{"id":4640,"date":"2026-02-16T09:24:55","date_gmt":"2026-02-16T07:24:55","guid":{"rendered":"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/?p=4640"},"modified":"2026-02-16T09:24:55","modified_gmt":"2026-02-16T07:24:55","slug":"die-amtsdauer-der-schweizer-wirtschaftseliten-1890-2020","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/?p=4640","title":{"rendered":"Die Amtsdauer der Schweizer Wirtschaftseliten, 1890\u20132020"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Warum ist die Amtsdauer von Eliten relevant?<\/h2>\n\n\n\n<p>\n  In der heutigen globalisierten Unternehmenswelt wird den Jobwechseln von Top-F\u00fchrungskr\u00e4ften zunehmend Aufmerksamkeit geschenkt. Der Aktion\u00e4rskapitalismus habe, so eine g\u00e4ngige Erz\u00e4hlung, die Karrieren von F\u00fchrungskr\u00e4ften ver\u00e4ndert und die traditionelle Firmenloyalit\u00e4t untergraben. Personalabbau und Outsourcing scheinen selbst unter privilegierten Gruppen wie Managern ein Gef\u00fchl der Unsicherheit zu erzeugen. Die Sessel von Eliten, dem Druck von Aktion\u00e4ren und Medien ausgesetzt, w\u00fcrden aufgrund schwacher Aktienkurse, ethischer Skandale oder strategischer Neuausrichtungen zunehmend wackeln. In diesem Artikel untersuchen wir diese These in einer langfristigen, empirischen Perspektive und fragen, wie lange Wirtschaftseliten in der Zeit von 1909 bis 2015 in ihren Positionen bleiben. Dazu st\u00fctzen wir uns auf einen Datensatz der Verwaltungsratspr\u00e4sidenten, Verwaltungsratsdelegierten und CEOs der 110 gr\u00f6ssten Unternehmen der Schweiz, und untersuchen, wie sich die Karrierestabilit\u00e4t aufgrund von individuellen Merkmalen, organisatorischen Faktoren und historischem Wandel ver\u00e4ndert.\n<\/p>\n\n\n\n<p>\n  Die Mandatsdauer von Eliten ist von eminenter Bedeutung. Denn die Dauer, die eine Person in einer Spitzenposition verbringt, ist ein Indikator f\u00fcr die Kontrolle, die sie \u00fcber die Strategie des Unternehmens, ihre pers\u00f6nliche Verg\u00fctung oder die Arbeitsbedingungen ihrer Angestellten aus\u00fcbt. In soziologischen Elitetheorien ist die Amtsdauer daher eines der Unterscheidungsmerkmale zwischen \u201eMachteliten\u201d und \u201efunktionalen Eliten\u201d. Erstere, die lange in ihren Positionen verharren, sind in der Lage, Netzwerke aufzubauen, Institutionen zu pr\u00e4gen und dynastische, patrimoniale Machtstrukturen zu etablieren. Letztere, die nur f\u00fcr kurze Zeit im Amt sind, m\u00fcssen sich den Gepflogenheiten der Institution anpassen und haben weder die Zeit noch die Netzwerke, um Institutionen langfristig umzugestalten. \n<\/p>\n\n\n\n<p>\n  Die Amtsdauer von F\u00fchrungskr\u00e4ften ist das Ergebnis individueller und organisatorischer Entscheidungen. Manager k\u00f6nnen wegen l\u00e4ngerer Ausbildung erst sp\u00e4ter in den Arbeitsmarkt einsteigen, ihren Arbeitsplatz aus famili\u00e4ren Gr\u00fcnden verlassen oder sich fr\u00fchpensionieren lassen. Organisationen k\u00f6nnen j\u00fcngere F\u00fchrungskr\u00e4fte einstellen, die Amtszeit ihrer Vorstandsmitglieder beschr\u00e4nken oder einen CEO aufgrund schlechter Leistungen vorzeitig entlassen. