichnung aufgef\u00fchrt, wenn es mehr M\u00e4nner als Frauen gibt, die ihn in der Schweiz aus\u00fcben, ansonsten in der weiblichen Form. In der Schweizer Umfrage wurden beispielsweise \u201eFlugzeugpiloten\u201c, \u201eLokomotivf\u00fchrer\u201c oder \u201eIngenieur f\u00fcr Computersysteme\u201c h\u00f6her bewertet. Allgemein scheinen die technischen Berufe in der Schweizer Umfrage ein h\u00f6heres Ansehen zu erzielen, ebenso wie die Berufe im Gesundheitswesen wie \u201eKrankenpfleger\u201c und \u201eHebammen\u201c oder sogar Hilfsberufe wie Feuerwehrleute. Im Gegensatz dazu scheinen wenig spezifische Berufe im Dienstleistungssektor wie \u201eVerk\u00e4ufer\u201c oder \u201eSekret\u00e4re\u201c in der Schweiz heute weniger Ansehen zu geniessen als bei der internationalen Vergleichsskala.<\/p>\n<p><strong>Abbildung\u00a02: Unterschied zwischen dem sozialen Status nach Schweizer Skala und internationaler Skala<\/strong><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-3438 aligncenter\" src=\"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/chart-description-automatically-generated-1.png\" alt=\"Chart\n\nDescription automatically generated\" width=\"450\" height=\"403\" srcset=\"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/chart-description-automatically-generated-1.png 1231w, https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/chart-description-automatically-generated-1-300x269.png 300w, https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/chart-description-automatically-generated-1-1024x917.png 1024w, https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/chart-description-automatically-generated-1-768x688.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 450px) 100vw, 450px\" \/><\/p>\n<p><em>Die Berufsbezeichnungen wurden in der weiblichen Form angegeben, wenn mindestens 50\u00a0% der im Beruf Besch\u00e4ftigten Frauen sind, ansonsten ist die m\u00e4nnliche Form angegeben, wobei anzumerken ist, dass es im Franz\u00f6sischen (das Original der Studie ist auf Franz\u00f6sisch erschienen) Berufsbezeichnungen gibt, die sowohl weiblich als auch m\u00e4nnlich sein k\u00f6nnen, anders als die jeweiligen Entsprechungen im Deutschen.<\/em><br \/>\n<em>Daten: MOSAiCH 2019.<\/em><\/p>\n<p>F\u00fcr den Fall Schweiz lassen sich mit Bezug auf die \u201eTreiman-Konstante\u201c mehrere Hypothesen vorbringen, ohne jedoch \u00fcber die Mittel zu verf\u00fcgen, um abschliessend beurteilen zu k\u00f6nnen, welche Elemente die Grundlage f\u00fcr diese Ver\u00e4nderung bilden. Insbesondere:<\/p>\n<ul>\n<li>Technische Berufe nach einer Berufslehre und einer h\u00f6heren Berufsausbildung geh\u00f6ren in der Schweiz zu den hoch qualifizierten Berufen und haben daher ein relativ hohes Ansehen.<\/li>\n<li>Der Wandel zu einer st\u00e4rker tertiarisierten Welt hat das Image der technischen Berufe paradoxerweise verbessert, insbesondere bei Berufen in den Bereichen IT und neue Technologien. Dadurch ist das Ansehen von B\u00fcroangestellten ohne besondere Qualifikationen wie \u201eVerk\u00e4ufer\u201c, \u201eSekret\u00e4rinnen\u201c oder \u201eB\u00fcroangestellte\u201c gesunken. Auch Gesundheitsberufe sind heute viel angesehener als fr\u00fcher.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Tertiarisierung unserer Gesellschaft wirkt sich somit auch auf die Hierarchie aus, in der bestimmte technische Berufe oder Arbeiterberufe, insbesondere manuelle Produktionsberufe, im Ansehen gestiegen sind, ohne dass sich dadurch die Einstufung der angesehensten und der am wenigsten angesehenen Berufe ver\u00e4ndert.