Soziales Vertrauen in der Schweiz (2002–2024): Ältere gewinnen, Junge stagnieren

N°44, Mai 2026
Claire Janssen, Ursina Kuhn & Marieke Voorpostel (FORS),

May 4, 2026
How to cite this article:

Janssen, C., Kuhn, U. & Voorpostel, M. (2026). Soziales Vertrauen in der Schweiz (2002–2024): Ältere gewinnen, Junge stagnieren. Social Change in Switzerland, N°44. doi: 10.22019/SC-2026-00004

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Résumé

Soziales Vertrauen ist die Grundlage für kohäsive und demokratische Gesellschaften. Mehrere ak-tuelle Studien befassen sich mit dessen Rückgang. In der Schweiz zeigt unsere Längsschnittanalyse der Daten des Schweizer Haushalt-Panels (2005–2024) und des European Social Survey (2002–2022) jedoch keinen allgemeinen Rückgang des sozialen Vertrauens. Zwar gibt es Unterschiede je nach Alter, Bildungsstand, Nationalität oder Religiosität, doch bleiben die Verläufe innerhalb die-ser Untergruppen insgesamt stabil. Eine Ausnahme bildet das Alter, wo sich die Unterschiede zwi-schen den 14- bis 25-Jährigen und den Älteren vergrössert haben. Eine generationsbezogene Ana-lyse über den gesamten Lebensverlauf zeigt, dass das Vertrauen mit zunehmendem Alter steigt und bei den Babyboomern höher ist als bei den Generationen, die davor (die „Silent Generation“) oder danach (Generation X und die Millennials) geboren wurden. Die Generation Z weist ihrerseits ein etwas geringeres Vertrauensniveau auf, das jedoch in jüngster Zeit wieder angestiegen ist.


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Einleitung

Soziales Vertrauen, das heisst der Glaube an die Zuverlässigkeit und Integrität anderer Mitglieder der Gesellschaft, bildet eine wichtige Basis für eine kohäsive und funktionierende Gesellschaft. Die Forschung in Soziologie, Politikwissenschaft und Psychologie betrachtet soziales Vertrauen als zentrales Element des Sozialkapitals und als entscheidenden Faktor für das Wohlergehen einer Gesellschaft. Soziales Vertrauen erleichtert die Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedern einer Gesellschaft (Putnam et al. 1994) und wirkt zudem als moralischer Mechanismus, der Innovation und Effizienz fördert und Lügen, Betrug und Diebstahl entgegenwirkt (Rahn und Transue 1998). Darüber hinaus profitieren Gesellschaften mit einem hohen Mass an sozialem Vertrauen von einer höheren Lebenszufriedenheit (Balliet und Van Lange 2013).

In Zeiten politischer Polarisierung und systemkritischer Mobilisierungen spielt Vertrauen eine wichtige Rolle für den Erhalt der Demokratie. Es fördert die Herausbildung gemeinsamer Identitäten und Interessen zwischen den Bürgern und ihren Vertretern (Lenard 2005) und unterstützt die Einhaltung demokratischer Normen (Rahn und Transue 1998). Mit anderen Worten: Es gewährleistet, dass die Regierungsführung als legitim wahrgenommen wird, Konflikte verringert und die Zusammenarbeit gefördert wird.

