{"id":921,"date":"2016-06-30T06:30:47","date_gmt":"2016-06-30T04:30:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/?p=921"},"modified":"2022-12-23T12:27:01","modified_gmt":"2022-12-23T10:27:01","slug":"beschaftigungs-und-lohnperspektiven-nach-einer-berufslehre","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/?p=921","title":{"rendered":"Besch\u00e4ftigungs- und Lohnperspektiven nach einer Berufslehre"},"content":{"rendered":"<h2>Einleitung<\/h2>\n<p>Die Schweiz ist das \u00abMusterland\u00bb der Berufsbildung. In keinem anderen OECD-Land ist der Anteil der Jugendlichen, die eine Berufslehre machen, derart hoch. In der Schweiz absolvieren 60% eines Jahrgangs eine duale Ausbildung, in der die Kompetenzen gleichzeitig in einer Schule und in einem Betrieb erworben werden. Rechnet man diejenigen Jugendlichen hinzu, die eine Vollzeit-Berufsschule besuchen, dann nehmen zwei Drittel eines Jahrgangs nach dem Ende ihrer obligatorischen Schulzeit eine Berufsausbildung auf (SKBF 2014: 109).<\/p>\n<p>Die Berufsbildung hat zahlreiche Vorteile. Sie erh\u00f6ht die Motivation der Jugendlichen, indem sie die Praxis in den Lernprozess miteinbezieht und garantiert eine enge Verbindung zwischen erworbenen Kompetenzen und von den Unternehmen nachgefragten Qualifikationen. Zudem erleichtert sie den \u00dcbergang von der Schule in die Arbeitswelt (Wolter und Ryan 2011: 523). Daraus ergibt sich namentlich, dass L\u00e4nder mit einer gut ausgebauten Berufsbildung tendenziell eine niedrigere Jugendarbeitslosigkeitsquote haben als L\u00e4nder, die st\u00e4rker auf Allgemeinbildung setzen (OECD 2010: 170).<\/p>\n<p>Offensichtlich bereitet die Lehre Jugendliche gut auf den Anfang ihrer Berufslaufbahn vor. Weniger klar ist, ob dies auch danach der Fall ist. Mit einem bestimmten Beruf verbundene, vor dem 20. Altersjahr erworbene Kompetenzen k\u00f6nnen sich im Alter von 45 Jahren als obsolet erweisen. Unser Studie analysiert deshalb die Besch\u00e4ftigungs- und Lohnaussichten, welche eine Berufsbildung w\u00e4hrend der gesamten Berufslaufbahn in der Schweiz bietet. Bleiben die kurzfristigen Vorteile einer Lehre, die mit einem guten Einstieg in den Arbeitsmarkt verbunden sind, w\u00e4hrend eines ganzen Lebenslaufs erhalten? Oder ist umgekehrt sp\u00e4ter eine gegenteilige Tedenz festzustellen?<\/p>\n<p>Zwei Hypothesen stehen sich bei dieser Frage gegen\u00fcber. Die erste schreibt einem guten Einstieg in den Arbeitsmarkt eine entscheidende Rolle zu. Dank dem Erlernen eines Berufs erleichtert die Berufsbildung den Zugang zu einer ersten Anstellung. In der Schweiz ist dieser \u00dcbergang in ein Anstellungverh\u00e4ltnis umso reibungsloser, als fast die H\u00e4lfte der Lehrlinge ein Jahr nach dem Lehrabschluss weiterhin in ihrem Lehrbetrieb arbeiten (Dionisius et al. 2009: 16, M\u00fcller und Schweri 2015: 1068). Im Vergleich dazu ist das Risiko arbeitslos zu werden nach Abschluss einer Allgemeinbildung h\u00f6her \u2013 und eine lange Periode der Arbeitslosigkeit kann auch in den folgenden Etappen des Lebenslaufs Spuren hinterlassen: durch den Verlust des Selbstvertrauens, eine Abwertung des Humankapitals sowie eine geringere Bereitschaft zu arbeiten (Luijkx und Wolber 2009). Es w\u00e4re demnach gerade die Allgemeinbildung \u2013 und das Fehlen eines erlernten Berufes \u2013, welche die Individuen w\u00e4hrend ihrer Berufslaufbahn verwundbar macht.<\/p>\n<p>Umgekehrt erwartet eine zweite Hypothese, dass das Erlernen eines bestimmten Berufs die Schwierigkeiten f\u00fcr \u00e4ltere Erwerbst\u00e4tige erh\u00f6ht, sich an den technologischen Wandel anzupassen. Die Bildungspl\u00e4ne der Lehren werden f\u00fcr spezifische Berufe \u2013 wie etwa Uhrmacher, Innendekorateur oder Milchtechnologe \u2013 entwickelt, und die Durchl\u00e4ssigkeit zwischen verschiedenartigen Lehren ist begrenzt (Eggenberger et al. 2015: 26; Stalder und Schmid 2012). Der Bundesrat anerkennt Lehren f\u00fcr 230 unterschiedliche Berufe \u2013 und gewisse dieser Berufe werden dem technologischen Wandel zum Opfer fallen. Die Berufsbildung in der Schweiz bildet den Strukturwandel nur langsam nach: In der Industrie und im Bau, wo die Besch\u00e4ftigung seit 25 Jahren kaum w\u00e4chst, bel\u00e4uft sich der Anteil der Lehrlinge auf 12%; im Dienstleistungssektor, wo die Besch\u00e4ftigung kontinuierlich zunimmt, dagegen nur auf 4% (Sheldon 2008). Grunds\u00e4tzlich bilden die Unternehmen ihre Lehrlinge f\u00fcr die spezifischen momentanen Anforderungen aus \u2013 und nicht f\u00fcr Aufgaben, die sich in einer fernen Zukunft stellen werden. Mit einem bis zwei Tagen Schule pro Woche bieten die Berufslehren nur wenig Zeit, um allgemeine Kompetenzen wie Mathematik, Lesen, Schreiben und Fremdsprachen zu vertiefen (OECD 2013: 82).