<\/p>\n<h2>Einkommen, Ausbildung und andere Merkmale<\/h2>\n<p>Grunds\u00e4tzlich k\u00f6nnte das Einkommen als Hauptgrund f\u00fcr das soziale Ansehen betrachtet werden, da das Einkommen scheinbar die wichtigste Form der W\u00fcrdigung f\u00fcr die geleistete Arbeit ist. Dabei geht es nicht um das Einkommen der Person X, die eine bestimmte Position innehat, sondern um ein Merkmal des Berufs selbst. In der Literatur wird auch h\u00e4ufig dar\u00fcber gesprochen, dass die L\u00e4nge und die Schwierigkeit der f\u00fcr eine bestimmte Position erforderlichen Ausbildung f\u00fcr das Ansehen herangezogen werden kann.<\/p>\n<p>In der ESPA-Umfrage des BFS werden unter anderem Einkommen und Ausbildung der Befragten in den verschiedenen Berufen untersucht. Wir k\u00f6nnen nun auf die seit 1996 gesammelten Daten zugreifen und verf\u00fcgen damit \u00fcber einen breiten Datensatz, mit dem sich f\u00fcr jeden Beruf ein durchschnittliches Einkommen und eine durchschnittliche Ausbildung berechnen lassen. Dabei geht es nicht darum, die L\u00f6hne im engeren Sinne zu bestimmen und auch nicht die erforderlichen schulischen F\u00e4higkeiten, sondern vielmehr darum, die verschiedenen Berufe in Bezug auf Einkommen und erforderliche Ausbildung in einer gemeinsamen Skala anzuordnen. Zu diesen Basisdaten lassen sich weitere Informationen hinzuf\u00fcgen wie die geschlechtsbezogene Verteilung im Beruf, die darin vertretenen Nationalit\u00e4ten oder sogar der Erwerbsstatus bei den verschiedenen Berufen.<\/p>\n<p>Neben dem Einkommen und der Ausbildung, die eindeutig soziale Ressourcen sind, lauten unsere Hypothesen unter gleichen Bedingungen wie folgt: 1) Typische Frauenberufe sind oft weniger angesehen; 2) Berufe mit \u00e4lteren Besch\u00e4ftigten sind ebenfalls weniger angesehen; 3) Berufe mit einem hohen Ausl\u00e4nderanteil haben auch ein geringeres Ansehen und 4) Berufe mit mehr Selbstst\u00e4ndigerwerbenden setzen eine gr\u00f6ssere Unabh\u00e4ngigkeit und Organisationsfreiheit voraus und geniessen daher h\u00f6heres Ansehen.<\/p>\n<ul>\n<li>Bei der Berechnung des Einkommens wird der Lebenshaltungsindex ber\u00fccksichtigt.<\/li>\n<li>Die Dauer der Ausbildung errechnet sich nach der durchschnittlichen Zahl an Ausbildungsjahren f\u00fcr den am Ende erhaltenen Abschluss.<\/li>\n<li>Geschlecht: Der Anteil der Frauen in jedem Beruf.<\/li>\n<li>Alter: Das Durchschnittsalter der Personen in einem bestimmten Beruf.<\/li>\n<li>Nationalit\u00e4t: der Prozentsatz der Schweizer B\u00fcrger in jedem Beruf.<\/li>\n<li>Selbstst\u00e4ndigerwerbende: Der Anteil der Selbstst\u00e4ndigerwerbenden in jedem Beruf.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Diese berufsbezogenen Merkmale erm\u00f6glichen den Aufbau verschiedener Modelle, die sich unterschiedlich gut interpretieren lassen. So kann das beste Modell, mit der h\u00f6chsten Aussagekraft und der geringsten Anzahl von Parameter, ausgew\u00e4hlt werden. Das hier eingesetzte Verfahren nennt sich \u201eMultiple Regression\u201c und ergibt folgende Formel:<\/p>\n<p><em>Ansehen= \u03b21*Einkommen+\u03b22*Bildung+&#8230;<\/em><\/p>\n<p>so dass die \u00dcbereinstimmung mit den Daten maximal ausf\u00e4llt. Die Qualit\u00e4t eines Modells variiert zwischen 0 und 1 und wird R<sup>2 <\/sup>genannt: Ein Wert von 0,8 bedeutet, dass das Modell 80\u00a0% der Ansehensunterschiede zwischen den Berufen erkl\u00e4ren kann. Es sei darauf hingewiesen, dass die hier verwendeten Koeffizienten genormt sind, d. h. sie sind nicht von der Variablenmessskala abh\u00e4ngig. Schliesslich wird jeder Beruf entsprechend seiner prozentualen Bedeutung f\u00fcr die Schweizer Erwerbsbev\u00f6lkerung gewichtet. Damit wird der Struktur des Schweizer Arbeitsmarktes Rechnung getragen. Die Analyse wurde bei den rund 130\u00a0Berufe durchgef\u00fchrt, die den Befragten vorgelegt worden sind.