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Diese individuellen und institutionellen Entscheidungen sind wiederum in einen normativen, historischen Kontext eingebettet. Wie Eliten ihre Karriere gestalten und wie Unternehmen strategische Personalentscheidungen treffen, kann sich im Laufe der Geschichte erheblich wandeln (Booth, Francesconi und Garc\u00eda Serrano, 1997). Genauso ver\u00e4ndert sich im historischen Verlauf die Zusammensetzung der Liste der 110 wichtigsten Unternehmen und die Mischung der F\u00fchrungskr\u00e4fte, die sie leiten. Auch dies hat Auswirkungen auf die Amtsdauer von F\u00fchrungskr\u00e4ften. Kommt hinzu: Wirtschaftssektoren variieren ihre Karrierekulturen -und Praktiken. Die im 19. Jahrhundert vorherrschende Textilindustrie beispielsweise, praktiziert potenziell ein anderes Karriereregime als die Finanzindustrie, deren Aufstieg die schweizerische Wirtschaft im 20. Jahrhundert pr\u00e4gte. Auch der Wille von Familien, die Unternehmen kontrollieren, ihre Macht im Generationenverlauf zu bewahren, wirkt sich auf Amtszeiten aus. Um ihren Einfluss langfristig zu sichern, setzten solche Besitzerfamilien h\u00e4ufig auf &#8220;Verwaltungsratsdelegierte&#8221;, eine hybride Funktion zwischen Verwaltungsrat und Gesch\u00e4ftsleitung. Mit dem Niedergang des Familienkapitalismus (Ginalski 2011), wurde diese Funktion jedoch zunehmend als unvereinbar mit moderner Unternehmensf\u00fchrung kritisiert.<\/p>\n\n\n\n<p>\n  Zu erwarten ist auch, dass sich die Einf\u00fchrung eines offiziellen Pensionsalters mit der AHV auf die Dauer von Elitekarrieren ausgewirkt hat \u2013 auch wenn h\u00f6here Manager wohl loser an formale Altersgrenzen gebunden sind als die allgemeine Bev\u00f6lkerung. \n<\/p>\n\n\n\n<p>\n  Und wie steht es mit der demographischen Zusammensetzung der Eliten? Heute verf\u00fcgen diese viel h\u00e4ufiger \u00fcber einen Hochschulabschluss als noch Mitte des 20. Jahrhunderts. Es w\u00e4re also nicht verwunderlich, wenn die l\u00e4ngere Ausbildungsdauer zu einer biografischen Verschiebung des Berufseinstiegs gef\u00fchrt h\u00e4tte. Dar\u00fcber hinaus durchl\u00e4uft die Schweizer Wirtschaftselite seit Anfang der 1970er Jahre eine langsame Feminisierung, die 2021 in der Einf\u00fchrung einer \u00abFrauenquote-light\u00bb f\u00fcr die Verwaltungsr\u00e4te grosser, b\u00f6rsennotierter Unternehmen gipfelte. Schlie\u00dflich hat sich die Schweizer Wirtschaftselite stark internationalisiert. W\u00e4hrend 1980 nur 3% der Schweizer Wirtschaftselite Ausl\u00e4nder waren, sind es heute fast 40%, in b\u00f6rsenkotierten Unternehmen gar \u00fcber 60% (Davoine und Ravasi, 2013). Studien legen nahe, dass ausl\u00e4ndische F\u00fchrungskr\u00e4fte ihre Positionen nur f\u00fcr kurze Zeit innehaben \u2013 beispielsweise, weil sie \u00fcber andere Karrierewege zu ihren Posten kommen oder nur \u00fcber schwache lokale Netzwerke verf\u00fcgen (Schmid &amp; Mitterreiter, 2020; Heemskerk, 2007).\n<\/p>\n\n\n\n<p>\n  Abbildung 1: Historische Trends und Ver\u00e4nderungen in der Zusammensetzung der Schweizer Wirtschaftseliten\n<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"2500\" height=\"1406\" src=\"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/word-image-4640-1.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-4641\" srcset=\"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/word-image-4640-1.png 2500w, https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/word-image-4640-1-300x169.png 300w, https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/word-image-4640-1-1024x576.png 1024w, https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/word-image-4640-1-768x432.png 768w, https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/word-image-4640-1-1536x864.png 1536w, https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/word-image-4640-1-2048x1152.png 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 2500px) 100vw, 2500px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>\n  Anmerkung: In gr\u00fcn die Trends, die die demographische Zusammensetzung der Eliten ver\u00e4ndern.