<\/p>\n<p>Zusammengefasst gilt, dass je spezifischer eine Berufslehre ist, desto reibungsloser verl\u00e4uft der Einstieg in den Arbeitsmarkt. Hier liegt der Grund daf\u00fcr, dass sich die Berufslehren in den deutschsprachigen L\u00e4ndern \u2013 einschliesslich der Schweiz \u2013 einer starken \u00f6ffentlichen Unterst\u00fctzung erfreuen: Die Lehre ist ein praktischer Bildungsgang, in dem die Jugendlichen einen konkreten Beruf erlernen. Aus demselben Grund wurde jedoch die Berufsbildung aus den amerikanischen Schulen der Sekundarstufe II, den High Schools, verdr\u00e4ngt (Hanushek et al. 2011): Der technische Fortschritt birgt das Risiko, dass berufsspezifische Kompetenzen schnell veralten.<\/p>\n<p>Was sagt uns die empirische Forschung zu dieser Frage? Zun\u00e4chst zeigt sie, dass eine Lehre ein Individuum nicht in einen einzigen Beruf einsperrt. So arbeiten in Deutschland 30 bis 50% der Besch\u00e4ftigten mit einer Berufsbildung in einem anderen als dem urspr\u00fcnglichen erlernten Beruf (Winkelmann 2006: 93-4). In der Schweiz ist die Mobilit\u00e4t zwischen den Berufen mindestens ebenso hoch (Sheldon 2008: 39, 42; M\u00fcller et Schweri 2015). Allerdings darf man den Einstiegsvorteil, den die Lehre bietet, auch nicht \u00fcbersch\u00e4tzen. Das deutsche Panel SOEP zeigt, dass der \u00dcbergang in die Besch\u00e4ftigung mit einem allgemeinen Bildungsabschluss zwar ein wenig l\u00e4nger dauert als mit einem Lehrabschluss. Ist aber der \u00dcbergang einmal vollzogen, erweist sich die Besch\u00e4ftigung der Personen mit einem allgemeinbildenden Abschluss als nicht weniger stabil (Winkelmann 1996: 671).<\/p>\n<p>Studien, welche den gesamten Lebenslauf abdecken, sind rar. Hanushek et al. (2011) verwenden die ALL-Studie, eine Internationale Erhebung \u00fcber die Grundkompetenzen Erwachsener f\u00fcr 18 L\u00e4nder (1994-1998) und kommen zum Schluss, dass Personen mit einem Berufsbildungsabschluss nur bis zum Alter von 40 Jahren einen Vorteil auf dem Arbeitsmarkt geniessen. Nach diesem Alter sind die Personen mit einem allgemeinbildenden Abschluss im Vorteil \u2013 und diese Trendwende zeigt sich in D\u00e4nemark, Deutschland und der Schweiz besonders deutlich. \u00dcber die Dauer der Erwerbskarriere scheint die Berufsbildung f\u00fcr M\u00e4nner in der Schweiz zu einem leicht h\u00f6heren Einkommen zu f\u00fchren als die Allgemeinbildung. Dieses Ergebnis wird allerdings von Weber (2014) nicht best\u00e4tigt, der gest\u00fctzt auf die Schweizerische Arbeitskr\u00e4fteerhebung (1998-2008) feststellt, dass die L\u00f6hne im Lauf des Arbeitslebens f\u00fcr Erwerbst\u00e4tige mit Allgemeinbildung (Matura oder Universit\u00e4t) st\u00e4rker steigen als f\u00fcr denjenigen mit Berufsbildung (Berufslehre oder Fachhochschule).<\/p>\n<p>Unser Beitrag beteiligt sich an dieser Debatte, in dem er die Entwicklung der Besch\u00e4ftigung und der L\u00f6hne f\u00fcr die unterschiedlichen Bildungsniveaus im Lebenslauf untersucht. Dazu vergleichen wird die berufliche Grundbildung \u2013 die Lehre \u2013 mit der allgemeinbildenden Alterative auf dem Niveau der Sekundarstufe II \u2013 der Matura. Somit beantworten wir ebenfalls die Frage, ob die Schweiz bez\u00fcglich der Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt zu viele oder zu wenige Maturit\u00e4tszeugnisse ausstellt.<\/p>\n<p>Wir stellen zuerst die von uns verwendeten Daten und unserer Analysestrategie vor und pr\u00e4sentieren danach die Ergebnisse f\u00fcr die Entwicklung der Besch\u00e4ftigung, der Arbeitslosigkeit und der L\u00f6hne w\u00e4hrend der Berufslaufbahn. Wir unterscheiden die Ergebnisse f\u00fcr Lehren in verschiedenen Berufsfeldern und schliessen unsere Analyse mit der Berechnung des Lohns f\u00fcr die gesamte Erwerbskarriere, gewichtet f\u00fcr die durchschnittliche Anzahl Arbeitsstunden.