<\/p>\n<p>Tabelle 1 zeigt die verschiedenen Modelle und deren Aussagekraft. Die Qualit\u00e4t des ersten Modells ist bereits hervorragend, obwohl ausschliesslich Einkommen und Ausbildung als Variablen ber\u00fccksichtigt wurden. Da Einkommen und Ausbildung die am h\u00e4ufigsten verwendeten Variablen f\u00fcr derartige Modelle sind, wurden sie zuerst eingef\u00fchrt. Die Hypothesen bezogen auf Nationalit\u00e4t und den Anteil der Selbstst\u00e4ndigerwerbenden m\u00fcssen hingegen verworfen werden, da sie die Aussagekraft nicht verbessern. Auch das Geschlecht tr\u00e4gt kaum zur Erkl\u00e4rung der f\u00fcr das Ansehen vergebenen Noten bei: Die durchschnittliche Ausbildung und das durchschnittliche Berufseinkommen sind die entscheidenden Faktoren, mit denen sich das Ansehen eines Berufs erkl\u00e4ren lassen.<\/p>\n<p><strong>Tabelle\u00a01: Statistische Modelle zur Erkl\u00e4rung des Ansehens von Berufen in der Schweiz<\/strong><\/p>\n<table>\n<thead>\n<tr>\n<th>Modell<\/th>\n<th>Einkommen<\/th>\n<th>Ausbildung<\/th>\n<th>Geschlecht<\/th>\n<th>Alter<\/th>\n<th>Nationalit\u00e4t<\/th>\n<th>Selbstst\u00e4ndig<\/th>\n<th>R<sup>2<\/sup><\/th>\n<\/tr>\n<\/thead>\n<tbody>\n<tr>\n<td>1<\/td>\n<td>0.50<\/td>\n<td>0.46<\/td>\n<td><\/td>\n<td><\/td>\n<td><\/td>\n<td><\/td>\n<td>0.78<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>2<\/td>\n<td>0.44<\/td>\n<td>0.51<\/td>\n<td>-0.05<\/td>\n<td><\/td>\n<td><\/td>\n<td><\/td>\n<td>0.79<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>3<\/td>\n<td>0.48<\/td>\n<td>0.49<\/td>\n<td>-0.04<\/td>\n<td>-0.08<\/td>\n<td><\/td>\n<td><\/td>\n<td>0.79<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>4<\/td>\n<td>0.48<\/td>\n<td>0.49<\/td>\n<td>-0.04<\/td>\n<td>-0.08<\/td>\n<td>0.01<\/td>\n<td><\/td>\n<td>0.79<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>5<\/td>\n<td>0.46<\/td>\n<td>0.51<\/td>\n<td>-0.03<\/td>\n<td>-0.11<\/td>\n<td>-0.01<\/td>\n<td>0.11<\/td>\n<td>0.80<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><em>Es wurden standardisierte Regressionskoeffizienten verwendet.<\/em><\/p>\n<p>F\u00fcr die Bestimmung des Ansehens ist die Gewichtung der Variablen Einkommen und Bildung zwar in allen Modellen sehr wichtig, aber sie sind auch nahezu deckungsgleich. Dies ist ein interessantes Ergebnis, denn auch dies zeigt sich durchgehend seit mehr als 50\u00a0Jahren in allen Untersuchungen zum Ansehen. Wenn Bildung und Einkommen, als soziale Ressourcen, unabh\u00e4ngig vom historischen Rahmen das berufliche Ansehen bestimmen, und es im Zeitverlauf stets dieselben Berufe sind, die sich durch ein niedriges oder hohes Einkommen oder durch geringe oder hohe Ausbildungsanforderungen auszeichnen, dann bleibt auch das Ansehen der Berufe relativ konstant und ver\u00e4ndert sich kaum. Der einzige Unterschied zu den US-Studien vor rund 50\u00a0Jahren ist die etwas geringere Bedeutung des Einkommens im Vergleich zur Ausbildung, vor allem wenn man auch den M\u00e4nner- und Frauenanteil in den verschiedenen Berufen ber\u00fccksichtigt (Hauser &amp; Warren, 1997).