\n<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Daten und Analysestrategie<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Studie st\u00fctzt sich auf die <a href=\"http:\/\/www.unil.ch\/elitessuisses\">OBELIS-Datenbank<\/a> der Universit\u00e4t Lausanne, die \u00fcber 40&#8217;000 Eintr\u00e4ge zu politischen, wirtschaftlichen, administrativen und akademischen Eliten der Schweiz enth\u00e4lt. Die Analysen konzentrieren sich auf eine Stichprobe von 1377 Mandate von CEOs, Verwaltungsratspr\u00e4sidenten und Verwaltungsratsdelegierten der 110 gr\u00f6ssten Schweizer Unternehmen zu sieben Zeitpunkten: 1890, 1910, 1937, 1957, 1980, 2000 und 2010 (David et al., 2015). Wir analysieren die Amtsdauer von acht Antrittskohorten von F\u00fchrungskr\u00e4ften und kreuzen sie mit biografischen Variablen wie Geschlecht (M\u00e4nner vs. Frauen), Nationalit\u00e4t (Schweizer vs. Nicht-Schweizer) und mit institutionellen Variablen wie Position (CEO, Vorstandsvorsitzender, Vorstandsmitglied) und Unternehmenssektor. Etwa ein Drittel der biographischen Daten enth\u00e4lt nur ein Start- oder Enddatum und wurde aus der Analyse ausgeschlossen. Wir haben die verbleibenden Angaben in zwei Kategorien unterteilt: (1) Mandate mit genauen Amtsdauerdaten (50% der Stichprobe) und (2) Mandate mit ungef\u00e4hren, aber koh\u00e4renten Amtszeitdaten (20%). Die Medianl\u00e4nge wird auf der Basis von Kaplan-Meier-Sch\u00e4tzungen berechnet. Jedes Mandat wird nur einer Kohorte zugeordnet, Mehrfachzugeh\u00f6rigkeiten werden nur einfach gez\u00e4hlt; noch laufende Mandate werden ber\u00fccksichtigt. <\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">\n  Wie l\u00e4sst sich die Amtsdauer der Wirtschaftselite erkl\u00e4ren?\n<\/h2>\n\n\n\n<p>\n  Unsere Analyse zeigt, dass die Amtsdauer der Elitemandate im Laufe der Zeit um acht Jahre abnimmt. Die gr\u00f6ssten Verk\u00fcrzungsspr\u00fcnge finden am Anfang, zwischen den ersten Antrittskohorten statt. \u00dcber die ganz Periode nimmt die Amtsdauer kontinuierlich ab, bis auf sieben bis acht Jahren in den j\u00fcngsten Antrittskohorten. In der letzten Antrittskohorte von 1990-2015 sind 92 (von 476) Wirtschaftsf\u00fchrer noch immer im Amt, und es ist deshalb wahrscheinlich, dass wir die Amtsdauer dieser Kohorte leicht untersch\u00e4tzen. \n<\/p>\n\n\n\n<p>\n  Diese Dauer von 2 mal 4 Jahren scheint einer internationalen Norm zu entsprechen, die heute f\u00fcr viele \u00f6ffentliche und private \u00c4mter gilt. So wird der amerikanische Pr\u00e4sident f\u00fcr h\u00f6chstens zwei 4-Jahres Perioden gew\u00e4hlt, \u00e4hnlich wie die Direktionsmitglieder der Europ\u00e4ischen Zentralbank, die einmal f\u00fcr 8 Jahre ernannt werden.\n<\/p>\n\n\n\n<p>Abbildung 2: Mittlere Amtsdauer (Median) per Antrittskohorte <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><a href=\"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Grafik_2.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"906\" height=\"537\" src=\"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Grafik_2.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-4646\" srcset=\"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Grafik_2.png 906w, https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Grafik_2-300x178.png 300w, https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Grafik_2-768x455.