Allerdings nehmen die Sorgen um das soziale Vertrauen zu, da es in bestimmten Regionen der Welt abzunehmen scheint. In den Vereinigten Staaten vertraut jede Generation seit den 1940er Jahren anderen weniger als die vorherige Generation. Dieser Rückgang ist besonders ausgeprägt bei den nach 1965 Geborenen: Im Gegensatz zu älteren Generationen steigt ihr Vertrauensniveau mit zunehmendem Alter nicht mehr an. Die Folge ist ein kontinuierlicher Rückgang des sozialen Vertrauens (Rahn und Transue 1998; Clark und Eisenstein 2013). Angesichts der Ablösung älterer, vertrauensvollerer Generationen durch jüngere, misstrauischere Generationen wird das soziale Vertrauen weiter abnehmen (Schwadel und Stout 2012). Mehrere Autoren interpretieren diesen Vertrauensverlust als Teil eines umfassenderen Trends der Entzauberung in westlichen Gesellschaften, der durch Misstrauen gegenüber Institutionen, eine abnehmende Integration in die Gemeinschaft und eine Schwächung der familiären Bindungen gekennzeichnet ist (Stolle und Hooghe 2005). Tatsächlich wachsen Menschen, die nach 1968 geboren wurden, in einem Umfeld auf, das durch geringeres Vertrauen in Institutionen, ein nachlassendes bürgerschaftliches Engagement und den Aufstieg eines auf spezifische Themen ausgerichteten Aktivismus gekennzeichnet ist – Bedingungen, die der Entwicklung von sozialem Vertrauen wenig förderlich sind (Jennings und Stoker 2004). Auch in Asien und Afrika ist seit Mitte der 2000er Jahre ein deutlicher Rückgang des sozialen Vertrauens zu beobachten (Roth 2025; Integrated Values Surveys und Our World in Data 2025)[1]. In den Ländern Nord- und Westeuropas hingegen stieg das Vertrauen zwischen 2000 und 2015 an und blieb bis 2020 stabil (Roth 2025). Das Niveau und die Entwicklung des sozialen Vertrauens variieren daher sowohl auf globaler als auch auf nationaler Ebene.

In diesem Beitrag untersuchen wir, ob in der Schweiz eine «Vertrauenskrise» zu beobachten ist. Zu diesem Zweck betrachten wir die Entwicklung des sozialen Vertrauens in den letzten zwei Jahrzehnten und legen dabei ein besonderes Augenmerk auf Unterschiede zwischen den Generationen, Bildungsniveaus und Geschlechtern.

Die Erhebungen und ihre Messung des Vertrauens

Wir verwenden zwei Datenquellen, um die Entwicklung des sozialen Vertrauens zu analysieren: das Schweizer Haushalt-Panel (SHP) und den European Social Survey (ESS).

Das SHP ist eine jährliche Befragung, die seit 1999 mit Zufallsstichproben der in privaten Haushalten lebenden Bevölkerung in der Schweiz durchgeführt wird (siehe Tillmann et al. 2016). Die Teilnehmenden sind 14 Jahre oder älter und werden jedes Jahr befragt. Die Stichproben stammen aus den Jahren 1999, 2004, 2013 und 2020. Unsere Analysen basieren auf insgesamt 184’731 Beobachtungen von 30’141 Individuen und decken den Zeitraum von 2005 bis 2024 ab.

Die Nichtbeantwortungsrate („weiss nicht“, „keine Antwort“) auf die Frage zum sozialen Vertrauen ist gering, jedoch verlassen Personen mit weniger sozialem Vertrauen die Befragung häufiger, was zu einer Überschätzung des Niveaus des sozialen Vertrauens und zu einer Unterschätzung eines möglichen Vertrauensverlusts im Laufe der Zeit führen kann. Daher ergänzen wir die Analyse mit einer zweiten Datenquelle, dem European Social Survey (ESS), einer Querschnittsbefragung, die nicht mit diesem Problem des Ausfalls von Teilnehmenden konfrontiert ist. Der ESS wurde 2002 gestartet und findet alle zwei Jahre statt. Die Anzahl der Befragten variiert zwischen 2’040 (2002) und 1’384 (2022).

Es gibt viele Möglichkeiten, soziales Vertrauen zu messen. Wir verwenden folgende Frage: „Würden Sie sagen, dass man den meisten Menschen vertrauen kann, oder dass man im Umgang mit anderen nie vorsichtig genug sein kann?“, mit Antwortmöglichkeiten von 0 („man kann nie vorsichtig genug sein“) bis 10 („man kann den meisten Menschen vertrauen“). Diese Fragenstellung wurde in der Vergangenheit kritisiert, da sie auf unterschiedliche Weise interpretiert werden kann, was die Vergleichbarkeit zwischen Gruppen, Ländern oder über die Zeit hinweg einschränken kann (Nannestad 2008). Dennoch wird diese seit 1948 bestehende Formulierung weiterhin in vielen grossen Erhebungen verwendet, etwa im World Values Survey und dem European Values Survey. Vor allem hat es sich über die Zeit als zuverlässig erwiesen: Die erzielten Ergebnisse bleiben von einem Messungszeitpunkt zum nächsten konsistent und entsprechen dem, was man in der Realität beobachtet, beispielsweise einer Korrelation zwischen sozialem Vertrauen und der Kriminalitätsrate.