<\/p>\n<h2><strong>Berufliches Ansehen und Geschlecht<\/strong><\/h2>\n<p>Die Stellung von Frauen auf dem Arbeitsmarkt ist in der westlichen Welt eine der wichtigsten gesellschaftlichen Ver\u00e4nderungen der letzten 50\u00a0Jahre. Auch in der Schweiz ist sie deutlich festzustellen, wie in der Serie \u201eSocial Change in Switzerland\u201c erl\u00e4utert wird. Man kann also davon ausgehen, dass das Ansehen eines Berufs unterschiedlich bewertet wird, je nachdem, ob er von einem Mann oder einer Frau ausge\u00fcbt wird. Insbesondere in Anbetracht der Tatsache, dass die am st\u00e4rksten von M\u00e4nnern besetzten Berufe bei gleichbleibenden anderen Variablen auch am besten bezahlt sind, kann davon ausgegangen werden, dass sie auch in Bezug auf das Ansehen am besten abschneiden. Unsere Umfrage hat diesen Aspekt explizit ber\u00fccksichtigt, indem systematisch die Frage nach \u201eeinem Mann, der\u00a0&#8230; ist\u201c oder \u201eeiner Frau, die\u00a0&#8230; ist\u201c gestellt wurde.<\/p>\n<p>Unsere Ergebnisse zeigen jedoch kaum einen Unterschied im Ansehen abh\u00e4ngig davon, ob der Beruf von einem Mann oder von einer Frau ausge\u00fcbt wird. Die Ergebnisse sind viel homogener, als wir angenommen h\u00e4tten, auch wenn die etwas unsystematische Literatur sowohl signifikante Unterschiede feststellte, wenn auch mit einer etwas anderen Vergleichsmethode (Powell und Jacobs, 1984) wie auch geringe Unterschiede bei Crawley (2014), mit einer haupts\u00e4chlich aus Akademikern bestehenden Stichprobe. Tats\u00e4chlich lautete die Hypothese von Goyder, Guppy und Thompson (2003), die ihre Ergebnisse mit einer \u00e4hnlichen Studie, die 25 Jahre zuvor stattfand (Guppy &amp; Siltanen, 1977), verglichen, dass die zunehmende Arbeitsmarktbeteiligung von Frauen in verschiedenen Positionen die Unterschiede des Ansehens von in der m\u00e4nnlichen oder in der weiblichen Form bezeichneten Berufen verringert hat.<\/p>\n<p>Einige Abweichungen sind jedoch beachtenswert und werden in Abbildung 3 dargestellt. Der Unterschied in der Punktzahl wird nur dargestellt, wenn er gr\u00f6sser als 2.4 ist, was der Gr\u00f6ssenordnung der statistischen Genauigkeit unserer Messungen entspricht. Auf der y-Achse ist die geschlechtsunabh\u00e4ngige Messung des Ansehens aufgezeichnet. Die Berufsbezeichnung ist in der weiblichen Form angegeben, wie immer in diesem Artikel, wenn die Mehrzahl der Stellen in dieser Gruppe von Frauen besetzt sind.<\/p>\n<p>Wird der Beruf haupts\u00e4chlich von Frauen ausge\u00fcbt, wie im Fall von Kosmetikerinnen oder Hebammen, ist das Ansehen f\u00fcr die weibliche Berufsbezeichnung h\u00f6her ausgepr\u00e4gt. Bei Berufsfeuerwehrleuten oder Zimmerleuten hat umgekehrt die m\u00e4nnliche Berufsbezeichnung ein h\u00f6heres Ansehen gegen\u00fcber der weiblichen. Diese Erkenntnis machten auch Powell und Jacobs (1984). In den Verkaufsberufen wie bei Verk\u00e4uferinnen, aber auch bei Metzgern oder B\u00e4ckern, schneiden die Berufe etwas besser ab, wenn sie in m\u00e4nnlicher Form pr\u00e4sentiert werden. Auch in einem anderen Bereich, in der Bildung, ist dies der Fall bei Lehrkr\u00e4ften der Gymnasialstufe oder bei Fabrikarbeitern. Im Gegensatz dazu wurde bei anderen Berufen, insbesondere im Bereich der Kommunikation, wie Journalist, \u00dcbersetzer, Schauspieler, PR-Spezialistin oder sogar Pfarrer eine h\u00f6here Punktzahl vergeben, wenn der Beruf den Befragten in der weiblichen Form vorgelegt wurde. Der Fall der Journalisten ist \u00fcbrigens auch bei Powell und Jacobs (1984) erw\u00e4hnt.