<\/p>\n<h2><\/h2>\n<h2>Daten und Methode<\/h2>\n<p>Unsere Analyse basiert auf der Schweizerischen Arbeitskr\u00e4fteerhebung (SAKE), die das Bundesamt f\u00fcr Statistik jedes Jahr durchf\u00fchrt. Um ein Maximum von Informationen \u00fcber die Entwicklung von Berufslaufbahnen zu erhalten, haben wir die Antworten aus den 24 Wellen der SAKE (1991-2014) in einer einzigen Datenbank zusammengef\u00fchrt. Dies ergibt uns gesamthaft 323&#8217;850 Einzelbeobachtungen und etwa 7&#8217;000 Beobachtungen pro Altersjahr (von 20 bis 64 Jahren). Die verf\u00fcgbaren Daten folgen nicht Individuen w\u00e4hrend ihres ganzen Lebens, sondern sind das Ergebnis einer Aggregation von individuellen Daten f\u00fcr jedes Altersjahr. Um die Robustheit unserer Resultate zu erh\u00f6hen, reproduzieren wird die Ergebnisse mit den L\u00e4ngsschnittdaten des Schweizerischen Haushalt-Panels (SHP), die von 1999 bis 2014 verf\u00fcgbar sind.<\/p>\n<p>Unsere Studie interessiert sich f\u00fcr zwei Schl\u00fcsselvariablen: die Erwerbsbeteiligung und den Lohn. Wir berechnen die Erwerbsbeteiligung f\u00fcr Personen, die mindestens 20 Stunden pro Wochen arbeiten \u2013 ob als Lohnabh\u00e4ngige, Selbst\u00e4ndige oder Arbeitgeber \u2013 und untersuchen die Arbeitslosigkeit auf der Basis der Definition der Internationalen Arbeitsorganisation (IAO) (anstelle der offiziellen Definition der registrierten Arbeitslosen). Wir plafonieren die Monatsl\u00f6hne bei einem Maximum von 58&#8217;000 CHF pro Monat.[1] Um die realen Arbeitseinkommen vergleichen zu k\u00f6nnen, passen wir die Nominaleinkommen an die Teuerung an und geben alle Betr\u00e4ge in Schweizerfranken vom Dezember 2011 an. Da sich die m\u00e4nnlichen und weiblichen Berufslaufbahnen nach wie vor erheblich unterscheiden, vor allem nach der Geburt von Kindern (Levy et al. 2007), zeigen wir unsere Ergebnisse separat f\u00fcr M\u00e4nner und Frauen.<\/p>\n<p>F\u00fcr das Bildungsniveau unterscheiden wir auf Grundlage der h\u00f6chsten von den Befragten angegebenen Ausbildung vier Kategorien: (1) Obligatorische Schule sowie nachobligatorische Ausbildungen, die nicht zu einer Berufslehre (EFZ), einer Maturit\u00e4t oder einem gleichwertigen Abschluss f\u00fchren[2]. (2) Berufliche Grundbildung auf der Sekundarstufe II \u2013 und somit die zahlreichen Personen mit einem im Lehrbetrieb oder in einer Vollzeit-Berufsschule erworbenen Eidgen\u00f6ssischen F\u00e4higkeitszeugnis (EFZ). (3) Die Allgemeinbildung auf Sekundarstufe II, welche vor allem die gymnasiale Matura sowie untergeordnet das Lehrerpatent einschliesst (sofern dieses nicht an einer Hochschule erworben wurde). (4) Die terti\u00e4re Bildung mit Abschl\u00fcssen an Universit\u00e4ten, Fachhochschulen sowie der h\u00f6heren Berufsbildung.<\/p>\n<p>Graphik 1 zeigt die Zusammensetzung der Bev\u00f6lkerung im erwerbsf\u00e4higen Alter nach dem jeweils h\u00f6chsten erreichten Bildungsniveau. Anfangs der 1990er Jahren hatten 55% der Frauen und M\u00e4nner eine berufliche Grundbildung. Obwohl der Anteil dieser Kategorie sowohl bei M\u00e4nnern als auch bei Frauen am Sinken ist, blieb die Berufslehre bis 2012 die h\u00e4ufigste Ausbildung. Seither \u00fcbersteigt der Anteil der M\u00e4nner mit einer Terti\u00e4rbildung leicht den Anteil der M\u00e4nner mit einer beruflichen Grundbildung. Bei den Frauen bleibt die Berufslehre mit 40% auch 2014 noch die h\u00e4ufigste Bildungskategorie in der Bev\u00f6lkerung im erwerbsf\u00e4higen Alter. Eher selten sind Individuen, die ihre Ausbildung nach einer Allgemeinbildung auf Sekundastufe II (Maturit\u00e4t) beenden: Mit durchschnittlich 9% der M\u00e4nner und 15% der Frauen bleibt ihr Anteil \u00fcber den untersuchten Zeitraum stabil. Eine starke Zunahme verzeichnet die Gruppe mit einer Terti\u00e4rausbildung: Sie stieg von 26 % der M\u00e4nner und 11% der Frauen im Jahr 1991 auf 40% der M\u00e4nner und 32% der Frauen im Jahr 2014.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/1a_1b.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-947\" src=\"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/1a_1b.png\" alt=\"1a_1b\" width=\"712\" height=\"408\" srcset=\"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/1a_1b.png 712w, https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/1a_1b-300x171.