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 906px) 100vw, 906px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Abbildung 3: Mittlere Amtsdauer (Median) nach Wirtschaftssektor <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><a href=\"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Graphik_3.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"920\" height=\"710\" src=\"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Graphik_3.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-4648\" srcset=\"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Graphik_3.png 920w, https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Graphik_3-300x232.png 300w, https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Graphik_3-768x593.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 920px) 100vw, 920px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>\n  Die Analyse zeigt auch, dass der Wandel der Wirtschaftsstruktur kaum eine Rolle spielt. Die Amtsdauer der Elite l\u00e4sst sich nicht mit sektoralen Ver\u00e4nderungen erkl\u00e4ren, in den meisten Sektoren reduziert sich die Amtsdauer im Gleichschritt. Aufstrebende Sektoren wie der Finanzsektor haben keine k\u00fcrzeren Amtszeiten als absteigende Sektoren, wie zum Beispiel die Maschinenindustrie.\n<\/p>\n\n\n\n<p>\n  Unsere Analysen zeigen auch, dass sich die Verk\u00fcrzung der Amtsdauer nicht durch die Feminisierung der Elite oder ihre Internationalisierung erkl\u00e4ren l\u00e4sst. Internationale Manager haben keine signifikant k\u00fcrzere Amtsdauer als ihre Schweizer Kollegen \u2013 unwahrscheinlich also, dass ihr Mangel an lokalen Netzwerken sie anf\u00e4lliger f\u00fcr Entlassungen machen w\u00fcrde. Ebenso wenig ist es die Bildungsexpansion, die die Amtsdauer der Eliten verk\u00fcrzt h\u00e4tte, beispielsweise durch einen Aufschub des Karrierebeginns. Das Bildungsniveau und damit die Dauer der Ausbildung hat keinen Einfluss auf die Amtsdauer der Eliten. \n<\/p>\n\n\n\n<p>\n  Was z\u00e4hlt ist die historische Entwicklung. Auch wenn die Ver\u00e4nderungen nicht schlagartig passierten, sind einige Beobachtungen aufschlussreich: Die Verk\u00fcrzung der Amtszeiten begann bereits in der ersten H\u00e4lfte des 20. Jahrhunderts. Es ist deshalb wahrscheinlich, dass die Einf\u00fchrung obligatorischer Pensionspl\u00e4ne oder der Niedergang des Familienkapitalismus \u2013 Ph\u00e4nomene, die schon in der Mitte des 20. Jahrhunderts einsetzten \u2013 zu einer Verk\u00fcrzung der Amtszeiten beigetragen haben. Darauf weisen auch die Unterschiede zwischen verschiedenen F\u00fchrungsfunktionen in Unternehmen hin.\n<\/p>\n\n\n\n<p>Abbildung 4: Durchschnittliche Amtsdauer (Median) nach Position<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><a href=\"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Graphik_4.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"943\" height=\"793\" src=\"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Graphik_4.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-4649\" srcset=\"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Graphik_4.png 943w, https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Graphik_4-300x252.png 300w, https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Graphik_4-768x646.