<\/p>\n<p><strong>Abbildung\u00a03: Unterschied nach Berufsbezeichnung<\/strong><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-3439 aligncenter\" src=\"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/a-picture-containing-timeline-description-automat-1.png\" alt=\"A picture containing timeline\n\nDescription automatically generated\" width=\"450\" height=\"408\" srcset=\"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/a-picture-containing-timeline-description-automat-1.png 1228w, https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/a-picture-containing-timeline-description-automat-1-300x272.png 300w, https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/a-picture-containing-timeline-description-automat-1-1024x929.png 1024w, https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/a-picture-containing-timeline-description-automat-1-768x697.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 450px) 100vw, 450px\" \/><\/p>\n<p><em>Die Berufsbezeichnungen wurden in der weiblichen Form angegeben, wenn mindestens 50\u00a0% der im Beruf Besch\u00e4ftigten Frauen sind, ansonsten ist die m\u00e4nnliche Form angegeben, wobei anzumerken ist, dass es im Franz\u00f6sischen (das Original der Studie ist auf Franz\u00f6sisch erschienen) Berufsbezeichnungen gibt, die sowohl weiblich als auch m\u00e4nnlich sein k\u00f6nnen, anders als die jeweiligen Entsprechungen im Deutschen.<\/em><br \/>\n<em>Daten: MOSAiCH 2019.<\/em><\/p>\n<p>Kurz gesagt, Stereotype scheinen bei einer begrenzten Anzahl Berufe vorzuherrschen, die entweder deutlich m\u00e4nnlich oder weiblich besetzt sind, oder bei den Frauen kommunikativ bzw. bei den M\u00e4nnern kaufm\u00e4nnisch ausgerichtet sind. Vor allem aber muss die aussergew\u00f6hnliche \u00dcbereinstimmung der Bewertungen betont werden: Die Tatsache, dass ein Beruf von einem Mann oder von einer Frau ausge\u00fcbt wird, hat heute bei der Einsch\u00e4tzung seines Ansehens praktisch keinen Einfluss mehr. Dieses Ergebnis mag erstaunlich erscheinen, wenn man die geschlechtsspezifischen Unterschiede in der Ausbildung und den L\u00f6hnen in den Berufen ber\u00fccksichtigt (Guilley et al., 2019). Dasselbe Ergebnis ergab sich aber bereits in den 1980er-Jahren f\u00fcr die Schweiz, mit einer anderen Studienanordnung (Lorenzi-Cioldi &amp; Joye, 1988). Wie Goyder, Guppy und Thompson (2003) aber anmerken, bedeutet die Homogenisierung der Beurteilung des Ansehens zwischen den Geschlechtern nicht, dass es keine Geschlechterungleichheiten mehr auf dem Arbeitsmarkt gibt: Wenn das Ansehen eines Berufs vom Einkommen und der Ausbildung abh\u00e4ngt, erreicht man dann eine Gleichberechtigung in dem Moment, in dem das Motto \u201egleiche Arbeit, gleicher Lohn\u201c \u00fcberall umgesetzt wird.<\/p>\n<h2>Schlussfolgerungen<\/h2>\n<p>Abschliessend l\u00e4sst sich sagen, dass eine \u00c4hnlichkeit zwischen der von uns ermittelten Skala des beruflichen Ansehens in der Schweiz und der internationalen Skala vorliegt, auch wenn letztere vor vielen Jahren erstellt wurde: Die Berufe sind sowohl schweizweit als auch international \u00e4hnlich auf der Skala angeordnet. Kurz gesagt gibt es keinen Schweizer Sonderfall in Bezug auf soziale Strukturen.<\/p>\n<p>Der internationale Vergleich macht jedoch eine Nuance deutlich: In der Schweizer Gesellschaft sind technische und Pflegeberufe h\u00f6her angesehen, gering qualifizierte Dienstleistungsberufe hingegen weniger. Dieser Trend d\u00fcrfte in anderen stark tertiarisierten L\u00e4ndern wahrscheinlich \u00e4hnlich ausfallen.