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 712px) 100vw, 712px\" \/><\/a><\/p>\n<h2><\/h2>\n<h2><strong>Erwerbs- und Arbeitslosenquote im Lebenslauf<\/strong><\/h2>\n<p>Wie entwickeln sich die Erwerbs- und Arbeitslosenquote f\u00fcr die verschiedenen Ausbildungstypen im Verlauf einer Karriere? Die Graphiken 2 und 3 zeigen eine \u00e4hnliche Tendenz f\u00fcr die verschiedenen Kategorien: Die Erwerbsquote ist am Anfang und Ende einer Berufslaufbahn am tiefsten, die Arbeitslosenquote an ihrem Anfang am h\u00f6chsten. Die Erwerbsquote der Frauen erh\u00f6hte sich f\u00fcr alle Bildungsniveaus um ungef\u00e4hr 20 Prozentpunkte, wenn wir auch Teilzeitarbeitsstellen mit niedrigem Arbeitspensum (zwischen 8 und 20 Stunden bezahlte Arbeit pro Woche) ber\u00fccksichtigen w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Eine Berufsbildung erleichtert den Einstieg auf dem Arbeitsmarkt. Tats\u00e4chlich zeigt keine andere Bildungsgruppe zwischen 20 und 30 Jahren bei den M\u00e4nnern und zwischen 20 und 25 Jahren bei den Frauen eine derart hohe Erwerbs- und eine derart niedrige Arbeitslosenquote. Ganz offensichtlich entsprechen die beruflichen Kompetenzen der Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt und erm\u00f6glichen einer Mehrheit der Personen, die eine Lehre abgeschlossen haben, schnell einen Arbeitsplatz zu finden.<\/p>\n<h4><a href=\"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/2a_2b1.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-948\" src=\"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/2a_2b1.png\" alt=\"2a_2b\" width=\"688\" height=\"342\" srcset=\"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/2a_2b1.png 688w, https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/2a_2b1-300x149.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 688px) 100vw, 688px\" \/><\/a><\/h4>\n<p><a href=\"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/3a_3b1.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-949\" src=\"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/3a_3b1.png\" alt=\"3a_3b\" width=\"666\" height=\"348\" srcset=\"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/3a_3b1.png 666w, https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/3a_3b1-300x156.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 666px) 100vw, 666px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Personen mit einer allgemeinbildenden Ausbildung auf Sekundarstufe II haben ihrerseits mehr M\u00fche, sich in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Ihre Erwerbsquote erreicht diejenige der Gruppe mit Berufsbildung nicht vor dem Alter von 29 Jahren f\u00fcr die Frauen und 36 Jahren f\u00fcr die M\u00e4nner. Selbstverst\u00e4ndlich befindet sich ein ansehnlicher Teil der Jugendlichen mit Maturit\u00e4t zwischen 20 und 25 Jahren immer noch in einer Ausbildung.[3]<\/p>\n<p>Wenig \u00fcberraschend scheinen allgemeinbildende Kompetenzen auf dem Arbeitsmarkt am Anfang einer Berufslaufbahn weniger zur Geltung zu kommen. Die Erwerbsquote der Personen mit einer Allgemeinbildung \u00fcbersteigt diejenige der Personen, die eine Lehre gemacht haben, auch nicht im Alter von 45 bis 50 Jahre. Auf der Ebene der Besch\u00e4ftigungsaussichten und der Arbeitslosigkeit sind die Erwerbskarrieren von Individuen mit einer Lehre stabiler als jene von Individuen mit einer Matura.<\/p>\n<p>Die Arbeitslosenquote ist allerdings generell niedrig und bleibt von wenigen Ausnahmen abgesehen bei Absolventen von Ausbildungen beider Kategorien der Sekundarstufe II zwischen 30 und 60 Jahren unter 5%. Eine weit h\u00f6here Arbeitslosenquote l\u00e4sst sich bei Individuen ohne post-obligatorische Ausbildung beobachten. Der Unterschied ist zwischen 20 und 40 Jahren besonders gross und markanter bei Frauen als bei M\u00e4nnern. Ab 30 Jahren holen Personen mit einem Terti\u00e4rabschluss ihren R\u00fcckstand gegen\u00fcber jenen mit einer Berufslehre auf und verf\u00fcgen nun \u00fcber zumindest ebenso vorteilhafte Erwerbs- und Arbeitslosenquoten. Insbesondere bei Frauen geht eine terti\u00e4re Ausbildung mit einer weit h\u00f6heren Erwerbsbeteiligung einher als bei einer Berufslehre: Zwischen 30 und 60 Jahren unterscheiden sich die Erwerbsquoten um mehr als 10 Prozentpunkte.<\/p>\n<h2><\/h2>\n<h2>Die Lohnentwicklung im Lebenslauf<\/h2>\n<p>Wie entwickeln sich die L\u00f6hne w\u00e4hrend der Berufslaufbahn f\u00fcr die unterschiedlichen Ausbildungskategorien? Graphiken 4 und 5 zeigen eine generelle Tendenz zu einem Anstieg sowohl der Jahres- als auch der Stundenl\u00f6hne im Lauf der Erwerbskarriere. Die Ungleichheit zwischen den Geschlechtern ist jedoch erheblich. Der Lohnanstieg ist f\u00fcr Frauen schon ab 30 Jahren viel schw\u00e4cher. Tats\u00e4chlich stagniert danach ihr Jahreslohn und sinkt sogar um das 40. Altersjahr, was auf die Verringerung der Arbeitszeit bei einem bedeutenden Anteil der Frauen mit Kindern zur\u00fcckzuf\u00fchren ist. Der Stundenlohn weist seinerseits im Verlauf des Berufslebens eine \u00e4hnliche Entwicklung f\u00fcr M\u00e4nner und Frauen auf, allerdings mit einem geringeren Anstieg bei den Frauen.