Die allgemeine Entwicklung des sozialen Vertrauens

Abbildung 1 zeigt die Entwicklung des sozialen Vertrauens in der Schweiz seit Beginn der 2000er Jahre und lässt keinen allgemeinen Abwärtstrend erkennen. Im Gegenteil: Das soziale Vertrauen hat zwischen 2005 und 2011 leicht zugenommen, und der Höhepunkt des sozialen Vertrauens wurde 2017/2018 erreicht. Die Analyse der ESS-Erhebung bestätigt die beobachteten Trends. Zwar ist das Vertrauensniveau im ESS etwas niedriger als im SHP, doch sind die Schwankungen in den SHP-Daten ab 2014 ähnlich, wobei 2016 und 2020 Spitzenwerte des sozialen Vertrauens zu verzeichnen waren.

Abbildung 1: Die Entwicklung des sozialen Vertrauens in der Schweiz

Im Gegensatz zu den in den Vereinigten Staaten gemachten Feststellungen (e.g Clark und Eisenstein 2013) ist in der Schweiz in den ersten beiden Jahrzehnten des 21..Jahrhunderts daher kein Rückgang des sozialen Vertrauens zu beobachten. Dennoch unterliegt das durchschnittliche Vertrauen seit 2016 Schwankungen. Diese Schwankungen können mit Periodeneffekten, dem Generationswechsel (mehr oder weniger vertrauensvolle Kohorten) oder auch der Entwicklung der Altersstruktur der Bevölkerung zusammenhängen.

Vertrauen nach soziodemografischen Gruppen

Abbildung 2 zeigt, dass das soziale Vertrauen je nach Bildungsniveau variiert und dass die Unterschiede im Laufe der Zeit stabil geblieben sind. Personen mit Tertiärausbildung weisen das höchste Vertrauensniveau auf, während Personen mit obligatorischer Schulbildung das niedrigste Niveau aufweisen. Hierzu wurden mehrere Erklärungsfaktoren vorgeschlagen. Erstens ist Bildung mit grösseren sozioökonomischen Ressourcen verbunden, wie beispielsweise einem höheren Einkommen, was die Anfälligkeit für soziale Risiken und die Kosten des Vertrauens in andere verringert (Brandt et al. 2015). Zweitens kann Bildung die Fähigkeit stärken, Risiken zu bewältigen, Informationen zu interpretieren und das Verhalten anderer zu verstehen. Dies erleichtert die Beurteilung der Vertrauenswürdigkeit anderer und macht es weniger riskant, ihnen Vertrauen zu schenken (Huang et al. 2011). Drittens kann Bildung eine positivere Wahrnehmung der Gesellschaft und von Institutionen wie dem Rechtssystem oder dem Sozialstaat fördern und somit zur Stärkung des sozialen Vertrauens beitragen (Rothstein und Uslaner 2005) (Rothstein und Uslaner 2005). Darüber hinaus bringt das soziale Umfeld der Bildungsinstitution den Einzelnen mit Gleichaltrigen aus unterschiedlichen Milieus in Kontakt, was Offenheit und Toleranz gegenüber Heterogenität fördert (Huang et al. 2011).

Abbildung 2: Entwicklung des sozialen Vertrauens in der Schweiz nach Bildungsniveau

Daten: Schweizer Haushalt-Panel (2005–2024)

Was das Geschlecht betrifft (Abbildung 3), sind Frauen etwas vertrauensvoller als Männer, doch dieser Unterschied ist gering. Zudem entwickelt sich das Vertrauen von Männern und Frauen parallel.

Abbildung 3: Entwicklung des sozialen Vertrauens nach Geschlecht

Daten: Schweizer Haushalt-Panel (2005–2024)

Was das Alter betrifft (Abbildung 4), finden wir im Gegensatz zu den vorangegangenen Abbildungen eine divergierende Entwicklung. Je weiter wir in der Zeit voranschreiten, desto grösser werden die Unterschiede zwischen den verschiedenen Altersgruppen. Für diese Diskrepanz gibt es zwei Ursachen: Erstens hat das Vertrauen der über 65-Jährigen in den letzten zwei Jahrzehnten erheblich zugenommen, so dass diese Altersgruppe im Jahr 2024 ein höheres soziales Vertrauen aufweist als die jüngeren Gruppen. Umgekehrt ist das Vertrauen der 14- bis 25-Jährigen zwischen 2014 und 2022 zurückgegangen[2]. Die beiden letzten untersuchten Jahre deuten auf einen Aufwärtstrend bei den Jüngsten hin, doch ihr Vertrauensniveau bleibt unter demjenigen der anderen Gruppen.