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 943px) 100vw, 943px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>\n  Wir beobachten zwar auch hier eine Verk\u00fcrzung der Amtsdauern bei allen Positionen. Hingegen hatten CEOs und Delegierte bis in die 1950er Jahre l\u00e4ngere Mandate als Verwaltungsratspr\u00e4sidenten. In den beiden j\u00fcngsten Antrittskohorten hat sich dieses Verh\u00e4ltnis umgekehrt, insbesondere f\u00fcr die CEOs. Ab 1980 scheint die Position des CEO im Vergleich zu den beiden anderen am wackeligsten zu sein, ihre Amtsdauer ist die k\u00fcrzeste \u2013 vielleicht aufgrund von medialem und politischem Druck. Vertiefte Analysen zeigen, dass bestimmte Unternehmen systematisch l\u00e4ngere Amtszeiten haben als andere. Die familiengef\u00fchrten Genfer Privatbanken wie Pictet und Lombard-Odier geh\u00f6ren zu den Unternehmen mit den l\u00e4ngsten Amtszeiten. Auf der entgegengesetzten Seite des Spektrums geh\u00f6ren familienunabh\u00e4ngige Banken mit breitem Aktionariat wie die UBS, aber auch sich von Gr\u00fcnderfamilien l\u00f6sende Industriefirmen wie Oerlikon-B\u00fchrle oder ABB geh\u00f6ren zu den Unternehmen mit den k\u00fcrzesten Amtszeiten.\n<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die historische Verk\u00fcrzung der Amtsdauer der Schweizer Elite<\/h2>\n\n\n\n<p>\n  Langfristig hat sich die Amtsdauer der Schweizer Wirtschaftseliten deutlich und kontinuierlich verk\u00fcrzt. Je j\u00fcnger die Antrittskohorten desto k\u00fcrzer die Amtszeit.  Heute betr\u00e4gt die Amtsdauer von Verwaltungsratspr\u00e4sidenten und CEO zwischen sieben und acht Jahren und hat sich einer internationalen Norm angen\u00e4hert, die f\u00fcr viele \u00f6ffentliche und private Mandate gilt.\n<\/p>\n\n\n\n<p>\n  Die sich ver\u00e4ndernde demografische Zusammensetzung der Eliten, deren Bildung, Nationalit\u00e4t und Geschlecht, spielt f\u00fcr diesen R\u00fcckgang nur eine untergeordnete Rolle. Auch nehmen die Amtszeiten \u00fcber alle Sektoren und Positionen hinweg ab. Zu vermuten ist, dass bis in die H\u00e4lfte des 20. Jahrhunderts der allm\u00e4hliche Niedergang der grossen Familienunternehmen (bzw. deren Umwandlung in b\u00f6rsenkotierte Aktienunternehmen) zu den Verk\u00fcrzungen der Amtsdauern gef\u00fchrt hat. Das Aufkommen eines amerikanisch gepr\u00e4gten Aktion\u00e4rskapitalismus in den 1980ern und 1990ern hat nicht zu einem sichtbaren Einschnitt in der Entwicklung gef\u00fchrt \u2013 die Verk\u00fcrzung setzt sich kontinuierlich fort. Allerdings, und dies ist interessant, geraten die Amtsdauern der CEOs in den beiden j\u00fcngsten Kohorten st\u00e4rker unter Druck als jene von Verwaltungsratsdelegierten- und Pr\u00e4sidenten. M\u00f6glich ist, dass die CEOs, die medial zunehmend ausgestellt und beleuchtet sind, in den neuen Kapitalismusformen einem st\u00e4rkeren Rechenschaftsdruck ausgesetzt ist. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Was bedeutet eine solche Verk\u00fcrzung der Mandatsdauer des F\u00fchrungspersonals der Wirtschaft der Schweiz? Aufgrund k\u00fcrzerer Amtszeiten sind heutige Firmen weniger stabil und anf\u00e4lliger f\u00fcr Unsicherheiten. Gleichzeitig hat die Macht der Manager, insbesondere der CEOs, wohl leicht abgenommen \u2013 wegen ihrer k\u00fcrzeren Mandate haben sich nicht mehr denselben Einfluss auf die langfristige Unternehmensstrategie und die Arbeitsbedingungen ihrer Angestellten wie noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Warum ist die Amtsdauer von Eliten relevant? In der heutigen globalisierten Unternehmenswelt wird den Jobwechseln von Top-F\u00fchrungskr\u00e4ften zunehmend Aufmerksamkeit geschenkt. Der Aktion\u00e4rskapitalismus habe, so eine g\u00e4ngige Erz\u00e4hlung, die Karrieren von F\u00fchrungskr\u00e4ften ver\u00e4ndert und die traditionelle Firmenloyalit\u00e4t untergraben. Personalabbau und Outsourcing scheinen selbst unter privilegierten Gruppen wie Managern ein Gef\u00fchl der Unsicherheit zu erzeugen. 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