<\/p>\n<p>Die Jahresl\u00f6hne nehmen wesentlich st\u00e4rker zu bei der Gruppe mit einem Terti\u00e4rabschluss oder einer Matura als bei den Personen mit einer Berufslehre. Auf Grund ihres fr\u00fcheren \u00dcbergangs ins Erwerbsleben verdienen Erwerbst\u00e4tige mit einer Berufslehre h\u00f6here Jahresl\u00f6hne als diejenigen mit einer Allgemeinbildung auf Sekundarstufe II \u2013 bis zum Alter von 26 Jahren f\u00fcr die Frauen und 33 Jahren f\u00fcr die M\u00e4nner. Ab diesem Alter findet eine Trendwende statt und die Jahresl\u00f6hne der Gruppe mit einer Allgemeinbildung auf Sekundarstufe II wachsen weit schneller. Im Alter von 45 Jahren liegt der Medianlohn f\u00fcr eine Allgemeinbildung auf Sekundarstufe II 12% (M\u00e4nner) oder 14% (Frauen) h\u00f6her als f\u00fcr eine berufliche Grundbildung. Mit 60 Jahren hat sich der Abstand vergr\u00f6ssert und erreicht 39% bei den M\u00e4nnern und 62% bei den Frauen.<\/p>\n<p>Personen mit einer Berufslehre m\u00fcssen diejenigen mit einer Matura nicht um ihre Besch\u00e4ftigungsaussichten beneiden. Ihre Karrieren verlaufen jedoch im Durchschnitt bez\u00fcglich Lohnanstiegs weniger g\u00fcnstig. Dieser Befund zeigt sich besonders klar, wenn man die Entwicklung des Medianlohns pro Stunde in den verschiedenen Bildungsgruppen vergleicht. Die steilste Kurve \u2013 und somit der st\u00e4rkste Lohnzuwachs \u2013 l\u00e4sst sich bei der Gruppe mit einer Terti\u00e4rbildung beobachten. Die Lohnkurve f\u00fcr Personen ohne postobligatorische Ausbildung ist dagegen w\u00e4hrend des ganzen Lebenslaufs fast flach. Die beiden Gruppen mit einer Ausbildung auf Sekundarstufe II zeigen ein dazwischenliegendes Bild. Allerdings sind die Stundenl\u00f6hne f\u00fcr die Personen mit nur einer Matura systematisch h\u00f6her als diejenigen f\u00fcr die Absolvent-inn-en der beruflichen Grundbildung.<\/p>\n<h4><a href=\"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/Graph_4.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-1003\" src=\"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/Graph_4.png\" alt=\"Graph_4\" width=\"674\" height=\"348\" srcset=\"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/Graph_4.png 674w, https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/Graph_4-300x154.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 674px) 100vw, 674px\" \/><\/a><\/h4>\n<p><a href=\"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/5a_5b1.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-951\" src=\"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/5a_5b1.png\" alt=\"5a_5b\" width=\"672\" height=\"364\" srcset=\"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/5a_5b1.png 672w, https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/5a_5b1-300x162.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 672px) 100vw, 672px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Bis hierhin haben wir die Personen mit einer beruflichen Grundbildung als eine einzige homogene Kategorie betrachtet. Nun variiert die Qualit\u00e4t der Berufslehren aber stark \u2013 mit besonders hohen intellektuellen Anforderungen f\u00fcr Lehren wie Konstrukteur\/in, Elektroniker\/in, Mediamatiker\/in und bescheideneren Anforderungen f\u00fcr Lehren wie Metzger\/in, Plattenleger\/in oder Coiffeur\/-euse (Stalder 2011: 18-20).<\/p>\n<p>Wir tragen dieser Heterogenit\u00e4t Rechnung, indem wir die berufliche Grundbildung auf der Grundlage des Berufs, den die Befragten erlernt haben, in sechs Kategorien einteilen: (i) Landwirtschaftliche und Bauberufe; (ii) Berufe in der technischen und industriellen Produktion; (iii) Berufe in der Informatik und technische B\u00fcroberufe (z. B. Zeichner); (iv) Kaufm\u00e4nnische und Sekretariatsberufe; (v) Pers\u00f6nliche Dienstleistungsberufe \u2013 Verkauf, Gastgewerbe, Coiffeurgewerbe etc.; (vi) Berufe im Sozial- und Gesundheitswesen. In der Graphik 5 zeigen wir die Entwicklung des Jahreslohnes f\u00fcr die verschiedenen Lehrberufe \u2013 und vergleichen sie erneut mit derjenigen f\u00fcr Personen mit einer Allgemeinbildung auf Sekundarstufe II.