Das Vertrauensniveau variiert auch in Abhängigkeit von anderen Faktoren. Schweizer Staatsangehörige sind im Durchschnitt vertrauensvoller als Personen mit ausländischer Staatsangehörigkeit. Stark religiöse Personen weisen ein höheres Vertrauen auf als nicht-religiöse Personen. Weitere Faktoren, die einen positiven Zusammenhang mit dem sozialen Vertrauen aufweisen, sind die Grösse des sozialen Netzwerks (z. B. die Anzahl der Freunde), Elternschaft, eine gute subjektive psychische Gesundheit und wirtschaftliche Ressourcen (Einkommen, Vermögen, Zufriedenheit mit der finanziellen Situation). Im Gegensatz dazu verringern negative Lebensereignisse (z. B. Unfälle) das soziale Vertrauen. Der Zusammenhang zwischen diesen Faktoren und dem sozialen Vertrauen hat sich im Laufe der Zeit nicht verändert. Das Alter stellt somit eine Ausnahme dar, bei der die verschiedenen Bevölkerungsgruppen unterschiedliche Verläufe aufweisen.

Abbildung 4: Entwicklung des sozialen Vertrauens in der Schweiz nach Alter

Daten: Schweizer Haushalt-Panel (2005–2024)

Vertrauen nach Generation

Angesichts der wachsenden Kluft beim sozialen Vertrauen zwischen den verschiedenen Altersgruppen unterscheiden wir in einem zweiten Schritt zwischen dem Einfluss des Alters und dem Einfluss der Geburtskohorten, die in Abbildung 5 dargestellt sind.

Beim Alter beobachten wir einen Anstieg des Vertrauens im Lebensverlauf. Dieser Effekt ist in der Jugend und im frühen Erwachsenenalter besonders ausgeprägt, was auf die wichtige Rolle der Sozialisierung hindeutet: Über die Zeit entwickeln die Menschen ein grösseres Vertrauen in andere. Auch im späteren Erwachsenalter wächst das Vertrauen weiter bis zum Rentenalter, wo es ein hohes Niveau erreicht und anschliessend beibehält.

Aus generationsbezogener Perspektive unterscheidet Abbildung 5 die stille Generation (geboren vor 1946), die Babyboomer (geboren zwischen 1946 und 1964), die Generation X (geboren zwischen 1965 und 1980), die Millennials (geboren zwischen 1981 und 1996) und die Generation Z (geboren ab 1997). Jede Generation konnte nur über einen Lebensabschnitt beobachtet werden. Dennoch heben sich zwei Generationen leicht, aber statistisch signifikant von den anderen ab: Die Babyboomer weisen ein höheres Mass an sozialem Vertrauen auf, während das soziale Vertrauen bei der Generation Z ein etwas niedriger ausfällt.

Für die Babyboomer stehen diese Ergebnisse im Einklang mit der wissenschaftlichen Literatur, die das hohe Mass an Vertrauen dieser Generation auf ihrer Sozialisation in der Nachkriegszeit zurückführt – einer Zeit des Wirtschaftswachstums, des Optimismus und des bürgerschaftlichen Engagements (Uslaner 2000). Bei der Generation Z ist das im Jugendalter gemessene Vertrauensniveau etwas niedriger als das der vorherigen Generation, der Millennials, doch dieser Abstand hat sich im Alter zwischen 20 und 25 Jahren verringert. Aufgrund der begrenzten Beobachtungsdauer lassen die Daten noch keine Aussage darüber zu, ob die Generation Z diesen Rückstand aufholen wird oder ob sie auf einem niedrigeren Vertrauensniveau verbleiben wird. Einerseits lassen bestimmte Faktoren auf einen Aufholprozess hoffen, wie beispielsweise wichtige Lebensübergänge, darunter der Auszug aus dem Elternhaus oder ein späterer Abschluss der Ausbildung. Andererseits sind die jüngeren Generationen weiterhin Risiken ausgesetzt, die ein geringeres Vertrauensniveau erklären könnten. So wissen wir beispielsweise, dass in den letzten zwei Jahrzehnten das Gefühl der persönlichen und wirtschaftlichen Sicherheit sowie der Optimismus für die Zukunft bei jungen Menschen weltweit abgenommen hat (McGorry et al. 2024). Auch in der Schweiz wurde ein Rückgang des Wohlbefindens bei jungen Menschen beobachtet (Gondek et al. 2025). Dieser Rückgang steht im Zusammenhang mit vielfältigen Krisen (Klimawandel, Pandemie, Sicherheitskrise) und der schädlichen Nutzung sozialer Netzwerke. Auch sozioökonomische Instabilität könnte eine Rolle spielen, die sich in prekären Beschäftigungsverhältnissen, einem Mangel an bezahlbarem Wohnraum, zunehmender Ungleichheit zwischen den Generationen und wachsender politischer Polarisierung niederschlägt.