<\/p>\n<p>Der Unterschied zwischen ein und demselben Beruf, der von einem Mann oder einer Frau ausge\u00fcbt wird, ist in den meisten F\u00e4llen gering, und nur sehr \u201etypisierte\u201c Berufe k\u00f6nnen in dieser Hinsicht erhebliche Unterschiede aufweisen. Der geringe Unterschied zwischen der beruflichen Einstufung der m\u00e4nnlichen und weiblichen Berufsbezeichnungen ist \u00fcberraschend.<\/p>\n<p>Einkommen und Ausbildung sind f\u00fcr das berufliche Ansehen in der Schweiz sehr aussagekr\u00e4ftig und dies in gleichem Masse. Die anderen Charakteristika der einzelnen Berufe sind f\u00fcr das Ansehen hingegen von sehr geringer Bedeutung. Dasselbe Ergebnis wurde bereits oft in anderen L\u00e4ndern beobachtet und k\u00f6nnte eine Erkl\u00e4rung f\u00fcr die Allgemeing\u00fcltigkeit der Ansehensskala sein, da die Einkommens- und Ausbildungsordnung kaum variiert.<\/p>\n<p>Im Allgemeinen hat die Bev\u00f6lkerung eine relativ homogene Vorstellung vom Ansehen verschiedener Berufe. Aus Platzgr\u00fcnden konnten die Detailergebnisse hier nicht dargestellt werden, aber die Bewertungen von jungen und alten Menschen, M\u00e4nnern und Frauen sowie Menschen mit einem geringen und hohen sozialen Status fielen sehr \u00e4hnlich aus. Es herrscht also in der Regel ein Konsens dar\u00fcber, wie die Berufe in der Schweiz zu bewerten sind, und somit kann man sagen, dass es in der Bev\u00f6lkerung eine \u00fcbereinstimmende Vorstellung der sozialen Hierarchie gibt. Dies ist wahrscheinlich eine Voraussetzung f\u00fcr mehr Gleichheit in der Gesellschaft, wenn man bestimmte Nischen mit besonderen Berufen ausser Acht l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Die sowohl zeitliche als auch r\u00e4umliche Konstanz der Ergebnisse ist letztendlich eine starke Aussage, auch wenn diese Aussage in einer Publikationsreihe mit dem Titel \u201esozialer Wandel\u201c etwas paradox wirken mag. Gleichzeitig k\u00f6nnen diese Ver\u00e4nderungen in der Berufsskala der Schweiz auch so gelesen werden, dass technische Berufe eine Aufwertung und gering qualifizierte Terti\u00e4rberufe eine Abwertung erfahren haben, obwohl die Skala der geringer und h\u00f6her angesehen Berufe nat\u00fcrlich mit einer grossen Tr\u00e4gheit behaftet ist. Das berufliche Ansehen wirkt sich also nicht nur auf die soziale Ordnung aus, sondern liefert auch eine Orientierung bei der Wahl eines k\u00fcnftigen Berufes. Die unterschiedlichen Rankings k\u00f6nnen daher sehr wichtig sein und Erkl\u00e4rungen daf\u00fcr liefern, was hinter Berufswahlentscheidungen steht und warum bestimmte Ungleichheiten weiterhin Bestand haben. Dies ist jedenfalls einer der Punkte, die der Diskussion zwischen Berufs- und Allgemeinbildung in der Schweiz zugrunde liegen (Abrassart &amp; Wolter, 2020).<\/p>\n<h2>Anhang<\/h2>\n<p><a href=\"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/Anhang-1.pdf\">Tabelle A.1 : Werte der Schweizer Ansehensskala (2019)<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einleitung In der Soziologie wird der soziale Status meist anhand des Berufs bestimmt. Der Beruf ist Teil dessen, was die Einzelperson zur Gesellschaft beitr\u00e4gt, aber der Beruf bestimmt auch, was ein Mensch im Gegenzug zur\u00fcckerh\u00e4lt: Geld in Form von Einkommen, aber auch Ansehen oder Macht. 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