<\/p>\n<p>Diese feinere Analyse f\u00f6rdert betr\u00e4chtliche Unterschiede zwischen den sechs Typen von Berufslehren zutage und zeigt namentlich einen st\u00e4rkeren Lohnanstieg f\u00fcr die technischen und industriellen Fachkr\u00e4fte als f\u00fcr die pers\u00f6nlichen Dienstleistungsberufe. Allerdings folgen w\u00e4hrend des gesamten Erwerbslebens die unterschiedlichen Lehrberufe einer \u00e4hnlichen Kurve. \u00dcberdies bleiben alle Kategorien von Berufslehren unter der Lohnkurve f\u00fcr die Personen mit einem allgemeinbildenden Diplom auf Sekundarstufe II. Ab 30 bis 35 Jahren \u00fcbersteigt der Medianlohn der Gruppe mit allgemeinbildendem Abschluss denjenigen s\u00e4mtlicher Kategorien der Berufsbildung. Dieses Ergebnis legt nahe, dass sich die Schlussfolgerungen zur Lohnentwicklung nicht \u00e4ndern, ob wir nun die Berufslehren als eine einzige Kategorie behandeln oder in sechs Kategorien aufteilen.<\/p>\n<h4><a href=\"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/6a_6b1.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-952\" src=\"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/6a_6b1.png\" alt=\"6a_6b\" width=\"688\" height=\"626\" srcset=\"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/6a_6b1.png 688w, https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/6a_6b1-300x272.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 688px) 100vw, 688px\" \/><\/a><\/h4>\n<p>Eine nach vier Subperioden (1991-1996, 1997-2002, 2003-2008, 2009-2014) differenzierte Analyse legt nahe, dass sich der aus einer Allgemeinbildung auf Sekundarstufe II ergebende Lohnvorteil im Lauf der Zeit verringert hat, und dies besonders f\u00fcr die M\u00e4nner (siehe die Graphik A.1 im Anhang). Im Zeitraum von 1991 bis 1996 betrug der Lohnvorteil bei M\u00e4nnern auf die gesamte Berufslaufbahn gesehen 23%, in den Jahren 2009-2014 nur noch 3%. Bei Frauen verringerte sich der Lohnvorteil w\u00e4hrend derselben Zeitr\u00e4ume weniger markant von 24% auf 11%.<\/p>\n<p>Eine andere Art, die sich im Verlauf der Zeit ergebenden Unterschiede zu beobachten, bildet ein Vergleich der Alterskohorten von Berufst\u00e4tigen (Gruppen, die in demselben Jahrzehnt geboren sind). Zus\u00e4tzliche Analysen zeigen, dass die Lohnentwicklung f\u00fcr die Personen mit einer Berufsbildung \u00fcber die Kohorten hinweg \u00e4hnlich ist. Bei M\u00e4nnern mit einer Allgemeinbildung auf Sekundarstufe II beobachten wir hingegen f\u00fcr die j\u00fcngeren Kohorten etwas weniger hohe L\u00f6hne. Dies erkl\u00e4rt, warum in den letzten Zeitabschnitten die L\u00f6hne dieser Ausbildungskategorie weniger stark wachsen.<\/p>\n<h2><\/h2>\n<h2>Lohneinkommen \u00fcber die gesamte Erwerbskarriere<\/h2>\n<p>Unsere deskriptiven Analysen zeigen, dass Personen mit einer terti\u00e4ren Bildung auf dem schweizerischen Arbeitsmarkt klar bevorteilt und diejenigen ohne postobligatorische Ausbildung ebenso klar benachteiligt sind. Ein Vergleich zwischen Personen mit berufs- und allgemeinbildenden Abschl\u00fcssen auf der Sekundarstufe II ergibt dagegen zweideutige Ergebnisse. Die Erwerbsquote ist h\u00f6her f\u00fcr die Personen mit Berufslehre, w\u00e4hrend die Lohnentwicklung w\u00e4hrend der gesamten Berufslaufbahn g\u00fcnstiger f\u00fcr die Maturanden ist.<\/p>\n<p>Welche Gesamtbilanz ergibt sich daraus? Um diese Frage zu beantworten, m\u00fcssen wir zun\u00e4chst den Einfluss weiterer Faktoren reduzieren, welche zugleich die Wahl einer Ausbildung und die Lage auf dem Arbeitsmarkt beeinflussen k\u00f6nnten. Zu denken ist hier namentlich an die Nationalit\u00e4t, den Wohnsitzkanton, den Gemeindetyp (vom kleinen Dort zum st\u00e4dtischen Zentrum) sowie die soziale Herkunft (Bildungsniveau und Beruf des Vaters und der Mutter), wobei letztere Information nur im Schweizerischen Haushaltspanel (SHP) verf\u00fcgbar ist. Unter Einbezug dieser Kontrollvariablen berechnen wir, wie die Erwerbsquote und der Durchschnittslohn f\u00fcr einen in der Stadt Z\u00fcrich wohnenden Schweizer abh\u00e4ngig von seinem Bildungsniveau und Alter variiert.