Abbildung 5: Soziales Vertrauen nach Alter und Kohorte (95 %-Konfidenzintervalle)

Daten: Schweizer Haushalt-Panel (2005–2024)

Schlussfolgerung

Soziales Vertrauen ist eine tragende Säule einer funktionierenden Gesellschaft, indem es uns dazu ermutigt, demokratische Normen zu befolgen, Gemeinschaften und gemeinsame identitäre Werte zu etablieren oder die Lebenszufriedenheit zu steigern. Unsere Analysen zeigen, dass sich die Schweiz nach wie vor durch ein hohes und stabiles Vertrauensniveau auszeichnet, was einen wesentlichen Vorteil für den sozialen Zusammenhalt und das Funktionieren der Demokratie darstellt. Die Schweiz folgt einer Entwicklung, die mit der in mehreren europäischen Ländern beobachteten vergleichbar ist: ein Anstieg bis Anfang der 2010er Jahre, gefolgt von einer Stabilisierung.

Das soziale Vertrauen ist bei Personen mit Tertiärbildung, einer günstigen finanziellen Situation, Schweizer Staatsangehörigkeit oder höherem Alter höher. Im Gegensatz zu den anderen Variablen haben sich die altersbedingten Unterschiede seit 2005 vergrössert. Diese Feststellung fügt sich in eine breitere Debatte über die Situation der jüngeren Generationen ein. Die gemeinsame Untersuchung der Auswirkungen von Alter und Generation zeigt, dass die Befürchtungen eines Rückgangs des sozialen Vertrauens bei jungen Menschen weder bestätigt noch eindeutig widerlegt werden können. Einerseits weist die Generation Z zu Beginn ihres Lebenslaufs ein geringeres Vertrauensniveau auf als die vorherige Generation; andererseits zeigen die verfügbaren Daten einen Aufholprozess in den letzten Beobachtungsjahren. Es ist noch zu früh, um festzustellen, ob die Generation Z das bei den vorherigen Generationen beobachtete Vertrauensniveau vollständig erreichen wird. Deutlicher ist die Situation bei den Babyboomern, die sich durch ein besonders hohes Vertrauensniveau auszeichnen.

Insgesamt zeigen unsere Analysen, dass sich die Schweiz nicht in einer «Vertrauenskrise» befindet. Auch wenn heute keine eindeutigen Anzeichen für einen Vertrauensverlust zu beobachten sind, ist dennoch eine gewisse Wachsamkeit geboten. Zum einen ist in anderen Regionen der Welt, insbesondere in Asien, Afrika und den Vereinigten Staaten, ein Rückgang des sozialen Vertrauens zu verzeichnen. Zudem ist das allgemeine Vertrauensniveau in der Schweiz zwar nach wie vor hoch, birgt jedoch das Risiko, dass vertrauensvolle Generationen wie die Babyboomer durch misstrauischere Generationen abgelöst werden, was das derzeitige Vertrauensniveau gefährden könnte.

  1. Diese internationalen Vergleiche basieren auf Daten der World Value Survey und der European Value Surveys.
  2. Die Daten der ESS zeigen einen ähnlichen Trend mit zunehmenden Unterschieden zwischen den Altersgruppen im Laufe der Zeit.

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