[4]<\/p>\n<p>Es gilt nun, f\u00fcr dieses Standardprofil den Durchschnittslohn \u00fcber die gesamte Erwerbslaufbahn zu summieren, wobei wir jedes Altersjahr nach der Erwerbswahrscheinlichkeit gewichten. F\u00fcr diese Berechnung verwenden wir zuerst die Daten der SAKE und replizieren dann unsere Analysen mit den Daten des SHP. Tabelle 1 zeigt uns, dass die berufliche Grundbildung f\u00fcr M\u00e4nner von 20-36\/38 Jahren und f\u00fcr Frauen zwischen 20 und 30\/33 Jahren mit einem h\u00f6heren Lohnniveau einhergeht als ein allgemeinbildender Abschluss auf Sekundarstufe II. W\u00e4hrend der ersten 10 bis 20 Jahren einer Berufslaufbahn gleicht die h\u00f6here Erwerbswahrscheinlichkeit der Personen mit einer Berufslehre somit ihre im Vergleich mit den Maturanden tieferen Stundenl\u00f6hne mehr als aus.<\/p>\n<p>\u00dcber die gesamte Berufslaufbahn hinweg er\u00f6ffnet die berufliche Grundbildung M\u00e4nnern einen leichten Vorteil bei den kumulierten (und nach der Wahrscheinlichkeit, in einem Arbeitsverh\u00e4ltnis zu stehen, gewichteten) L\u00f6hnen mit einem Plus von 3.1% (gem\u00e4ss der SAKE) respektive 6.6% (gem\u00e4ss dem SHP). Umgekehrt f\u00fchrt bei Frauen eine Allgemeinbildung im Durchschnitt zu kumulierten L\u00f6hnen \u00fcber die Erwerbskarriere, welche die mit einer Berufsbildung erhaltenen L\u00f6hne mit 4.8% (SAKE) bis 7.6% (SHP) \u00fcbersteigen. Mit anderen Worten kann bei M\u00e4nnern eine Allgemeinbildung den Einstiegsvorteil, den die Berufsbildung auf dem Arbeitsmarkt bietet, nicht ganz ausgleichen. Bei Frauen kehrt sich jedoch diese Tendenz um, und die Inhaberinnen einer Matura \u00fcberholen ihre Kolleginnen mit einer Berufslehre in Bezug auf die kumulierten L\u00f6hne.<\/p>\n<h4><a href=\"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/Tabelle_1.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-954\" src=\"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/Tabelle_1.png\" alt=\"Tabelle_1\" width=\"690\" height=\"397\" srcset=\"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/Tabelle_1.png 690w, https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/Tabelle_1-300x172.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 690px) 100vw, 690px\" \/><\/a><\/h4>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Schlussfolgerungen<\/h2>\n<p>Unsere Studie hat die Frage aufgeworfen, ob die kurzfristigen Vorteile einer Lehre aufgrund einer guten Integration in den Arbeitsmarkt w\u00e4hrend des gesamten Lebenslaufs erhalten bleiben. Zuerst einmal best\u00e4tigen unsere Daten die Hypothese nicht, dass Erwerbst\u00e4tige mit einer Berufsbildung Opfer des Strukturwandels werden. F\u00fcr alle Alterskategorien sind die Arbeitslosenquoten unter Personen mit beruflicher Grundbildung niedrig und ihre Erwerbsquote bleibt auch nach dem 50. Altersjahr hoch. Unsere Ergebnisse widersprechen somit einer verbreiteten Idee, wonach das Erlernen eines eng definierten Berufs in der Schweiz ein Risiko f\u00fcr die langfristige Besch\u00e4ftigungsf\u00e4higkeit darstellt. Personen mit einer Allgemeinbildung auf Sekundarstufe II haben keine h\u00f6here Wahrscheinlichkeit, nach 50 besch\u00e4ftigt zu sein, als Personen mit einer beruflichen Grundbildung.<\/p>\n<p>Allem Anschein nach stellt eine Lehre in der Schweiz eine effiziente Versicherung gegen das Risiko der Arbeitslosigkeit dar. Allerdings sieht die Bilanz bei den L\u00f6hnen weniger rosig aus. Zwar erleichtert die Berufsbildung den Einstieg in den Arbeitsmarkt, doch eine Allgemeinbildung f\u00fchrt w\u00e4hrend des ganzen Lebenslaufs zu einem deutlich h\u00f6heren Lohnanstieg. Ab einem Alter von 30 Jahren verdienen M\u00e4nner und Frauen mit einer Matura h\u00f6here Jahresl\u00f6hne als ihre Altersgenossen mit Lehrabschluss. Dieses Ergebnis best\u00e4tigt sich auch dann, wenn man Lehren in unterschiedlichen Berufsfeldern ber\u00fccksichtigt und erst recht, wenn man statt den Jahresl\u00f6hnen die Stundenl\u00f6hne vergleicht. Im Durchschnitt verl\u00e4uft der Lohnanstieg nach einer Berufslehre deutlich flacher als f\u00fcr eine Allgemeinbildung auf Sekundarschule II \u2013 von einer Terti\u00e4rausbildung ganz zu schweigen.<\/p>\n<p>Die Achillesferse der beruflichen Grundbildung ist somit nicht die Besch\u00e4ftigungsf\u00e4higkeit, sondern der Lohnanstieg. Sehr hohe Erwerbsquoten weisen darauf hin, dass die Unternehmen ein erwiesenes Bed\u00fcrfnis nach Personen mit einer Berufsbildung haben. Doch sie bezahlen ihnen einen deutlich niedrigeren Lohn als Angestellten mit einem allgemeinbildenden Abschluss.<\/p>\n<p>Ein letztes beachtenswertes Ergebnis betrifft die Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Die Art der Ausbildung f\u00fchrt zu unterschiedlichen L\u00f6hnen f\u00fcr M\u00e4nner und Frauen. Gewichten wir die L\u00f6hne nach der Wahrscheinlichkeit besch\u00e4ftigt zu sein, so zeigt sich, dass f\u00fcr die M\u00e4nner eine berufliche Grundbildung ebenso vorteilhaft ist wie eine Allgemeinbildung auf Sekundarstufe II. F\u00fcr die Frauen sind im Gegenteil die kumulierten L\u00f6hne \u00fcber die Erwerbskarriere hinweg bei einer Matura klar h\u00f6her als bei einer Berufslehre.<\/p>\n<p>Mit anderen Worten er\u00f6ffnet das schweizerische System der Berufslehren den M\u00e4nnern Perspektiven, die auf lange Frist der Maturit\u00e4t gleichwertig sind. Die Frauen ziehen aus einer Maturit\u00e4t jedoch weit mehr Nutzen als aus einer Lehre. Interessanterweise schlagen sich diese Unterschiede zwischen den Geschlechtern auch in der Entwicklung der Maturit\u00e4tsquote w\u00e4hrend der letzten 25 Jahre nieder. 1990 erreichten die Frauen erstmals eine gleich hohe Maturit\u00e4tsquote wie die M\u00e4nner (13.5%). Seither ist die Maturit\u00e4tsquote der Frauen kontinuierlich angestiegen und erreichte 2014 23.5%, w\u00e4hrend diejenige der M\u00e4nner bei 17% stagniert. Im Moment der Wahl einer postobligatorischen Ausbildung sch\u00e4tzen Frauen die Rendite einer Allgemeinbildung als h\u00f6her ein als diejenige einer Berufsbildung (Glauser 2015). Im Licht unserer Ergebnisse zu den L\u00f6hnen k\u00f6nnen wir schliessen, dass diese Einsch\u00e4tzung korrekt ist \u2013 und dies auch dann, wenn ihre Ausbildung nicht \u00fcber eine Matura hinausgeht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>[1] Wir verwenden den Begriff Lohn. Da wir uns aber nicht auf Angestellte beschr\u00e4nken, sondern auch Selbstst\u00e4ndig-Erwerbende und Arbeitgeber miteinbeziehen, die mindestens 8 Stunden pro Woche arbeiten, behandeln wir hier streng genommen die Arbeitseinkommen und nicht nur die L\u00f6hne.<\/p>\n<p>[2]Etwa 10. Schuljahre, Vorlehren, Eidgen\u00f6ssische Berufsatteste (EBA) und Fachmittelschulen.<\/p>\n<p>[3] Dies ist der Fall bei ungef\u00e4hr 40% bis zum Alter von 22 Jahren, bei 21% der 25j\u00e4hrigen und bei 7% der 28j\u00e4hrigen. Umgekehrt befinden sich nur etwa 5% der 20-22j\u00e4hrigen mit einer Berufsbildung in Ausbildung, 2% im Alter von 25 und nur 1% im Alter von 28 Jahren. Somit erkl\u00e4rt sich ein Teil der niedrigen Erwerbsquote der 20-25j\u00e4hrigen der Gruppe \u00abAllgemeinbildung auf Sekundarstufe II&nbsp;\u00bb mit der Tatsache, dass ein wesentlicher Teil von ihnen eine Ausbildung auf Terti\u00e4rstufe besucht.<\/p>\n<p>[4] Diese Analyse erlaubt es uns festzustellen, ob bei sonst gleichbleibenden Umst\u00e4nden (in Bezug auf die beobachteten Eigenschaften) die unterschiedlichen Erwerbsquoten und Jahresl\u00f6hne mit den deskriptiven Ergebnissen vergleichbar sind \u2013 oder ob letztere auf Unterschiede in der Zusammensetzung der Bev\u00f6lkerung zur\u00fcckzuf\u00fchren sind. F\u00fcr die SAKE werden als Kontrollvariablen die Nationalit\u00e4t, die Kategorie der Aufenthaltsbewilligung, die Region, der Gemeindetyp und das Kalenderjahr verwendet. F\u00fcr das Schweizerische Haushalt-Panel wird zus\u00e4tzlich zu denselben Variablen auch der Ausbildungs- und Berufsstatus des Vaters und der Mutter verwendet (Referenzkategorien: Berufslehre, Facharbeiter\/in).<\/p>\n<p>In beiden F\u00e4llen sind die Schl\u00fcsselvariablen identisch: die Ausbildung, das Alter und die Interaktion zwischen Alter und Ausbildung. Da sich der Alterseffekt w\u00e4hrend einer Berufslaufbahn kurvenf\u00f6rmig entwickelt, f\u00fcgen wir einen quadratischen Term f\u00fcr das Alter hinzu. Eine vollst\u00e4ndigere Diskussion und Analyse, namentlich der Selektionseffekte, finden sich in Korber und Oesch (2016).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Anhang<\/h2>\n<p><a href=\"https:\/\/www.socialchangeswitzerland.ch\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/Anhang.pdf\">Graphiken A.1a und A.1b: Median-Jahreslohn nach Alter f\u00fcr verschiedene Ausbildungen per Zeitabschnitt<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einleitung Die Schweiz ist das \u00abMusterland\u00bb der Berufsbildung. In keinem anderen OECD-Land ist der Anteil der Jugendlichen, die eine Berufslehre machen, derart hoch. In der Schweiz absolvieren 60% eines Jahrgangs eine duale Ausbildung, in der die Kompetenzen gleichzeitig in einer Schule und in einem Betrieb erworben werden. 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